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„In den unteren Klassen wird es kriminell“

Für die neue Handballsaison sind Regeländerungen in Kraft getreten, die bei Olympia erstmals international zur Anwendung kommen. Sie gelten bis in die untersten Klassen. „Im Spitzensport mag das funktionieren“, sagt der ehemalige Bundesliga-Referee Jürgen Schild. „Aber in den unteren Klassen wird es kriminell.“

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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Was Schild zu den einzelnen Neuerungen sagt:

Blaue Karte: Wenn die Schiedsrichter nach der roten die blaue Karten ziehen, zeigen sie damit an, dass die Disqualifikation einen Bericht nach sich zieht und damit ein Fall für die Disziplinarkommission wird.

Schild: „Die blaue Karte ist so überflüssig wie ein Kropf. Es ist eine zusätzliche Belastung für die Schiedsrichter, die es schon schwer genug haben. Bislang mussten sich das Kampfgericht und die beiden Mannschaftsverantwortlichen informieren, wenn es einen Bericht gab. Jetzt müssen sie zusehen, dass sie in die richtige Tasche greifen.“

Verletzte Spieler: Wird ein verletzter Spieler auf der Platte behandelt, muss er danach das Spielfeld verlassen und darf es erst wieder betreten, wenn seine Mannschaft drei Angriffe abgeschlossen hat. Das gilt nicht, wenn der Gegenspieler des Gefoulten eine Bestrafung erhält.

Schild: „Die Regel soll verhindern, dass Spieler aus taktischen Gründen liegenbleiben. Etwa um einen Tempogegenstoß zu verhindern. Das hat tatsächlich zugenommen. Von Ausmaßen wie beim Fußball sind wir in Sachen Schauspielerei aber noch eine ganze Ecke weit weg.“

Siebter Feldspieler: Ein zusätzlicher Feldspieler, der für den Torwart eingewechselt wird, muss künftig nicht mehr mit einem Leibchen gekennzeichnet werden. Dafür darf er in der Abwehr aber auch den Torraum nicht mehr betreten.

Schild: „Die Regel bietet den Trainern eine zusätzliche taktische Möglichkeit. Damit umzugehen müssen die Vereine erstmal lernen.“

Passives Spiel: Von dem Augenblick, in dem die Schiedsrichter den Arm heben, um passives Spiel anzuzeigen, bleiben der angreifenden Mannschaft noch sechs Pässe, bis sie den Angriff abschließen.

Schild: „Für mich ist das die einzige sinnvolle neue Regel, weil das passive Spiel eingegrenzt wird. Bislang wurde es ja ganz selten abgepfiffen. Wann das passive Spiel beginnt, bleibt allerdings noch Ermessenssache der Schiedsrichter.“

Letzte 30 Sekunden: Begeht ein Abwehrspieler in den letzten 30 Sekunden eine grobe Unsportlichkeit und verhindert so ein Tor, wird er mit der Roten Karte bestraft und die angreifende Mannschaft erhält –unabhängig vom Ort des Geschehens – einen Siebenmeter.

Schild: „Die Regel galt bislang in den letzten 60 Sekunden. Warum es verkürzt wurde, ist mit nicht klar. Die Regel ist okay, weil sie taktische Fouls verhindert. Wir haben in der vorigen Saison im Heimspiel gegen Hagen davon profitiert.“

Zur Person: Seit 1968 ist Jürgen Schild Handball-Schiedsrichter. Von 1973 bis 1982 war er in der 1. Liga als Unparteiischer im Einsatz, 1978 bis 1982 auch international. Danach war er noch vier Jahre als Schiedsrichterbeobachter für den DHB unterwegs. Heute pfeift der 73-jährige Sportwart der HF noch Spiele auf Bezirksebene. „Ich werde wohl die 50 Jahre noch voll machen“, sagt er.

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