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Lokale Fußballer erzählen, wie sie die WM in Katar verfolgen

SPRINGE/BAD MÜNDER. Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar hat sich angedeutet, dass sich die Vorfreude auf das Turnier selbst bei eingefleischten Fußball-Fans in Grenzen hält. Fußballer aus Springe und Bad Münder erzählen, wie und warum sie die Weltmeisterschaft in Katar dennoch verfolgen.

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Dennis Scharf Redakteur zur Autorenseite
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Nur wenige Anhänger der DFB-Auswahl sind in das Emirat gereist, um die Spiele live zu sehen. Das erste Gruppenspiel gegen Japan verfolgten lediglich 9,23 Millionen Zuschauer am Bildschirm. Zum Vergleich: Bei der WM 2018 in Russland schauten in Deutschland bei allen drei Partien der Vorrunde mehr als 25 Millionen Menschen zu.

Sich gänzlich von einem Medienereignis zu distanzieren, das einen Monat lang im Fokus der Weltöffentlichkeit steht, ist zugegebenermaßen schwierig. Doch wie verfolgen Fußballer aus der Region das Turnier? „Ich bin kein Fan von Katar. Die Vorfälle um Katars abgeschaffte Frauen-Nationalmannschaft oder die Aussagen des WM-Botschafters, dass Homosexuelle geisteskrank sind, bestätigen, dass eine WM dort nichts zu suchen hat“, sagt Sebastian Westenfeld. Doch der Teammanager des FC Eldagsen gesteht ein, dass er nicht darauf verzichten möchte, einige Spiele zu sehen: „Fußball interessiert mich einfach zu sehr. Ich bin charakterlich nicht so stark, dass ich nicht einschalten würde, wenn beispielsweise England im Viertelfinale auf Spanien trifft.“

Die vielen Nebengeräusche einer WM in einem Land ohne kulturellen Bezug zum Fußball stören auch Dominik Trotz. „Das WM-Fieber ist bei mir nicht riesig. Das Geld und die Politik der FIFA haben gewonnen. Es ist traurig, die One-
Love-Binde (kleines Foto) zu verbieten. Das entspricht nicht unseren Werten“, betont der Spielertrainer des TSV Nettelrede. Sieben Nationen aus Europa hätten Sanktionen durch die FIFA gedroht. Neben Deutschland wollten auch England, Wales, die Niederlande, Schweiz, Dänemark und Belgien die symbolträchtige Binde tragen, um für mehr Toleranz und Vielfalt zu werben und sich gegen Diskriminierung und Rassismus einzusetzen. Für diese Werte steht auch Trotz. Einige Spiele wird er sich aber zu Gemüte führen. „Ich boykottiere die WM nicht, weil ich fußballverrückt bin. Wenn ich Zeit habe, schaue ich es mir an. Aber ich würde mir nicht die Nachmittage dafür freischaufeln.“

Die Begeisterung für den internationalen Fußball überwiegt für die Beobachter, die der Sportart seit vielen Jahren einen Großteil ihrer Freizeit widmen. Das geht auch Milan Rukavina nicht anders. „Man muss Botschaften wie die des DFB-Teams transportieren, darf aber auch den sportlichen Wert einer Weltmeisterschaft nicht aus den Augen verlieren. Mich interessiert der Wettkampf, die Technik, die Taktik. Deshalb trenne ich Politik und Sport“, sagt der Trainer des FC Springe. Die pure Faszination für das Spiel steht (noch) im Vordergrund.




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