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Marathon reicht ihm nicht: Ultraläufer Sebastian Gonschorek

VÖLKSEN. Eigentlich wollte Sebastian Gonschorek am vorigen Sonntag nur von Völksen nach Springe laufen. „Ein Eis essen“, sagt der 38-Jährige. Als er unterwegs war, entschied er sich kurzfristig um: „Es war ja Deistertag, da bin ich einmal um den Deister gelaufen“, erzählt er grinsend. 52 Kilometer lang war die Runde.

Der Deister ist Sebastian Gonschoreks Trainingsrevier. Foto: Bertram
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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Verrückt? Für Gonschorek eher normal. Der Völksener ist Ultraläufer und hat schon ganz andere Strecken bewältigt.

Den 100 Meilen langen Mauerweglauf in Berlin hat er schon zweimal absolviert, vor knapp einem Jahr den Hexenstieg-Ultralauf im Harz über 216 Kilometer. Seine nächste Herausforderung ist die „Tortour de Ruhr“: 230 Kilometer von der Ruhr-Quelle bis zur Mündung in den Rhein. Mehr als 30 Stunden wird Gonschorek wohl brauchen. Dann gilt: „An das große Ganze darf man nicht denken, sonst dreht man am Start gleich wieder um“, sagt er, „man denkt eigentlich nur von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt.“

Gelaufen ist Gonschorek „schon immer“. 2010 absolvierte er seinen ersten Marathon. Als dann die Kinder kamen, schraubte er sein Laufpensum zurück. Vor vier Jahren wurde es wieder mehr: „Weil ich wieder die Zeit und den Spaß hatte“, sagt er. Er lief auch wieder Marathons, „aber vor drei Jahren habe ich gedacht: Es muss doch noch was darüber geben“. Gonschorek meldete sich zu einem 59 Kilometer langen Trail-Lauf im Schwarzwald an – und ist seitdem mit dem Ultravirus infiziert: „Was mich beeindruckt hat, war die Atmosphäre. Die ist ganz anders als bei großen Stadtmarathons“, erzählt er. „Im Ziel haben die Schnelleren auf die späteren Finisher gewartet und sie beklatscht.“

Mehr als 20 Ultraläufe hat Gonschorek mittlerweile gesammelt. Der Unterschied zu Marathons: „Beim Marathon gehen die Läufer eher an ihr Limit. Beim Ultra läuft man nicht auf Zeit, sondern will die Strecke bewältigen. Das ist vor allem Kopfsache.“ Denn dass die Beine irgendwann schwer werden, wenn man 100 Kilometer läuft, sei ja klar: „Dann regt man sich innerlich erstmal auf und fragt sich: Warum mache ich das? Aber da darf man nicht aufgeben, denn irgendwann läuft es – und dann läuft es richtig.“

An die 100 Kilometer in der Woche läuft Gonschorek. Vorzugsweise am frühen Morgen, „dann bin ich zum Frühstück wieder bei der Familie“, sagt der zweifache Vater. Seinen wohl spektakulärsten Lauf hat er im März gemacht: Sieben Etappen à 55 bis 75 Kilometer auf dem Westweg im Schwarzwald. Ganz allein. Zum großen Teil im Tiefschnee. Ganz spontan, „weil ich noch Resturlaub hatte“. Das, gibt er zu, „war in der Tat sehr verrückt“.



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