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Zelluloid hat ausgespielt

Die Übergangsphase geht zu Ende. Schon seit zweieinhalb Jahren wird in den höheren Tischtennis-Ligen mit Plastikbällen gespielt. Ab der kommenden Saison ist die Zelluloidkugel endgültig Geschichte. Das neue Material verändert das Spiel erheblich.

Tischtennisbälle wurden jahrzehntelang aus Zelluloid hergestellt – damit ist jetzt Schluss. In den deutschen Ligen darf ab der kommenden Saison nur noch mit Plastikbällen gespielt werden. Fotos: Bertram

Autor:

Nicolas Schulze

NDZ-Mitarbeiter Nicolas Schulze, selbst aktiver Tischtennis-Spieler, hat sich bei Funktionären und Aktiven nach den Gründen und Auswirkungen der Umstellung erkundigt.

„Die Zelluloid-Bälle waren leicht entflammbar und konnten nicht mehr problemlos aus Asien geliefert werden, deshalb hielt man eine Umstellung für notwendig“, erklärt Dieter Benen, Vizepräsident Wettkampfsport des Tischtennisverbandes Niedersachsen. Der Funktionär gibt zu, dass viele Sportler ihr Spiel auf die Probe stellen müssen, da der Plastikball andere Flugbahnen und entsprechendes Absprungverhalten aufweist. „Topspinspieler, gute Aufschläger und Abwehrspieler haben es jetzt schon etwas schwerer, da sie von der Rotation leben. Allerdings gab es bisher bei jeder Umstellung Frust und mit der Zeit kommt das Ballgefühl“, so Benen.

„Es ist zu Beginn schon sehr gewöhnungsbedürftig gewesen, es gefällt natürlich nicht jedem“, bestätigt Robin Hrassnigg, Spartenleiter des FC Bennigsen. Viele andere Spieler aus den örtlichen Vereinen bestätigen, dass es deutlich schwerer ist, die neuen Bälle in Rotation zu versetzen.

Die Einführung des neuen Materials hat auch finanzielle Auswirkungen für die Vereine: Schließlich müssen Hunderte von Bällen neu angeschafft und die alten entsorgt werden. „Ein gewisser Posten im Vereinsbudget ist das natürlich und die Plastikbälle sind auch etwas teurer“, so Hrassnigg.

Die Kritik ist also groß an der Kunststoffrevolte des Tischtennisbundes. Karl Holweg vom TSV Hachmühlen, der Vorsitzende des Tischtennis-Kreises Hameln-Pyrmont, ist auch kein Freund der Umstellung, sagt aber auch: „Die Umstellung auf einen größeren Ball und auf nur noch elf Punkte pro Satz haben auch alle überlebt und es wurde weiter gespielt.“ Er kritisiert: „Es ist natürlich eine enorme Kostenbelastung, die Qualität der Bälle lässt noch immer zu wünschen übrig und der Beitrag zum Umweltschutz kann bei Kunststoffbällen auch bezweifelt werden.“

Was die Aktiven auch stört: Die Bälle der verschiedenen Marken unterscheiden sich noch in der Beschaffenheit der Oberfläche und springen entsprechend unterschiedlich ab. „Der eigene Ball wird dadurch zu einem klaren Heimvorteil“, sagt Bennigsens Robin Hrassnigg, „da müsste eine Vereinheitlichung kommen, um die gleiche Ausgangslage für alle zu schaffen.“

Die Revolution des Tischtennissports – sie scheint noch nicht beendet zu sein.

Information

NDZ-Mitarbeiter Nicolas Schulze spielt für den SV Altenhagen in der Bezirksliga. Hier berichtet er über seine eigenen Erfahrungen mit den neuen Plastikbällen:

Ich empfinde die Umstellung nicht gerade als Vorteil für meine mühsam erarbeitete Spieltechnik. Bei Hobbyspielern, die nur hin und wieder ein paar Bälle hin und her spielen, wird die verpflichtende Änderung des Deutschen Tischtennisbundes sicher nicht mehr als ein Achselzucken auslösen. Genauso wenig stören wird es die gerade erst mit dem Sport beginnenden Nachwuchsspieler. Die Routiniers in den heimischen Vereinen und natürlich auch die Profis bekommen die Veränderung jedoch mit voller Wucht zu spüren.

Mein Verein etwa hatte sich dafür entschieden, in der laufenden Saison noch die Zelluloidkugeln einzusetzen, quasi als eines der letzten gallischen Dörfer mit Widerstand gegen die Römer vom Tischtennisbund. Das heißt in der Praxis einen ständigen Wechsel bei Heim- und Auswärtsspielen und somit immer wieder Überraschungen in Bezug auf die Flugbahn und das Absprungverhalten des Balles.

„Und wieder im Netz. Mist.“ ist wohl der häufigste Satz aus meinem Mund bei den letzten Trainingseinheiten und Punktspielen. Die Bälle haben tatsächlich eine deutlich kürzere Flugbahn und spürbar weniger Umdrehungen. Das ist für all diejenigen mindestens ungünstig und ärgerlich, die auf Topspin, also einen Schlag, der einen Vorwärtsdrall des Balles erzeugt, Unterschnitt (Rückwärtsdrall) oder ein modernes Abwehrspiel setzen. Für diese erwähnten Spielsysteme heißt es nun: Training mit den neuen Bällen und langsam das eigene Spiel daran anpassen.

Wir werden in unserem Verein nach der Saison damit beginnen, den geeigneten Ball für uns zu suchen. Das gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, schließlich produziert jede Marke ihre eigenen Kunststoffkugeln mit eigenen Eigenschaften.

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