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Ehemaliger HF-Kreisläufer Sergej Gorpishin fährt zur WM

SPRINGE. Vor zwei Jahren spielte Sergej Gorpishin mit den Handballfreunden Springe noch vor 500 Zuschauern in der Halle des Schulzentrums Süd. Am Montag läuft er in der Berliner Mercedes-Benz-Arena vor mehr als 20-mal so vielen Fans auf.

Sergej Gorpishin (Mitte), hier noch im Springer Trikot, ist bei der Handball-Weltmeisterschaft dabei. Foto: Archiv/Bertram
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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Dann spielt Russland bei der Handball-WM gegen Gastgeber Deutschland – und Gorpishin steht im russischen Kader.

„Ich bin sehr happy“, sagt der 21-Jährige per Whats-App-Telefonat aus seinem Hotelzimmer in Moskau. Dort konnte er sich am Mittwoch nach einer letzten kurzen Trainingseinheit am Vormittag ein wenig erholen. Am Donnerstag fliegt die russische Delegation nach Berlin, Freitag steht das erste Vorrundenspiel gegen Serbien auf dem Programm. „Natürlich bin ich ein bisschen aufgeregt, es ist schließlich meine erste WM mit der A-Nationalmannschaft“, sagt Gorpishin, „aber die Vorfreude überwiegt. Und dass sie in Deutschland stattfindet, ist noch ein großes Plus.“

Gorpishin ist in Erlangen geboren, beim dortigen Erstligisten HCE steht der Kreisläufer und Innenblocker seit eineinhalb Jahren unter Vertrag. Aufgewachsen ist er in Hildesheim, bei der Eintracht hat er das Handballspielen gelernt, in der Saison 2016/17 spielte er für die HF Springe. Sein Vater Slava hatte dort seine Karriere ausklingen lassen, noch heute ist er Trainer der HSG Deister Süntel in der Regionsoberliga. Gorpishin senior ist zweifacher Olympiasieger – jetzt schickt sich der Junior an, die großen Fußstapfen auszufüllen.

Tipps vom Papa hatte er sich kurz nach der Nominierung noch nicht geholt: „Ich bin noch nicht dazu gekommen, ihn anzurufen, ich muss noch Wäsche waschen“, sagt Sergej Gorpishin lachend. Er macht gerade die Erfahrung, dass bei so einem Turnier alles ein wenig anders ist. So musste er sich erstmal neue Funktionsunterkleidung bestellen – die muss bei der WM nämlich die Farbe der Trikots haben, im Fall Russlands also Rot oder Weiß. Sein altes schwarzes HF-Aufwärm-Shirt, das er sonst immer unter seinem Trikot trägt, muss also zu Hause bleiben.

Zuletzt hatte er ein Einzelzimmer in Moskau. Eigentlich hatte er es sich mit Pawel Atman von den Burgdorfer Recken geteilt – der Spielmacher reiste jedoch verletzt ab. „Das ist schon ein bisschen komisch, wenn man vorher zwei Wochen so eng zusammen war“, sagt Gorpishin. Und: „Bei anderen Mannschaften fallen auch wichtige Spieler aus – komisch, dass die alle aus der Bundesliga kommen.“

Noch am zweiten Weihnachtstag wurde in Deutschlands Eliteliga gespielt, andere Spieler aus dem russischen Kader hatten da schon eine Woche Pause. Entsprechend K.o. ist Gorpishin nach dem zweieinhalbwöchigen Trainingslager. Seinen Humor hat er aber nicht verloren: „Die Langhantel werden wir jetzt wohl länger nicht sehen“, sagt er lachend, „wir sind so vorbereitet, dass wir auch länger als 60 Minuten spielen könnten.“ Kein Wunder: Die fünf Vorrundenspiele steigen in sieben Tagen, mitunter liegen keine 24 Stunden zwischen zwei Partien.

Auch deshalb kann Gorpishin wohl davon ausgehen, dass er zu den 16 Akteuren gehört, die spielen dürfen. Nominiert hat Russlands Nationaltrainer Eduard Koksharov 18, darunter vier Kreisläufer. Gorpishin, der in Erlangen vor allem im Drittliga-Team spielt, hat viel mit dem Coach und erfahrenen Mitspielern gesprochen, dabei auch seine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass es nicht reichen könnte: „Alle haben immer gesagt: ‚Mach dir keine Sorgen, wir brauchen dich.‘“

Los geht es für die Russen am Freitag gegen Serbien, am Sonnabend geht es gegen Korea und am Montag gegen Deutschland. Dann werden nicht nur Sergej Gorpishins Eltern in der Arena sein, sondern auch etliche Springer Handballer. Der 21-Jährige freut sich auf das Wiedersehen, „aber die Halle wird in dem Spiel wohl nicht hinter uns stehen“, sagt er lachend.



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