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45 000 Fans auf der NDR2-Party und der N-Joy Starshow lassen die Plaza glühen

13. Plaza-Festival verzeichnet neuen Besucherrekord

Recht herbstlich war es an beiden Tagen auf der Plaza – dennoch, bei diesem Programm musste es einem einfach warm ums Herz werden.

Nach einem kurzen Warm-Up mit den NDR-Moderatoren Holger Ponik und Jens Mahrhold sorgt der Opener BenjRose am ersten Festivaltag für einen Auftakt nach Maß. Wie Bob Marley in jungen Jahren sieht Benjamin Rose aus – ein Deutsch-Puertoricaner, von dem wir in Zukunft sicher noch viel hören werden. Hier scheint eine der besten deutschen Rockstimmen heranzureifen – „was für eine geile Stimme“, so die einstimmige Meinung vieler Konzertbesucher.

Langsam füllt sich die Plaza - die Masse tobt, als Axel Bosse mit seiner Band auf die Bühne stürmt – ein fast Heimspiel für den Eintracht Braunschweig-Fan. Während seine Mannschaft wieder in der Bundesliga kickt, performt Bosse schon lange in der höchsten deutschen Spielklasse. Bosse ist Publikums-Motivator, nimmt gleich zu Beginn der Show ein wärmendes Bad in der Menge. „Kraniche“, „Sophie“ und natürlich „Istanbul“ – ein Stück, das er in der türkischen Metropole schrieb, wo er mehrere Monate mit seiner Frau und seiner Tochter verbrachte. Zum Schluss „Frankfurt Oder“ – leider ohne Silly-Frontfrau Anna Loos – man kann halt nicht alles haben, an diesem Abend.

„Jetzt steh ich am Ufer, die Flut unter mir – das Wasser zum Halse, warum bist Du nicht hier“ – es sind bekannte Textzeilen seines bis dato größten Hits „Eiserner Steg“, der Phillip Poisel zurzeit auf „Wolke 7“ schweben lässt. Auch die anderen sonst eher ruhigen Songs wie „All diese Jahre“ und „Wie soll ein Mensch das ertragen“ würzt der Mann mit dem Lausbubengesicht mit einer wohldosierten Prise Rock. Auch seine in Avantgarde-Schwarz gekleideten Musiker sind voll bei der Sache, überzeugen mit unbändiger Spielfreude – „Es macht einfach Spaß mit ihm zu spielen“, bestätigt uns Bassgitarrist Fabian Wendt später im VIP-Bereich. Mit Bosse und auch Phillip Poisel haben sich zwei sympathische Führungskräfte der deutschen Singer/Songwriter-Elite vorgestellt – überzeugend, gradlinig, schnörkellos.

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Unüberhörbar, dass sich die britischen Synthie-Popper Hurts an ihren musikalischen Vorbildern wie den Pet Shop Boys, Depeche Mode oder Tears for Fears orientieren. „Dressed in black“, mit eleganter Gigolo-Frisur, sorgen die beiden Jungs aus Manchester für den ersten größeren Kreischalarm unter den überwiegend weiblichen Fans. Mit „Exile“ und „Miracle“ geht’s los – zum Showdown der Übersong „Stay“. Auch auf dem Weg zur Bühne zeigen sich die beiden Künstler sehr publikumsnah – schreiben Autogramme und lassen sich auch nach ihrem bejubelten Auftritt längere Zeit im VIP-Bereich sehen.

„Boundzound“, Peter Fox und Dellé heißen die drei Frontleute, die zusammen mit 10 weiteren Seeed-Musikern ganz großes Kino bieten. Reggae/Dancehall vom Feinsten – schweißtreibend, explosiv, genial – die Plaza glüht, als „Le Monde“ erklingt – der Headliner wird sofort seiner Ankündigung gerecht. „Es hat keine Nachteile, nur Vorteile, ohne Zweifel hat die Bekanntheit von Peter Fox dem Seeed-Album und der Tour einen Schub gegeben“, erklärte Saxofonist Moritz Delgado in einem Interview. Womit er recht hat, denn der aktuelle Longplayer „Seeed“ schoss von 0 auf 1 in die Charts. Auch auf der Bühne herrscht keine Vormachtstellung des 41-jährigen Seeed-Aushängeschilds. Man ergänzt sich – und das ist auch gut so. Es gibt die volle Seeed-Dröhnung – von „Dickes B“, „Ding“ bis hin zu „Deine Zeit“ – was für ein Finale.

