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Vor Gericht: 18 Vorstrafen schlagen zu Buche

15 Monate Haft: Urteil macht Angeklagten aufmüpfig

Bückeburg (ly). Stundenlang gibt sich der Angeklagte lammfromm. Bereitwillig erteilt er vor dem Landgericht Auskunftüber sein verpfuschtes Leben, aufmerksam hört er 16 Zeugen zu, anschließend Verteidigung und Staatsanwaltschaft, die ihre Plädoyers halten. Bei der Urteilsverkündung ist es mit der Ruhe schlagartig vorbei. Richter Friedrich von Oertzen muss den plötzlich recht aufmüpfigen Mann (27) ermahnen,sich ordentlich hinzusetzen. Alles nur gespielt?

Dass die Entscheidung der Berufungskammer dem Bückeburger nicht passt, ist klar: 15 Monate Haft als Quittung für diverse Delikte sind kein Pappenstiel, zumal bei der Staatsanwaltschaft schon wieder das nächste Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung anhängig ist. "Damit habe ich aber nichts zu tun", beteuert der 27-Jährige. Zurzeit ist er dabei, eine andere Strafe abzusitzen. Statt Bewährung, vom Angeklagten sehnsüchtig erhofft, gibt's nun Nachschlag. "Bei dieser kriminellen Karriere", so Richter von Oertzen, "ist Bewährung ausgeschlossen." Seit 1992 lebt der Mann in Deutschland, er hat weder Schulabschluss noch Berufsausbildung. Dafür hat er ein Vorstrafenregister mit 18 Eintragungen, überwiegend wegen Diebstahls. "Ich bin nicht stolz auf mein Vorleben", sagt der Heroinsüchtige, der schon mehrfach im Gefängnis gesessen hat, nachdem Bewährungen widerrufen worden sind. Bewährungsversager nennt man so etwas. Im jetzt zu Ende gegangenen Prozess ging es um sieben Straftaten, teils in Tateinheit und bunt gemischt: Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis. Im Herbst 2005 hatte der klamme Bückeburger mehrfach Autokennzeichen, unter anderem in Bückeburg und Stadthagen, abmontiert und die Nummernschilder an seinen eigenen Wagen geschraubt, der mangels Geldesnicht angemeldet war. Zum Teil tankte er dann am nächsten Tag, ohne die Rechnung zu bezahlen, und entkam scheinbar unerkannt. Dass der 27-Jährige illegal unterwegs war, weil er keinen Führerschein besitzt, verwundert kaum noch.

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