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Wie der FC Springe Flüchtlinge in die Mannschaft integriert

SPRINGE. Knapp 40 Flüchtlinge sind mittlerweile beim FC Springe am Ball. Eine Herausforderung, die alle an ihre Grenzen bringt – sich aber aus Sicht der Beteiligten auch lohnt. Ein Besuch vor Ort.

Herzlich willkommen: FCS-Jugendleiter Harald Schröder (l.), Vereins-Vize Ernst Milbrodt (3. v. l.), Reserve-Trainer Henning Ullbricht (r.) und Sozialarbeiterin Amelie Morr mit einem Teil der Flüchtlinge, die beim FCS Fußball spielen. Foto: Bertram
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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Sieben neue Spieler hat die zweite Herrenmannschaft seit dem Sommer hinzugewonnen, die meisten aus Syrien und dem Irak. Henning Ullbricht, der Trainer der Reserve, hatte anfangs seine Bedenken – der Ruf von so genannten Multi-Kulti-Truppen ist in der Amateurfußball-Szene nicht der beste. „Aber ich gebe jedem eine Chance, so bin ich in Hannover-Linden aufgewachsen“, sagt der 43-Jährige.

Heute stehen neben ihm selbst nur noch drei weitere deutsche Spieler im 30er-Kader, „aber wir haben in den letzten eineinhalb Jahren nur eine Gelb-Rote Karte kassiert“. Vorurteil widerlegt. Die Flüchtlinge seien voll integriert; vier von ihnen sind schon Stammspieler. Eine Sonderbehandlung gebe es nicht, sagt Ullbricht: „Sie zahlen den gleichen Beitrag in die Mannschaftskasse wie alle anderen.“

Hilfen  gibt es aber sehr wohl. Vereinsbeiträge für minderjährige Flüchtlinge werden etwa über das Bildungs- und Teilhabepaket abgedeckt, sagt Sozialarbeiterin Amelie Morr von der Stadt.

Sie hatte der Verein um Hilfe gebeten, als im Sommer immer mehr Flüchtlinge am Sportplatz an der Harmsmühlenstraße auftauchten. Morr half bei der Kontaktaufnahme, organisierte einen Besuch der Vereinsverantwortlichen in der Flüchtlingsunterkunft an der Hindenburgstraße.

„Wir mussten ja erst mal erklären, wie ein Verein funktioniert“, sagt FCS-Vize Ralf Käß, der an seine eigene Jugendzeit im Club zurückdenkt: „Die Integration der Gastarbeiter lief damals ähnlich. Die Geschichte wiederholt sich gerade“, erinnert sich Käß.

Dass der Verein bei aller Hilfe durch die Stadt „den größten Teil der Integrationsarbeit leistet“, betont auch Morr. Sie sieht auch den Vorteil für die Stadt: „Springe schrumpft ja eher. Und jeder, der am Vereinsleben teilnimmt, ist ein potenzieller Bewohner“, sagt die Sozialarbeiterin. Sie hat beobachtet: „Wer nicht am Vereinsleben teilnimmt, äußert schneller, dass er nicht bleiben möchte.“

Jugendleiter Harald Schröder ist gerade dabei, Pässe für Nachwuchsspieler zu besorgen. Das ist aufwändig, weil Geburtsurkunden fehlen, einige Kinder ihre Geburtsorte nicht kennen und zum Teil ohne Eltern nach Deutschland geflohen sind. „Es ist nicht nur der Papierkram, der uns fordert. Auf so einer Flucht geht viel verloren. Werte wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit etwa müssen sie erst wieder lernen. Ich stoße da an meine Grenzen“, gibt Schröder zu.

Der Verein will sich davon nicht entmutigen lassen. In der kommenden Woche bietet der Regionssportbund eine Infoveranstaltung zum Thema. „Da sind wir dabei“, sagt FCS-Vize Ernst Milbrodt.



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