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Film-Komödie "Shoppen" von Ralf Westhoff im Metropol Steinbergen

17-mal lachen - einmal weinen

Steinbergen (cok). Neun Männer und neun Frauen, die die Liebe suchen und dabei mindestens so viel und so schnell reden wie in einem Woody-Allen-Film, sie sind die Protagonisten der für deutsche Verhältnisse recht rasanten Komödie "Shoppen" von Ralf Westhoff (2006). In zwei Reihen, Männer hier, Frauen da, sitzen sie sich in einem kahlen Raum gegenüber und haben jeweils ganze fünf Minuten Zeit, um sich bei diesem "Speed Dating" ihren wechselnden Gegenübern zu präsentieren.

Neun Männer, neun Frauen: Ganze fünf Minuten haben sie beim "Spe

Da gibt es die Sexbombe, die sofort mit jedem flirtet, und die Streitsüchtige, die schon das erste Gespräch nutzt, um sich angegriffen zu fühlen. Ein Unternehmensberater hat sich gleich einen ganzen Fragebogen ausgedacht, den er gewissenhaft während der 5-Minuten-Runden ausfüllt, und ein Schönling lässt eiskalt jede Frau auflaufen, die nicht in sein Schema passt. Da sind überhaupt die melancholischen Gestalten, die verbissen an der Hoffnung festhalten, doch noch mal lieben zu können, und die scheinbaren Draufgänger, die alles tun, damit niemand ihre Selbstzweifel entdeckt. 18 junge Menschen aus Deutschland porträtieren sich auf diese unterhaltsame Weise. Kein Zweifel, dass sie, bei aller Überspitzung, ein Panoptikum der Liebesuchenden darstellen sollen. Und das gelingt gar nicht mal schlecht in Anbetracht der formalen Vorgabe, dass es bis auf einige eingestreute Szenen außerhalb der "Speed-Dating"-Runde wirklich nur die Worte, Gesten und Körperhaltungen sind, mit denen sich in schnellen Schnitten die Personen erstaunlich gut in die Erinnerung der Zuschauer hineinreden können. Und doch krankt der Film an einem Grundproblem, das nur einmal ausgehebelt wird: Alle diese Männer und Frauen sind letztlich Pappkameraden, am Drehbuchschreibtisch ersonnen und ohne echten Rückhalt in einer Realität außerhalb des Filmes. Sie lassen seltsam kalt, auch wenn man häufig lachen kann. Keiner dabei, den man sich hätte erwählen können, keiner, mit dessen Lebensproblemen eine Identifikation möglich wäre. Einmal allerdings, da wird es doch sehr still im Kinosaal. Wenn es um die Geschichte der russischen Krankenschwester Irina (Lisa Wagner) geht. Bei aller blonden Schönheit von einem tiefen inneren Schmerz gezeichnet, trifft sie auf den intellektuellen Frank (David Baalcke), der ihr, aus spontanem Erfindungsreichtum heraus, ein kleines Märchen erzählt, mit dem Happy End, dass er in ihr Herz schauen und dort einen Blumengarten entdecken kann. Damit ist es um Irina geschehen. Sie erblüht, sie ist verliebt und so sicher, dass Frank sie wählen wird für ein Date. Doch der hat andere Märchen längst woanders hin verstreut. Als sie ihn, gegen die Regel, doch aufsucht und ihm das herzzerreißende Geständnis einer ersten Liebe macht - mit dem Mut eines Mädchens, das sich ausgerechnet in den Aufreißer der Schule verliebte - da gehen ihm die Märchen aus. Um dieser einzig traurigen Szene willen lohnt es sich, die Komödie zu betrachten. Heute Abend um 20 Uhr im Metropol Steinbergen.



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