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Verband setzt Zeichen gegen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen / Geteiltes Echo an der Basis

NFV verlangt Führungszeugnis von Trainern

Fußball (jab). Im Juni flog der Trainer einer Mädchenmannschaft der SV Arnum auf, der eine Videokamera in der Kabine der jungen Fußballerinnen versteckt hatte. Ein vergleichsweise harmloser Fall, aber eine von sich immer mehr häufenden Meldungen über Missbrauchs- und Belästigungsfälle an Kindern und Jugendlichen. Auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat auf diese gesellschaftliche Entwicklung reagiert. Beim Verbandstag in Barsinghausen wurde jetzt beschlossen, dass zukünftige Trainer ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen, um zur Ausbildung zugelassen zu werden. Auch von den NFV-Mitarbeitern auf allen Ebenen wird künftig ein Führungszeugnis verlangt.

Wer als Trainer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten will, soll künftig ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Es ist wohl eher eine symbolische Maßnahme. Denn auch den NFV-Verantwortlichen ist klar, dass ein großer Teil derer, die in den Vereinen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, keine Trainerlizenz besitzen. Der Verband wolle sich aber gegen mögliche Vorwürfe schützen, sollte es zu Missbrauchsfällen kommen, sagt Pressesprecher Peter Borchers.

In Springe und Bad Münder stößt die neue Regelung auf ein geteiltes Echo. Grundsätzlich dagegen ist niemand. Karsten Gelhaar, Jugendleiter der SG Flegessen hält sie für eine „Alibi-Aktion, der Nutzen wird nicht sehr groß sein“. Zumindest nicht bei einem Dorfverein wie der SGF: „Wir kennen unsere Leute“, sagt er. „Ich mache seit 15 Jahren Jugendarbeit im Verein. In der Zeit hat sich nur einmal jemand von außerhalb als Betreuer angeboten.“

Wie Gelhaar hält auch Uwe Fülberg, Jugendleiter des FC Springe, die neue Regelung für seinen Verein für überflüssig: „Wenn wir einen Jugendtrainer ohne Lizenz verpflichten, ist es ein Vater. Wildfremde Leute holt doch keiner für Jugendmannschaften.“ Im Mädchenbereich gibt es beim FCS allerdings Präventivmaßnahmen: So habe jeder männliche Trainer einer Mädchenmannschaft eine weibliche Betreuerin an seiner Seite. „Die Kabinen sind für die Trainer tabu“, sagt Fülberg, „Besprechungen finden nur außerhalb der Umkleiden statt.“ Das sei nicht nur zum Schutz der Kinder, sondern auch der Trainer so festgelegt worden.

Fred Heisterberg, Leiter der JSG Deister Süntel United, sagt: „Mit dem Führungszeugnis kann man Missbrauch vielleicht ein bisschen eindämmen.“ Ansonsten setzt aber auch er vor allem auf soziale Kontrolle. „Gerade in kleinen Vereinen arbeiten die Leute eng zusammen. Oft gibt es pro Mannschaft neben dem Trainer noch einen Betreuer, oder zwei Mannschaften trainieren parallel.“ Aber, sagt Heisterberg: „Man kann nie wissen.“



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