Ausverkaufte N-Joy Starshow

„Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen“ – wie wahr, denn selbst starker Dauerregen konnte die 25 000 Fans auf der N-Joy Starshow nicht vom Partymachen abhalten.

Nach dem Motto „I’m singing in the rain, just singing in the rain“, wurde das nasse Etwas einfach weggesungen oder weggetanzt. Auch die Künstler schickten immer wieder aufmunternde Worte in Richtung Publikum, das tapfer bis zum Ende der Veranstaltung ausharrte.

„Es war das bis dato erfolgreichste Plaza-Festival, die N-Joy Starshow war mit 25 000 Besuchern schon seit Monaten ausverkauft und auch der erste Festivaltag war mit 20 000 Menschen ebenfalls gut besucht – wird sind, lässt man den Dauerregen einmal außen vor, rundum zufrieden. Auch Polizei und Sanitätsdienst meldeten keine erwähnenswerten Vorkommnisse“, erklärte HC-Chef Wolfgang Besemer im Rahmen eines Pressegesprächs.

Mit den Moderatoren Jens Hardeland und Andreas Kuhlage ging es in die Aufwärmphase, die Sieger des diesjährigen N-Joy-Band-Battle, „Flashing Lights“, sorgten mit ihrem Mix aus Indie- und Elektropop kurze Zeit später dafür, dass kalte Füße wieder warm wurden und die Quecksilbersäule im Stimmungsbarometer nicht in den Minusbereich rutschte.

„Wo sind Eure Hände, Welcome To Hannover“ – der erfolgreichste Schweizer DJ-Export geht gleich in die Vollen, lässt immer wieder kurz seinen Mega-Hit „Ma Chérie“ anklingen, bevor er den, zusammen mit dem Regen, auf die Köpfe des Publikums niederprasseln lässt.

Viele tun sich schwer, ihren Namen sofort richtig auszusprechen – Irie Révoltés heißt die Heidelberg-Band, die eine Mischung aus Reggae, Dancehall, Ska, Punk und Hip Hop auf die Bühne transportiert. Auch ihre lustigen Nicknames sind gewöhnungsbedürftig – unter anderem finden wir auf der Besetzungsliste Namen wie „idioT“, „Chriggi“ und „Mal Élevé.

Mit chilliger Reggae-Musik schickt Gentleman einige Sonnenstrahlen aus seiner musikalischen Wahlheimat Jamaika in die Herzen der Konzertbesucher – „Superior“, „It No Pretty“, „To The Top“, „You Remember?“ – aber sicher doch, sind doch alle Top-20-Hits gewesen.

Bei Jamaikas gefragtestem Exportkünstler läuft der Schweiß bereits nach den ersten Songs – das bei dem 40-Jährigen auch nach 70 Minuten Dauer-Jogging noch die Haare wie frisch gestylt aussehen, liegt sicher an seiner in Bienenwachs getränkten Irokesenbürste. Die Kondition scheint Paul nicht auf Eis gelegt zu haben, war er doch bis zu seinem 21. Lebensjahr Mitglied des jamaikanischen Schwimmnationalteams. Nach seinem bejubelten Auftritt gab es im Eingangsbereich des Radisson-Hotels noch Autogramme und Fotos für einige Fans.

Sein Gesicht kennen nur wenige, dafür aber jeder die Panda-Maske, die das Konterfei von Rapper Cro verdeckt. Seine Mischung aus Rap und Pop nennt Carlo Waibel, so heißt Cro mit bürgerlichem Namen, „Raop“. Dass man ihn nach Weltstar Sean Paul als Headliner ankündigt, darüber lässt sich streiten – seine musikalischen Erfolge in Deutschland sind jedoch unantastbar.

Das Sahnehäubchen auf einem grandiosen Plaza-Festival war er auf jeden Fall – übrigens: Im nächsten Jahr geht’s am 30./31. Mai in die 14. Runde.




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