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96-Archivar bringt die Vereinshelden mit zum Vortrag in Springe / Zieler schreibt fleißig Autogramme

Fußball-Geschichte zum Anfassen

Springe. Sein Bauch sorgt dafür, dass Rolf Gehrcke das Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft 1954 niemals vergisst. Damals, am 23. Mai, holte Hannover 96 mit Gehrcke zum zweiten Mal nach 1938 den Titel. „Ich habe mich in dem Spiel nach einem Bodycheck in die Magengegend verletzt“, berichtete Gehrcke jetzt in der Aula der Grundschule hinter der Burg. Das Fußballmuseum hatte dorthin zum Vortrag von 96-Archivar Sebastian Kurbach eingeladen. Und der brachte nicht nur die wichtigsten Trophäen der Vereinsgeschichte mit, sondern auch Zeitzeugen. Wie eben Gehrcke. Bei besagtem Bodycheck sei ihm „der Wurmfortsatz“ abgerissen, der offenbar heute noch in seinem Körper „von rechts nach links wandert. Er erinnert mich heute noch an die Meisterschaft, wenn ich auf dem Bauch liege“.

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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Gemeinsam mit seinem ehemaligen Teamkollegen Hans Tkotz erinnerte sich Gehrcke an den legendären Abend in Hamburg, als 96 mit 5:1 gegen Kaiserslautern gewann: „Es war ein unwahrscheinliches Gefühl, wir waren ja krasser Außenseiter. Dass wir Meister werden, davon haben wir nur geträumt.“ Ähnlich ging es genau 38 Jahre später, am 23. Mai 1992, Jörg Sievers in Berlin. „Dass wir es als mittelmäßiger Zweitligist ins Pokalendspiel geschafft haben, war eine Riesenüberraschung. Wir haben jede Sekunde genossen“, berichtete die Torwartlegende, der im Elfmeterschießen damals zwei Gladbacher Schüsse parierte und damit zum Pokalhelden wurde.

Heute trainiert Sievers bei Hannover 96 die Torhüter – die aktuelle Nummer 1 der Roten brachte er mit nach Springe: Ron-Robert Zieler schrieb fleißig Autogramme. Museums-Chef Wilfried Liebhold hatte den Programmpunkt, der ursprünglich erst nach dem Vortrag geplant war, kurzfristig vorverlegt – eine weise Entscheidung: Dadurch war die Aula bei Kurbachs Ausführungen zwar nur noch zu knapp einem Viertel gefüllt, dafür herrschte Ruhe.

An die 100 Kinder, die ihr Idol aus der Nähe erleben wollten, hatten bei der Autogrammstunde für mächtig Trubel gesorgt. Jacken, Mützen, Trikots, Schuhe und sogar Handys – Zieler unterschrieb überall und schlug auch keinen Fotowunsch seiner Fans aus. Die etwas älteren Anhänger nahmen währenddessen die Trophäen in Augenschein. Grundschul-Leiterin Verena Kebsch-Jandel etwa, stemmte die Replik des DFB-Pokals in die Luft – und ließ sich mit Jörg Sievers fotografieren, dem sie beim Endspiel 1992 live im Stadion zujubelte – das ist Geschichte zum Anfassen im wahrsten Sinne des Wortes.

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