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Machtkampf beendet

2. Dezember 1927: Leo Trotzki von der Partei ausgeschlossen

Leo Trotzki und 76 seiner Anhänger werden auf dem 15. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) aus der Partei ausgeschlossen. Dem ehemaligen Anführer der Roten Armee im Bürgerkrieg werden geheime Fraktionsarbeit und parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Ein Rückblick.

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Als sich die beiden jungen Revolutionäre im London 1907 sich das erste Mal begegnen, könnten die Unterschiede gar nicht größer sein: Leo Trotzki ist der Sohn wohlhabender jüdischer Bauern aus der Ukraine, Josef Stalin wächst in Georgien auf, in Armut, als Kind eines prügelnden Säufers.

Trotzki ist ein marxistischer Theoretiker im Exil, im Dienst der Revolution in Europas Metropolen unterwegs. Stalin dient der Revolution, indem er für die Partei Banken im Kaukasus ausraubt. Beide mögen sich nicht, Trotzki hält Stalin für einen „Bauerntölpel“, Stalin sieht Trotzki als arroganten Intellektuellen. Beide ringen um die Macht, als Lenin stirbt.

Kurz vor seinem Tod und damit zu spät erkennt Lenin, welche Gefahr von Stalin ausgeht. „Genosse Stalin hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert“, schreibt Lenin. Trotzki dagegen bezeichnet Lenin als „wohl den fähigsten Mann im gegenwärtigen Zentralkomitee“.

Doch als Lenin 1924 nach dem dritten Schlaganfall stirbt, hat Stalin die Schlüsselstellen im Parteiapparat mit den eigenen Leuten besetzt.

Leo Trotzki und 76 seiner Anhänger werden auf dem 15. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) aus der Partei ausgeschlossen. Dem ehemaligen Anführer der Roten Armee im Bürgerkrieg werden geheime Fraktionsarbeit und parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Damit ist der Machtkampf zwischen Stalin und Trotzki beendet.

Doch mit einer selbst unter Tyrannen seltenen Rachsucht und Dämonie geht Stalin gegen jeden vor, den er für einen politischen Gegner oder Abweichler hält. Und keinen hasst Stalin mehr als Trotzki.

Damit beginnt für die Verlierer im Machtkampf eine Odyssee. 1928 folgt die Verbannung nach Sibirien, zusammen mit anderen Trotzkisten. Ein Jahr später wird Trotzki in die Türkei ausgewiesen und schreibt in Konstantinopel an den autobiografischen Schriften „Geschichte der Russischen Revolution“ und „Mein Leben“. Nach Aberkennung seiner sowjetischen Staatsbürgerschaft 1933 beginnt der russische Geheimdienst ihn als Gegner von Stalins Alleinherrschaft zu verfolgen. Trotzki zieht nach Frankreich an einen geheimen Ort, der jedoch nach einem Jahr bekannt wird. 1937 siedelt er nach zweijährigem Aufenthalt in Oslo mit Visum nach Mexiko über. Er mietet ein Haus in Coyoacán und baut es zur bewachten Festung aus. Im Mai 1940 entgeht Trotzki nur knapp einem bewaffneten Überfall des russischen Geheimdienstes auf sein Wohnhaus. Am 20. August wird er von einem eingeschleusten Mörder, der sich als Sympathisant ausgegeben hatte, mit einem Eispickel angegriffen. Einen Tag später erliegt Leo Trotzki seinen Verletzungen. Stalin hatte endlich seine persönlichen Rachegelüste gestillt.

Unter Zar Nikolaus II. wurden binnen zweier Jahrzehnte 12 000 politische Gegner nach Sibirien verbannt. Unter Stalin erreichte die Zahl der Deportationen 20 Millionen – mindestens.



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