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„In München war dann alles möglich“

Bad Münder. Es ist bis heute der größte sportliche Erfolg einer deutschen Basketball-Nationalmannschaft: Vor zwanzig Jahren gewannen die Korbjäger um Trainer Svetislav Pešic in München den EM-Titel gegen den Turnierfavoriten Russland. Der eiskalte Christian Welp machte den 71:70-Triumph vier Sekunden vor Schluss mit einem Freiwurf perfekt. Hautnah dabei war Jürgen Molitor, damals als Teammanager – heute lebt der 72-Jährige in Bad Münder und arbeitet hier mit dem Basketball-Nachwuchs.

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„Es war schon einzigartig“, erinnert sich der gebürtige Osnabrücker an die fantastische Stimmung in der Olympiahalle. 11 000 Zuschauer feierten ihre „Goldjungs“ überschwänglich nach einem Turnier der Extraklasse. Erst wurde Spanien ausgeschaltet (79:77 n. V.), dann Griechenland (76:73) und schließlich Russland. Mehr Nervenkitzel geht nicht. „Wir haben nicht an den Titel gedacht. Aber als wir dann in München waren, war alles möglich“, erinnert sich Molitor.

Die alles entscheidende Phase im „Hitchcock-Finale“ ist schnell erzählt: Russland führt 15 Sekunden vor Ende mit 70:68 und hat schon eine Hand am EM-Pokal. Dann folgt der große Auftritt von Kai Nürnberger. Ein genialer Pass zu Christian Welp und der markiert mit einem spektakulären Dunking den Ausgleich. Verlängerung? Nein, denn im aufbrausenden Jubel geht der Pfiff des Schiedsrichters fast unter. Er hat ein Foul an Welp gesehen und gibt noch einen Freiwurf für Deutschland. Diese einmalige Chance lässt sich der Top-Shooter nicht nehmen. „Christian hat das Turnier für uns entschieden“, weiß Molitor.

Natürlich kennt der 72-Jährige als ein Wegbereiter auch die Hintergründe für diesen historischen Erfolg: „Der Grundstein wurde 1987 mit der Verpflichtung von Svetislav Pešic gelegt. Sechs Jahre wurde die junge Mannschaft aufgebaut. Irgendwann musste der zündende Coup ja kommen.“

Seit 50 Jahren ist er mittlerweile im Basketballgeschäft aktiv, das „Märchen von München“ ist aber längst nur noch eine schöne Erinnerung an glanzvolle Zeiten. Denn die Euphorie hielt damals nur kurz in Deutschland. Die Mitgliedszahlen gingen zurück. Kurz nach der EM, Mitte 1994, nahm Manager Molitor dann nach zehnjähriger Tätigkeit seinen Hut. „Ich war unzufrieden mit der vertanen Chance, die Euphorie im Breitensport zu nutzen“, blickt er zurück.

Jetzt kümmert sich der einstige Macher im Hintergrund nur noch um den hoffnungsvollen Nachwuchs vor Ort. Über die TuSpo Bad Münder vermittelt er in Kooperation mit verschiedenen Grundschulen in der Region Kindern und Jugendlichen die Grundlagen des Basketballs.til



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