weather-image
11°

Heimsche Fußballer mit türkischen Wurzeln zum Fall Özil

SPRINGE/BAD MÜNDER. Wen fragt man, wenn man sich dem Fall Özil, seinen Rassismus-Vorwürfen, auf lokaler Ebene nähern will? Da fängt das Problem mit dem Rassismus ja irgendwie schon an.

Mesut Özil hat erst mit einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan und dann mit schweren Vorwürfen gegen den DFB für rege Diskussionen gesorgt. Foto: dpa
jan

Autor

Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Denn natürlich wendet man sich dabei vor allem an Deutsch-Türken. Oder sagt man Deutsche mit türkischen Wurzeln? „Warum fragst Du mich? Ich bin Deutscher. Hier geboren, hier aufgewachsen, deutscher Pass“, sagt Hakan Atangüc vom VfB Eimbeckhausen.

Er klingt nicht beleidigt, eher amüsiert. Denn natürlich weiß auch Atangüc, dass sein Name seine Herkunft – genauer: die Herkunft seiner Eltern – verrät. Da sei man schnell abgestempelt beim Fußball, die Erfahrung hat er vor allem als Trainer der TuSpo Bad Münder gemacht, als er auch viele Spieler mit ausländischen Namen im Team hatte. „Wenn dann einer von denen die Rote Karte kriegt, heißt es: War ja klar. Kriegt einer, der Schneider heißt, eine, wird einfach umgeblättert.“

Dass Özil aus der Nationalelf zurücktritt, war aus Atangüc’ Sicht „nur eine Frage der Zeit“. Mit dem Foto, auf dem er gemeinsam mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan posierte, habe Özil „ein Eigentor geschossen, aber dass man ihn deswegen einfach fallen lässt, finde ich schade“.

3 Bilder
Hakan Atangüc: „Özil hat mit dem Foto ein Eigentor geschossen. Aber dass man ihndeswegen einfach fallen lässt, finde ich schade.“

Es sei ein ewiger Zwiespalt, sagt auch Ümit Sengüner, der Trainer des SC Völksen, dessen Eltern ebenfalls türkische Einwanderer sind: „Du fühlst dich als Deutscher, aber natürlich auch der Türkei zugehörig. Aber nirgendwo gehörst du richtig dazu.“ Die Art und Weise, wie Özil mit dem DFB abgerechnet hat, „ist eines Nationalspielers seiner Klasse nicht würdig“, findet Sengüner. Schlimmer fand er aber, wie eine große Boulevardzeitung schon seit Jahren gegen Özil gehetzt habe. „Das war schon krass, und das ist dann eben das Resultat.“ Er sei kein Fan von Erdogan, sagt Sengüner. Die Aufregung über das Foto fand er aber deutlich übertrieben, „wenn gleichzeitig die ganze Welt zu Putin ins Wohnzimmer fährt“.

Ähnlich sieht es auch Yavuz Yerli, der Coach des SC Alferde, der in Izmir geboren wurde, aber noch als Säugling nach Deutschland kam. „Ich bin zu 51 Prozent Deutscher“, sagt er, „Mein zu Hause ist hier, aber die Türkei ist trotzdem Heimat.“ Er habe sich immer angepasst und deshalb nie schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Yerli. Nur eines störe ihn an Deutschland: „Du kannst von zehn Sachen neun richtig gut machen – aber dann reden alle nur von dem einen Fehler, den du machst.“

Man dürfe ja nicht vergessen, dass Özil viel zu Deutschlands Erfolgen beigetragen habe, „deshalb kann ich seinen Rücktritt nachvollziehen. Diese harte Kritik hat er nicht verdient.“ Özil habe schließlich nie für die Türkei gespielt – sondern sogar gegen sie. „Da war ich sogar ein bisschen sauer“, sagt Yerli.

Zum Thema Rassismus haben die drei Fußballer erstaunliche Ansichten. „Kein Problem“, sagen Atangüc und Yerli. Beleidigungen à la „Kanake“ oder „Ölauge“ gebe es zwar – gehen aber zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Sengüner beobachtet Rassismus „oft leider andersrum, dass Landsleute auf dem Platz unangenehm auffallen“.



Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt