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Warum es Spitzensport in Springe so schwer hat

SPRINGE. Spitzensport in Springe? Wird immer weniger. Das Aussterben der Bundesligisten am Deister begann 2012.

Die Rollhockey-Herren des SC Bison um Kapitän Leif Johansson sind das jüngste Beispiel für eine Spitzenmannschaft, die abgemeldet wurde. Foto: Bertram
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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Damals gaben die Faustball-Frauen des TSV Eldagsen ihre Abmeldung bekannt. Die Rollhockey-Herren des SC Bison Calenberg stiegen zu der Zeit gerade in die 1. Bundesliga auf – seit dem vorigen Wochenende ist dort Schluss für sie (wir berichteten). Zwischendurch zogen im vorigen Jahr auch die langjährigen Erst- und Zweitligakegler des KC Springe 52 und die Drittliga-Handballer der HF Springe ihre Teams zurück. Nur dank der Rollhockey-Damen des SC Bison ist Springe überhaupt noch Bundesliga-Standort. Aber warum ist es überhaupt so schwer, in Springe Spitzensport zu etablieren? Eine Spurensuche.

Einwohnerzahl: Springe ist klein. Da gibt es per se schonmal weniger Sportler als in Oberzentren wie etwa Hameln oder Hildesheim, von Hannover ganz zu schweigen. Die höchstklassigen Mannschaften waren hier schon immer in Randsportarten aktiv: Faustball und Kegeln sind vom Aussterben bedrohte Disziplinen, die es auch andernorts schwer haben. Und auch Rollhockey ist hierzulande eigentlich nur in Nordrhein-Westfalen wirklich populär.

Infrastruktur: Solange die Bisons eine eigene Halle hatten, hatten sie aber keine Sorgen. Seit ihre Heimstatt aber vor siebeneinhalb Jahren abbrannte, ging es vor allem im Nachwuchsbereich bergab, vor allem weil Hallenzeiten fehlten. Kann die Stadt helfen? Kaum, sagt Bürgermeister Christian Springfeld. Er wolle keinem Verein die Hallenzeiten wegnehmen: „Wir wollen niemanden rauswerfen, es sei denn ein Verein nutzt nachweislich seine Zeiten nicht“, sagt Springfeld. Die Hallen, die es in Springe gibt, sind in die Jahre gekommen. Ein Neubau sei aber utopisch. „Wir versuchen ja gerade, Basisdienstleistungen wie Straßenbau, Kita-Plätze oder Schulsanierung vernünftig hinzukriegen“, sagt er. „Die Pflicht kommt vor der Kür.“

Entlasten könne man die Vereine aber, findet Tobias Berger, der Vorsitzende des Sportrings Springe, etwa durch „eine gewisse Entbürokratisierung im Vereinswesen, wie zum Beispiel jetzt gerade mit der Online-Hallenvergabe oder durch die finanzielle Entlastung der Vereine durch Verzicht auf die Nutzungsgebühr“.

Die fehlende Infrastruktur merken übrigens auch die Fußballer, die nun wahrlich keine Randsportler sind: Kunstrasenplätze, von denen mittlerweile fast alle umliegenden Kommunen einen haben, sind in Springe bislang noch Utopie.

Sponsoren: Das liebe Geld fehlte vor allem den Springer Drittliga-Handballern. Potente Förderer des Sports sind am Deister rar gesät – Spitzensport ist aber allein wegen der hohen Reisekosten immer teuer.

Und nun? Springfeld findet’s „traurig. Es ist schon schöner, wenn wir höherklassig mitspielen“, sagt der Bürgermeister, die Stadt sei dabei aber „relativ außen vor“. Berger verweist darauf, dass es in Springe „immer noch Einzelsportler und Gruppen im Spitzenbereich“ gebe. Er verweist etwa auf die Videoclipdancer von JenGeneration oder Dressurreiterin Carolin Miserre.

Wichtiger als Spitzenleistungen ist für Berger ohnehin die soziale Komponente des Sports: „Das Zusammensein im Verein oder der Mannschaft ist ja für Viele vor allem der Grund, Sport zu machen“, sagt Berger.



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