weather-image
28°

Schiedsrichter aus Bad Münder steigt auf

BAD MÜNDER. Mark Lorenz war lange aktiver Fußballer, erst mit 28 machte er seinen Schiedsrichterschein. „Wer so spät mit dem Pfeifen anfängt, kann eigentlich kaum noch was als Schiedsrichter erreichen“, dachte der heute 32-Jährige. Doch es kam anders.

Bislang als Assistent, bald auch mit der Pfeife in der Bezirksliga aktiv: Mark Lorenz. Foto: Bertram

Autor:

Henner E. Kerl

Seit seinem ersten Spiel als Referee vor vier Jahren hat er einen großen Sprung nach oben gemacht: Er wird in der neuen Saison auch Begegnungen auf Bezirksebene leiten.

Die TuSpo Bad Münder ist Lorenz’ Stammverein, für den er lange zwischen den Pfosten stand und später auch pfiff. Als die TuSpo ihr Herrenteam vor der laufenen Saison abmeldete. gehört Lorenz der Schiedsrichtersparte der TSG Emmerthal an und leitet Spiele auf Kreisebene. Erste Erfahrungen hat er im Bezirk bereits als Assistent von Julian Senne gemacht. „Ich freue mich auf die Herausforderung“, sagt er, und auch einer zweiten Herausforderung sieht er zuversichtlich entgegen: Im Juli wird er erstmals Vater.

Lorenz’ Aufstieg verkündete Michael Rieke, der Chef-Referee im Fußball-Kreis Hameln-Pyrmont, beim jüngsten Schiedsrichter-Tag. Dabei zeichnete Rieke ein düsteres Zukunftsbild. „Uns fehlt der Nachwuchs“, mahnte er zu intensiveren Anstrengungen als bisher, junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen. „Dank des erfreulich großen Engagements der älteren Schiris konnten bisher alle Spiele besetzt werden.“ Aber, so Rieke, es sei derzeit fraglich, ob das in der kommenden Saison noch bei allen Partien im Junioren- und Seniorenbereich möglich ist. Kreisliga-Spiele ohne angesetzte Schiedsrichter – das sei nicht mehr undenkbar.

Der Fußballkreis hat derzeit 154 gemeldete Schiedsrichter, von denen 126 von Dieter Schröder (Senioren), Susanne Dombek-Schröder (Frauen) und Mirco Siever (Junioren) eingesetzt werden können. Das sind neun weniger als in der vergangenen Saison. Zwar wurden 13 Interessierte für einen Anwärterlehrgang gewonnen, doch nur zehn bestanden die Prüfung. Sie haben ihre „Nagelprobe“ auch schon als Assistenten absolviert. „Nach der Prüfung aber“, kritisierte Lehrwartin Dombek-Schröder, „fehlt bei vielen Jungschiedsrichtern das Interesse an einer Fortbildung. Ohne die geht es aber nicht“ So seien die acht Lehrabende zumeist nur von seit Jahren tätigen Schiedsrichtern besucht worden.

Thomas Rüdiger, der Vorsitzende des Bezirks-Schiedsrichterausschusses, weiß, warum es schwieriger wird, Nachwuchs zu gewinnen: „Der Respekt vor den Unparteiischen geht immer mehr zurück“, sagte er in seinem Grußwort. „Wir alle müssen dafür sorgen, dass die Pöbeleien und Beschimpfungen aufhören“. Er berichtete von „furchtbar traurigen“ Angriffen nicht nur von Zuschauern, sondern auch von Trainern gegenüber Jungschiedsrichtern. „Kein Wunder, dass die schnell keine Lust mehr am Pfeifen haben.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare