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Am 30. August "Europäische Nacht der Fledermäuse" / Dachboden der Deckberger Kirche unter Schutz

1000 Fledermäuse flattern auf dem Dachboden

Rinteln (wm). So etwas nennt man neudeutsch "Timing" - der neue, hochgelobte Fledermausthrillerüber Batman, "The Dark Knight", läuft gerade in den Kinos an, gleichzeitig ist am 30. August die "Europäische Nacht der Fledermäuse". Beides dürfte das Interesse an dem Jäger der Nacht - auch fälschlicherweise als Vampir verrufen - wieder ankurbeln.

Beim Naturschutzbund (Nabu) in Rinteln kennt man die Faszination, die die lautlosen und immer ein bisschen unheimlichen Räuber nach wie vor ausüben - wozu sicher auch deren exzentrisches Aussehen beiträgt. Die von der Ortsgruppe angebotenen Fledermausexkursionen sind immer mit 15 bis 20 nächtlichen Besuchern ausgebucht. Der Termin der nächsten Exkursion stehe noch nicht fest, verriet Nick Bücher vom Nabu, sei aber schon in Vorbereitung. Gerd Rehbein weiß, wo man in Rinteln fast immer Fledermäuse beobachten kann und er hat seine Gruppen noch nie enttäuscht: an der Weser und im Blumenwall. Mit einem Ortungsgerät, sogenannten "Bat-Dektoren", werden die Fledermäuse aufgespürt, denn die Geräte machen die Hochfrequenz der Fledermausrufe für dasmenschliche Ohr hörbar - es pfeift, piepst und knattert. Dann werden starke Taschenlampen und Scheinwerfer angeschaltet - die nächtlichen Jäger stört das nicht, die orientieren sich bei ihrer Beutesuche per Ultraschall. Im Blumenwall, dichtüber der Mühlenexter, segeln Wasserfledermäuse auf der Suche nach Stechmücken (die Exkursionsgäste hören es mit Freude, wer mag schon Stechmücken), und flitzen in kaum zwanzig Zentimeter Höhe über das Wasser. An der Weser jagt das Große Mausohr - groß sind auch die Happen, die hier auf der Speisekarte stehen: Laufkäfer und fette Schmetterlinge. Deckbergen hat sogar eine wenig bekannte Sensation zu bieten: den einzigen Dachboden in der EU, der als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen worden ist. Der Dachboden der Kirche beherbergt nämlich eine Kolonie von rund 1000 Fledermäusen, wie Nick Büscher erläutert. Und an der Autobahnbrücke bei Todenmann sind 750 Große Abendsegler Untermieter. Stammplatz ist eine schmale, die Bögen mittig durchlaufende Dehnungsfuge. Vom Talgrund aus kann man den Bestand nur mit einem guten Fernglas als winzig kleine Punktreihe erkennen. Seit der Entdeckung wird das Quartier von den Naturschutzbehörden und Fachleuten beiderseits der Kreisgrenze aufmerksam beobachtet und überwacht. Und Fledermäuse haben in der Politik schon eine tragende Rollen gespielt: Das Große Mausohr sollte verhindern, dass in Westendorf Windräder gebaut werden. Denn es fliegt im Steinberger Kirchturm ein und aus und hat sich die "Rinderweide" südlich der Weser als Jagdgebiet ausgesucht. Dazu muss man wissen, dass das Große Mauseohr unter Artenschutz steht und Windräder der natürliche Feind sind, wenn sie im Flugkorridor dieser einzigen flugfähigen Säugetiere stehen. Sechs Zwergfledermäuse hatten sich in der Rintelner Nordstadt eine Wohnung als Kinderstube ausgesucht, als die Bewohner in den Urlaub gefahren sind. Sie waren durch eine offene Klappe im Kamin ins Haus gekommen. Entdeckt hat die Tiere die Nachbarin beim Blumengießen. Auch hier half Fledermausexperte Gerhard Rehbein weiter: Er quartierte die Tiere einfach um.




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