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Mit wunden Füßen durch die Sahara

Alferde. „Die Grenze ist da, wo die Vorstellungskraft endet“. So heißt das Buch von Herbert Meneweger über den legendären „Marathon des Sables“ durch die Sahara im Süden Marokkos. Rene Städler hat es vor einigen Jahren gelesen. Seitdem war ihm klar: „Irgendwann mache ich da mit.“ Jetzt war es soweit: Der 39-jährige Alferder hat bei der 29. Auflage des sechstägigen Wüstenlaufs über insgesamt 236 Kilometer mitgemacht. Fast eine Woche nach dem Zieldurchlauf humpelt er zwar noch merklich durch seine Wohnung – ist ansonsten aber bester Dinge.

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Die Füße sind geschunden. Wundsalben und Pflaster auf den Couchtisch in Städlers Wohnung, durch die er wie auf Eiern läuft. Dabei war nicht mal der Sand in den Schuhen das Problem in der Wüste. „Ich hatte mir Klettverschlüsse auf die Schuhe nähen lassen, um Gamaschen zu befestigen“, sagt er. „das hat ganz gut funktioniert.“ Sein Fehler war, sich auf die Empfehlung der Veranstalter zu verlassen: „Sie meinten, man solle Schuhe tragen, die zweieinhalb Nummern zu groß sind“, erzählt Städler, „weil bei der großen Hitze die Füße sehr stark anschwellen würden.“ Seine schwollen auch an – aber zu wenig. Also lief er in zu großen Schuhen – „nach dem ersten Tag waren die Füße offen“.

Aufgeben kam für ihn deshalb nicht in Frage. „Ich habe mich schließlich ein Jahr lang darauf vorbereitet“, sagt er. Jeden Abend verbrachte er also Stunden im Medizin-Zelt, um seine Füße versorgen zu lassen. „Wäre es gar nicht gegangen, hätten mich die Ärzte auch aus dem Verkehr gezogen“, sagt Städler. Es ging. Mit einer Gesamtzeit von 56:12:09 Stunden belegte er den 707. Platz.

Viel größere Herausforderungen als den „Marathon des Sables“ gibt es nicht. In der Ultralauf-Szene sei es das „Rennen der Rennen“, so Städler. Die Teilnehmer durchqueren schließlich nicht nur im Laufschritt sechs Tage lang die Wüste, sondern müssen dabei auch noch alles bei sich tragen, was sie währenddessen brauchen: Schlafsack, Notfallausrüstung, Essen – hauptsächlich Trockennahrung, Gels oder Tabletten. „Mit so viel Kalorien wir möglich“, sagt Stadler, der 13 Kilogramm mit sich herumschleppte. Nur Wasser gab es an den Versorgungsstationen vom Veranstalter. Das war allerdings streng rationalisiert – wer mehr brauchte bekam Zeitstrafen und lief Gefahr, die Zeitlimits nicht einzuhalten und disqualifiziert zu werden.

Das war auch Städlers größte Sorge, weil er mit seinen wunden Füßen wesentlich langsamer vorankam, als geplant. Schnell laufen ist in der Wüste ohnehin nicht drin, und das nicht nur wegen der unmenschlichen Hitze und des tiefen Sandbodens. Im Gegensatz zur gängigen Vorstellung bestehe die Sahara keinesfalls nur aus Sand. Große Teile der Strecke führten durch Geröllfelder mit spitzen Steinen. „Da ist laufen gar nicht möglich –viel zu gefährlich“, sagt Städler. Auch Berge waren zu überklettern, „da brauchst du zwei Stunden für einen Kilometer“. Zeit aufholen konnte man , wenn es über ausgetrocknete Salzseen mit hartem, glatten Untergrund ging.

Schon die Anreise war ein Abenteuer. Von Casablanca im Norden Marokkos aus ging es per Flugzeug einmal über das Atlasgebirge nach Ouarzazate im Süden. „Und dann sieben Stunden lang mit dem Bus in die Sahara“, so Städler. Erst dort gab es die „Roadbooks“ mit allen Infos über die Etappen. „Die Landschaft war für mich einfach unvorstellbar“, sagt Städler.

Aber auch die Logistik hat ihn beeindruckt. Die riesige Zeltstadt sei jeden morgen auf hunderte Lastwagen verladen worden, „wenn wir abends ins Ziel kamen, war sie schon wieder genau so aufgebaut“. Die medizinische Versorgung sei „bombastisch“ gewesen – Angst um seine Gesundheit hatte er also nicht. Zweifel, ob er es schaffen würde, hatte er nur kurz. „Dass ich den Willen habe, es zu schaffen, war mir klar“, sagt er, „aber ob ich mit meinen Füßen die 80-Kilometer-Etappe schaffe, wusste ich nicht.“ Bei der Doppeletappe am fünften und sechsten Tag liefen die Teilnehmer – mehr als 1000 aus 40 Ländern – die Nacht durch. Städler kam nach knapp 24 Stunden ins Ziel – wo es zur Belohnung ein einziges Mal etwas anderes gab als Wasser: „Eine eisgekühlte Dose Cola.“

Früher war Städler Triathlet, seit fünf Jahren absolviert er Ultraläufe. „Ich bin nicht mal besonders begabt“, sagt er, „ich mache es einfach gerne.“ Mit dem Wüstenlauf „habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt“. Die nächsten größeren Lauf-Herausforderungen hat er noch nicht geplant. „Der Aufwand ist bombastisch. Meine Familie hat mich ein Jahr lang bei der Vorbereitung unterstützt“, sagt er, „jetzt muss ich erstmal was zurückgeben.“jab



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