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Über die umstrittene Regel gibt es auch an der Basis unterschiedliche Meinungen

Passives Abseits: Mehr Tore, mehr Diskussionen

Fußball (jab). Eigentlich ist die Abseitsregel ganz einfach. Der Stürmer steht im abseits, wenn er im Moment der Ballabgabe näher am Tor ist, als der Ball und der vorletzte Gegenspieler. Seit einigen Jahren ist alles aber viel komplizierter. Stichwort: passives Abseits. Die Regel spaltet Fußballer und Fans – und ist besonders seit den drei umstrittenen Szenen vom vergangenen Bundesliga-Spieltag wieder heiß diskutiert. Sind die Unparteiischen mit dem Regelwerk überfordert? Ist die Regel überhaupt sinnvoll? Die NDZ hat sich bei den heimischen Fußballern umgehört.

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„Viele Assistenten, gerade die ganz jungen, sind mit der einen oder anderen Situation überfordert“, sagt Karsten Bürst, Trainer von Bezirksligist FC Eldagsen. Er wäre daher für eine eindeutige Regelung, sprich: die Abschaffung des passiven Abseits. Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Franz Beckenbauer, der als Fernsehexperte sagte: „Die einfachste Möglichkeit wäre, wir gehen wieder zurück in die Steinzeit, wo Abseits noch Abseits war.“

Ganz so weit würde Thomas Rüdiger, Vorsitzender des Bezirksspielausschusses, nicht gehen. „Aber die Regel muss vereinfacht und für Jedermann leichter nachvollziehbar gemacht werden.“ Ein Ansatzpunkt dafür könnte etwa das Entstehen einer neuen Spielsituation sein – auch darüber wird häufig diskutiert.

Die meisten Fußballer halten das passive Abseits allerdings für sinnvoll. „Wir wollen ja alle viele Tore sehen, deshalb wurde die Regel doch nur eingeführt“, sagt Gerd Spier, langjähriger Schiedsrichter beim FC Springe. Die Regel sei zwar kompliziert, „aber nicht so kompliziert, dass man sie nicht anwenden kann“.

Da ist Michael Wehmann, Spielertrainer des VfB Eimbeckhausen und als Stürmer direkt betroffen von der Regelung, anderer Meinung: „Die Auslegung der Regel wird umso zweifelhafter, je tiefer man spielt“, sagt er. Schon bei einfachen Abseitsentscheidungen hätten viele junge Assistenten Probleme, weil „sie oft im Moment der Ballannahme aufpassen und nicht bei der Ballabgabe.“

„Über abseits gibt es seit Jahr und Tag Streit“, sagt Detlef Feuerhake aus Altenhagen, Schiedsrichter-Ansetzer im Bezirk und in jüngeren Jahren als Linienrichter in der 1. und 2. Bundesliga aktiv. Passives Abseits hält er für „sinnvoll, es muss aber richtig ausgelegt werden“. Diskussionen wie derzeit seien „unbefriedigend für alle Schiedsrichter“. Auf unterer Ebene sei es nicht so dramatisch, „weil es nicht von jeder Szene drei Zeitlupen gibt“.

Bürst möchte aber auch mit Kreis- und Bezirksliga-Schiris nicht tauschen: „Die Spieler meckern ja schon, wenn du im Trainings abseits pfeifst.“



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