Zwei Positionen vakant: Wer Kroos und Gündogan in der DFB-Startelf ersetzen könnte
Es ist jetzt beschaulicher in Herzogenaurach. Erwartbar ruhiger als bei der Heim-Europameisterschaft, als sich die Schützlinge von Bundestrainer Julian Nagelsmann auch schon dort eingefunden hatten. Rund um das erneute Teamquartier der Nationalelf soll aber möglichst viel vom Höhepunkt des Sommers konserviert werden.
Bei Nagelsmann löste die Rückkehr in den Homeground von DFB-Sponsor Adidas „gemischte Gefühle aus“, sagte er am Montag. „Weil es eine schöne Zeit war“, so der 37-Jährige. Zugleich verspürte er „Wehmut, dass man nicht länger damals da gewesen ist“. Das bittere Viertelfinal-Aus gegen den späteren Titelträger Spanien soll raus aus den Köpfen. Bleiben darf die emotionale Trendumkehr. Dass im 23-köpfigen Aufgebot nun aber vier Profis fehlen, die bei der EM das Gesicht des Teams prägten, führt vor dem Start der Nations League am kommenden Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Düsseldorf gegen Ungarn zwangsläufig zu Veränderungen.
Rüdiger und Havertz komplettieren das Führungstrio
Toni Kroos, Manuel Neuer, Thomas Müller und auch der bisherige Kapitän Ilkay Gündogan sind weg. So musste Nagelsmann nun direkt zwei entscheidende Fragen beantworten: Neuer Kapitän ist Joshua Kimmich, vorher Vize hinter Gündogan. Antonio Rüdiger und Kai Havertz ergänzen das Spielführer-Trio. Und Marc-André ter Stegen, der ewige Zweite hinter Neuer, rückt als Stammkraft zwischen die Pfosten.
Die Entscheidungen sind keine Überraschungen. „In der Art und Weise, wie er den Job als Profi-Fußballer ausfüllt, ist er ein Vorbild für die ganze Gruppe. Er gibt immer Vollgas, will immer trainieren – manchmal zu viel“, zählte Nagelsmann die Vorzüge Kimmichs auf: „Er will immer gewinnen. Er geht mit seiner Mentalität und Art und Weise voran.“ Rüdiger und Havertz komplettieren das Führungstrio zu einem „sehr guten Mix, sodass alle Spieler ihren Ansprechpartner finden“. Im Mannschaftsrat finden sich neben einem Kapitän noch Jonathan Tah, Pascal Groß, Niclas Füllkrug – und ter Stegen, zu dem Nagelsmann erklärte: „Er hat über mehrere Jahre herausragende Leistungen gebracht, ist bei Barcelona Kapitän und seit mehreren Jahren unangefochtene Nummer eins mit sehr, sehr guten Leistungen.“ So endet die lange Wartezeit des 32-Jährigen in der Nationalelf.
Stiller und Pavlovic bekommen die nötige Zeit
Durch die Abschiede von Kroos und Gündogan bleiben in der Startelf noch zwei Positionen vakant. Dass Kimmich, der neue Anführer, als Rechtsverteidiger eingeplant wird, verriet Nagelsmann schon. Dort habe er „mit Abstand die besten Werte bei der EM“ erreicht. Während er beim FC Bayern wieder in die Zentrale rückt, braucht es im DFB-Team einen anderen Nachfolger für Kroos. Für das Herzstück in der Zentrale kommt Pascal Groß in Frage. Der BVB-Neuzugang erfülle „in Dortmund eine ähnliche Rolle wie Toni bei uns“, so Nagelsmann. Der einzige Neuling, Angelo Stiller von Vizemeister VfB Stuttgart, könne das Profil ebenso erfüllen wie Aleksandar Pavlovic. Der Bayern-Profi hatte die EM krankheitsbedingt verpasst. Die beiden Youngster im ohnehin verjüngten Kader bekommen jedoch die nötige Zeit.
In der Offensive brauchen die „Zauberer“ Florian Wirtz und Jamal Musiala einen neuen Mittelsmann, den bei der EM noch Gündogan gab. Havertz zentral hinter Füllkrug wäre ebenso denkbar wie Wirtz als Zehner, daneben Musiala und ein klarer Flügelspieler, etwa Dortmunds Maximilian Beier oder Stuttgarts Chris Führich.
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Zur vollständigen AnsichtDer Kader ist jünger als bei der EM. Mit einem Altersschnitt knapp unter 30 stellte man dort den ältesten Kader. Nun liegt der Schnitt bei rund 25 Jahren. Kimmich wird dort die Führung übernehmen. Abgesehen davon werde das „Profil der Rollen“, so Nagelsmann, „weiter Bestand haben.“ Für einzelne Partien seien Stammspieler, Ergänzungskräfte und Reservisten klar. „Da will ich keine langen Gesichter sehen“, meinte der Bundestrainer. „Sportliches Selbstverständnis und das Zwischenmenschliche, was gut funktioniert hat“ gelte es zu festigen. Auch mit dem Spirit von Herzogenaurach.