weather-image
13°

Viel netter als er aussieht

Springe. Arek Bosy wohnt über einer Kneipe in Springe, da wird es nachts mitunter etwas laut. Mit seiner hünenhaften Statur und dem kahl rasierten Schädel könnte der polnische Kreisläufer von Handball-Drittligist HF Springe wahrscheinlich allein mit einem strengen Blick schnell für Ruhe sorgen. Aber der 26-Jährige sieht nur so aus wie ein Türsteher. „Ich bin entspannt“, sagt er, „ein netter Mensch.“ Im Derby am heutigen Sonnabend (19.30 Uhr) beim HSV Hannover will er jedoch nicht sein, auch wenn es gegen seinen Ex-Klub geht, für den er in den letzten beiden Spielzeiten auflief. Auf der Platte „will ich meine Gegner killen“, sagt er grinsend, „danach können wir wieder einen Tee zusammen trinken“.

270_008_6646775_spo_arek1.jpg

Bosy kommt gebeugt und mit langsamen Schritten zum Interview. Er hat sich im Training einen Wirbel blockiert, „mit der richtigen Schmerztablette geht das im Spiel schon“, sagt er. Von ihm ist auch der Satz überliefert: „Auch wenn sie mir den Arm brechen, werde ich trotzdem mit zusammengebissenen Zähnen weiterspielen.“ Er bringt sein Wörterbuch mit. Das braucht er allerdings kaum. Während seiner zwei Jahre in Anderten hat er gut Deutsch gelernt, vor allem im ersten Jahr. In der vorigen Saison hat er beim HSV mit Mateusz Rydz einen Teamkollegen aus seinem Heimatland. „Wir haben etwas zu viel polnisch gesprochen“, sagt er. Seinem neuen Teamkollegen in Springe, Pawel Pietak, hat er deshalb gleich gesagt: „Wir sprechen nur Deutsch im Training.“

Bosy stammt aus dem Dorf Skape zwischen Gorzow (Landsberg) und Zielona (Grünberg), nicht weit von der deutschen Grenze. Dort ist auch Polens Handball-Idol Jerzy Klempel aufgewachsen, der mit 19 Feldtoren in einem Spiel für Frisch Auf Göppingen einst einen Bundesliga-Rekord aufstellte. Für Gorzow spielte er zwei Jahre in Polens Superliga. Der Verein wird allerdings wenig gefördert, „der Bürgermeister unterstützt vor allem Speedway“, sagt Bosy. Er ist Fan des Motorsports – trotz der Lautstärke. Denn eigentlich liebt er die Ruhe. Angeln ist sein großes Hobby, in Polen züchtet er auch Brieftauben.

Sein Ziel in Deutschland ist die 2. Liga. Als die HF vor dieser Saison bei ihm anfragten, musste er deshalb nicht lange überlegen. Die Springer können um den Aufstieg mitspielen, sind nach vier Partien noch ungeschlagen. Bosy hat mit bislang 19 Treffern seinen Anteil daran. Zudem ist er ein starker Innenblocker. Allerdings spielt er nach knapp 20 Minuten meist nur noch im Angriff. „Meine Position am Kreis erfordert viel Kraft“, sagt er – das hohe Tempo, das HF-Coach Holger Schneider spielen lässt, ist für Bosy also über 60 Minuten kaum durchzuhalten, trotz des intensiven Trainings. „Ich habe in den zwei Monaten in Springe viel Neues gelernt“, sagt er.

Für seinen Ex-Klub, im Vorjahr immerhin Dritter, läuft es in dieser Saison nicht besonders. Am vorigen Wochenende gab es eine deutliche 30:42-Heim-Klatsche gegen Minden II. „Ein paar Spieler sind im Urlaub, es helfen einige aus der Zweiten aus“, sagt Bosy, der noch guten Kontakt nach Anderten hat, „aber wir haben auch unsere Probleme.“ So fehlt Jannis Fauteck, der sich im Training an der Schulter verletzte und gestern operiert wurde, einige Wochen. In der vorigen Saison verlor Springe beim HSV, der damals im Angriff von Beginn an einen siebten Feldspieler für den Torwart brachte. Ob die Hannoveraner es wieder so versuchen? „Ich glaube nicht“, sagt Bosy.jab

Weiterführende Artikel
    Kommentare