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Schiedsrichter Gerhard Spier vom FC Springe pfeift am Sonntag in Weetzen sein 1706. Spiel

Jeder Einsatz wird notiert

Springe. Am Osterwochenende war Gerhard Spier einmal nicht im Einsatz. Aber wenn am kommenden Sonntag die Reserven des SV Weetzen und des BSV Gleidingen in der 2. Fußball-Kreisklasse gegeneinander antreten, ist der 74-Jährige als Schiedsrichter wieder dabei. Nach der Partie wird er in seinem Kalender hinter der Ansetzung das Ergebnis eintragen – und die Zahl 1706. So viele Pflichtspiele werden es dann gewesen sein, die Spier in seiner mittlerweile 38-jährigen Karriere als Unparteiischer geleitet hat – hunderte Test- und Freundschaftsspiele kommen noch oben drauf.

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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Einsatz Nummer 1705 hatte Spier am Wochenende vor Ostern beim Spiel des SV Altenhagen II gegen Alvesrode. Die Partie ging selbst einem alten Hasen wie ihm an die Nieren – denn kurz vor der Pause brach sich Alvesrodes Torwart in einem Zweikampf das Schienbein. Auch um seine eigene Gesundheit musste Spier sich im Einsatz schon sorgen machen. Es war Ende der 1970er-Jahre: In der Partie des SV Bockenem gegen BW Neuhof stellte er den Torjäger der Gastgeber vom Platz – nach dem Spiel wollten 30 angetrunkene Fans ihm und seinen Assistenten ans Leder. „Die Spieler kannten das schon, die haben einen Kreis um uns gemacht und uns vom Platz geleitet“, erinnert Spier sich.

Seit 1976 leistet der Springer Dienst an der Pfeife. Ein Knöchelbruch hatte die aktive Karriere des damals 36-Jährigen beim SV Bison beendet. „Ich hatte ein halbes Jahr Pause gemacht, dann kam unser damaliger Vorsitzender Wilhelm Möller zu mir und sagte: ‚Ich habe dich zum Schiedsrichterlehrgang angemeldet.‘“ Nach drei Wochenenden Ausbildung und der Prüfung leitete Spier sein erstes Spiel. „Bei der C-Jugend des SV Altenhagen“, weiß er noch. Wenige Partien später habe er gemerkt: „Das ist was für mich.“ Seitdem notiert er jeden Einsatz in seinen Kalendern.

Er könnte auch ohne. „Wenn es reichlich Schiedsrichter gäbe, würde ich auch gerne aufhören“, sagt Spier. Beim FC Springe, wo er von 2000 bis 2010 auch Schiedsrichterobmann war, gibt es aber derzeit nur drei aktive Referees. Es drohen Strafen, denn für jede gemeldete Mannschaft, bei deren Spielen Schiedsrichter angesetzt werden, muss ein Verein auch einen Unparteiischen melden. Früher war das anders: „1979 musste ich noch darum kämpfen, dass ich in den Bezirk aufsteige“, sagt Spier, „heute wird man gebeten.“

Das Benehmen der Spieler auf dem Platz, sagt Spier, habe sich in den letzten 38 Jahren „nicht viel verändert“. Er hat aber ein dickes Fell: „Ein bisschen Kritik musst du als Schiedsrichter vertragen.“ Sein Credo auf dem Platz: „Ruhig und kameradschaftlich mit den Spielern umgehen“, sagt er. Seine Karten lässt er stecken, solange es geht: „Wenn du sofort anfängst, Karten zu zeigen, spielen irgendwann nur noch neun gegen neun“, so Spier.



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