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96-Torwartlegende Jörg Sievers über Erfolge, spielende Torhüter und internationales Flair in Bremen

„Früher ging ins Tor, wer am Ball nichts konnte“

Fußball. 20 Jahre ist es her, dass Hannover 96 seinen letzten Titel gewann. Der Held im DFB-Pokalfinale damals gegen Mönchengladbach: Torwart Jörg Sievers. Klar, dass der 46-Jährige neben Klub-Präsident Martin Kind und Spielern aus der Meistermannschaft von 1954 zu den Ehrengästen gehörte, als im Springer Fußballmuseum die 96-„Pilgerstätte“ eingeweiht wurde. Danach hatte er noch Zeit für ein Interview mit NDZ-Sportredakteur Jan-Erik Bertram.

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Martin Kind hat in seiner Ansprache einen Fehler von Ihnen erwähnt – Sie hätten mal gegen Arminia Hannover versucht, Fußball zu spielen...

Die Geschichte kramt er jedes Mal raus, wenn er von der 3. Liga erzählt. Es gab da mal ein Spiel gegen Arminia, das wir 3:4 verloren haben. Das letzte Tor war etwas unglücklich. Es kam ein hoher Ball, ich war nicht sicher, ob der Schiri Rückpass pfeifen würde, wenn ich ihn aufnähme. Es war an der Außenlinie, von da kann der Ball eigentlich nicht reingehen. Der Arminia-Spieler hat es aber geschafft.

Hat die Band Fury in the Slaughterhouse deshalb den Jörg-Sievers-Blues geschrieben? Darin kommen Sie nicht sehr gut weg.

Ob es da einen Zusammenhang gibt, weiß ich nicht. Ich kenne die Jungs ganz gut, wir haben eigentlich ein gutes Verhältnis.

Heute ist es ein Muss für Torhüter, mit dem Ball umgehen zu können.

Seit es die Rückpassregel gibt, ist das eine Grundvoraussetzung. Früher ging der ins Tor, der am Ball am wenigsten konnte. Ich war in der Jugend eigentlich ein ganz guter Feldspieler, aber wenn man es gar nicht mehr trainiert, ist es auch schwer.

Ron-Robert Zieler hat in dieser Beziehung auch keine Probleme. Hat er das Zeug, einmal Manuel Neuer in der Nationalelf abzulösen?

Immer langsam. Wir sind ja froh, dass er als Nummer 3 mit zur EM gefahren ist. Der nächste Schritt wäre, dass er die Nummer 2 angreift. Das traue ich ihm zu, er ist ein sehr guter Torwart, der in allen Bereichen nur Stärken hat.

Die Jahre in England, das ja nicht gerade für starke Torhüter bekannt ist, haben ihm also nicht geschadet.

Es hat ihm sicher nicht geschadet. Wenn man mit 16 allein in ein anderes Land geht, ist das viel wert für die Entwicklung. Und die Ausbildung bei den Engländern ist nicht schlecht, auch wenn sie selbst lange keinen richtig guten Torwart hervorgebracht haben.

Was war für Sie persönlich der größere Erfolg: der Pokalsieg 1992 oder die Rückkehr in die 1. Liga 2002?

Auf 1992 werde ich natürlich immer wieder angesprochen, weil wir als Zweitligist damals eine Sensation geschafft haben. Für mich persönlich hat aber auch der Wiederaufstieg aus der 3. in die 2. Liga 1998 einen hohen Stellenwert. Wenn wir das nicht geschafft hätten, würde es den Verein heute so nicht geben. Das war finanziell ganz wichtig für uns.

Hat es Sie gewurmt, dass Sie nach dem Pokalsieg international ausgerechnet gegen Werder Bremen ran mussten?

Das war schon kurios. Wir hatten uns auf internationalen Fußball gefreut, es war eigentlich egal, gegen wen. Aber Bremen ist nur 120 Kilometer weg – das hat nicht wirklich internationales Flair.

Heute steigt in Dublin das Hinspiel der Europa-League-Qualifikation. Martin Kind sagt: Da darf man nicht verlieren.

Das sagen wir alle: Wir fahren da hin, um zu gewinnen. Bei allem Respekt vor dem Gegner, aber je früher wir es geklärt haben, desto besser.

Sie wohnen mit Ihrer Familie seit einem Jahr in Lüdersen. Wie hat es Sie dorthin verschlagen?

Das war Zufall, wir haben rund um Hannover gesucht. Das Haus dort war ein Vorschlag unseres Maklers.

Wie gefällt Ihnen Lüdersen?

Sehr gut, es ist ein toller Ort, wir sind froh, dass wir dort gelandet sind.

Wilfried Liebhold, der Leiter des Fußballmuseums, hat die Anekdote erzählt, wie er vor 20 Jahren bei einem Springe-Besuch von 96 einen Elfmeter gegen Sie verwandelt hat – können Sie sich an den Besuch noch erinnern?

Ehrlich gesagt nicht, es ist ja 20 Jahre her. Aber hier im Museum stehen ja überall Andenken von dem Besuch – also wird es wohl stimmen.



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