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Pietak muss nicht nur Deutsch lernen

Springe. Als die neue Mannschaft von Handball-Drittligist HF Springe sich vor etwas mehr als drei Monaten der Öffentlichkeit vorstellte, las Pawel Pietak seinen Text noch vom Smartphone ab. Mittlerweile ist sein Deutsch so gut, dass der Pole, der vor der Saison aus Danzig kam, sein Telefon nur noch braucht, wenn ihm ein Wort nicht einfällt – dann schaut er auf seiner Wörterbuch-App nach. Ein Wort etwa, das ihm noch nicht geläufig ist, lautet: Aufstieg. Doch darüber könnte am heutigen Sonnabend (18 Uhr) im Spitzenspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg schon eine Vorentscheidung fallen.

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Für Pietak wird das der erste richtige Härtetest der Saison. „Henstedt-Ulzburg ist richtig stark“, sagt er, „aber ich glaube, wir gewinnen.“ Optimismus kann nicht schaden, denn mit Jannis Fauteck, dem gesperrten Daniel Deutsch und wohl auch Janis Helmdach fehlen drei wichtige Leute im Rückraum. Pietak dagegen, den unter der Woche muskuläre Probleme plagten, wird spielen. „Ich bin fit“, sagt er.

Mit 91 Treffern ist Springes Rechtsaußen bislang der zweitbeste Torjäger der Liga. Es bedeutet ihm nicht viel: „Die Tore erarbeitet die Mannschaft – ich werfe nur“, sagt er, „am wichtigsten für mich ist, dass wir gewinnen.“ Acht Jahre spielte er in Polen in der Super-Liga, zuletzt in Glogau. Es sollte ein Zuhause werden – seine Frau Kasia und er kauften dort eine Wohnung. Vor ziemlich genau einem Jahr teilte ihm der Verein allerdings mit, dass kein Geld mehr da sei, um ihn zu bezahlen. Er überbrückte die Zeit in Danzig, dann vermittelte ihn sein Manager nach Springe.

Hier muss Pietak nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch, „mein Leben zu organisieren“, sagt er lachend. In der Firma von HF-Manager Dennis Melching geht er neben dem Handball einer geregelten Arbeit nach, „zum ersten Mal in meinem Leben“, so der 31-Jährige. Er ist zwar jetzt kein Profi mehr, aber selbst in der 3. Liga in Deutschland seien die Strukturen professioneller als in der polnischen Superliga. Und: „Hier wird schneller gespielt als in Polen.“ Ein weiterer Unterschied: „In Springe haben wir viel Kontakt zu den Fans – das kannte ich nicht.“

Pietak fühlt sich gut aufgenommen am Deister – nicht nur von der Mannschaft: „Alle sind echt nett hier. Und ich habe schon beim ersten Heimspiel gemerkt, dass ich auch bei den Fans willkommen bin.“ Was ihn amüsiert: „Wie die Leute hier meinen Namen aussprechen“, sagt er. Die Springer sagen Pietak mit langem I. Richtig wäre aber „Pioutak“, sagt der Pole. Er nimmt es niemandem übel – schließlich ist nicht nur Deutsch eine schwierige Sprache.jab

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