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Der zehnjährige Jan Helmer war erstmals bei der Jugend-Europameisterschaft im Schach am Start

Kleiner Stratege im königlichen Spiel

Hameln/Bad Münder. Bei der Jugend-Europameisterschaft kamen schon einige Schachtalente der heutigen Weltspitze zum Vorschein – nicht zuletzt Magnus Carlson, der heutige Weltranglistenerste. Wer weiß, in wessen Fußstapfen Jan Helmer einmal treten wird. Das zehnjährige Schachtalent aus Bad Münder belegte vor wenigen Tagen – wie berichtet – bei der EM in Budva/Montenegro in seiner Altersklasse den 76. Platz. Nach ihrer Rückkehr ließen Jan und sein Vater Andreas Helmer die zwölftägige EM noch einmal Revue passieren.

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Es sei ein Abenteuer gewesen, sagt Andreas Helmer: „Vor allem für Jan. Alles war neu.“ Um bei der EM überhaupt starten zu können, ging der Vater für seinen Sohn bei Sponsoren Klinken putzen. Denn für die Reisekosten von 2100 Euro gab es weder vonseiten des Schachverbandes noch des Vereins eine Finanzspritze. Der Einsatz hat sich gelohnt, auch wenn es für Jan nicht so gut lief wie erhofft – Platz 25 hatte er sich vorgenommen.

Aber die Konkurrenz war stark. „Ab einem bestimmten Level wird’s halt wirklich schwierig. Da hat man als Anfänger keine Chance mehr, aber ab da beginnt es auch erst richtig Spaß zu machen“, sagt Andreas Helmer. Und zwar, wenn man merkt, „dass man nicht mehr durch Glück gewinnen kann“.

Die zwölf Tage seien sehr anstrengend gewesen. Wenn man vier, fünf Stunden auf hohem Niveau Schach spielt, lasse irgendwann die Konzentration nach. Jan habe auf seinem Level gespielt. Er hätte vielleicht den einen oder anderen Punkt mehr machen können, „wenn manche Dinge in der Vorbereitung besser gelaufen wären. Der neue Trainer hat Eröffnungsexperimente gemacht, das hatte Jan noch nicht so parat. Das sind ja auch keine leichten Gegner“.

Und auf die Partien gegen die starke Konkurrenz, insbesondere aus Osteuropa, müsse man sich akribisch vorbereiten. Auf den Schach-Servern im Internet suche man sich einige Partien der Gegner heraus und stellt ein Dossier zusammen: „Da guckt man, welche Vorlieben er hat, welche Systeme. Wie spielt er taktisch? Das wird absolut analytisch auseinandergenommen. Am Schluss hätte Jan doch auf die alte Methode zurückfallen sollen.“

Das sieht Jan auch so: „Dann wäre ich noch 20 Plätze besser gewesen.“ So fiel seine Bilanz nicht ganz so gut aus, wie erhofft. Unterm Strich standen drei Siege, zwei Remis und vier Niederlagen. „Nicht die Siege, sondern die beiden Remis waren für mich am schönsten, weil sie gegen stärkere Gegner waren“, sagt Jan. Ein Spiel davon hätte er sogar gewinnen können – gegen einen Isländer. Sprachprobleme gab es bei den Partien nicht, denn beim Schach rede man ja nicht so viel. Besonders geärgert hat sich Jan über die Niederlage gegen Marko Vuckovic aus Montenegro, „weil er schwächer eingestuft war als ich“.

Seit Jan fünf Jahre alt ist, spielt er Schach. Im März wurde er in seiner Altersklasse souverän Niedersachsenmeister und bei seinem DM-Debüt im Mai auf Anhieb Zehnter. Schach ist aber nicht sein einziges Hobby: In der E-Jugend von Deister-Süntel United spielt er noch Fußball. Zur Schule geht er in Hameln, weil es am Schillergymnasium in Kooperation mit dem Hamelner SV, für den der Fünftklässler auch die Punktspiele absolviert, eine Schach-AG gibt. Dort kann er sich auf seine nächsten Ziele vorbereiten. Für die Weltmeisterschaft im Dezember in Dubai hat er sich qualifiziert, aber über Weihnachten wollte sein Vater eigentlich nicht wegfliegen…

til/aro

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