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Der Problem-Schneeball

BAD MÜNDER. Die Taekwondoka von Redfire sind auf Bundesebene erfolgreich, die SC-Volleyballerinnen und die Tischtennis-Mädchen des TSV Hachmühlen spielen auf Landesebene – ansonsten ist der Sport in Bad Münder eher Breiten- als Leistungssport. „Das liegt auch am Finanziellen“, sagt Thomas Umlauf, der SC-Vorsitzende.

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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

So sieht es auch Jürgen Koch: „Mehr Fördermittel täten allen Vereinen gut. Sie würden helfen, qualifizierte Trainer zu bezahlen“, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (AG) Sportvereine in Bad Münder. Ein besseres Angebot würde mehr Mitglieder bedeuten – und damit mehr Einnahmen. Gerade die Vereine mit eigenen Hallen in den Ortsteilen hätten „zu knüppeln“, sagt Koch, „das ist wie ein Schneeball. Der wird immer größer und erschlägt den Verein irgendwann“.

Aber: Die Vereine helfen sich gegenseitig. So zahlen die Klubs, die die KGS-Halle nutzen – für die der Landkreis als Eigentümer keine Nutzungsgebühr erhebt –, einen Solidarbeitrag, um den Neubau der ehemaligen HWK-Halle mitzufinanzieren. Wenn die fertig ist, kommen aber neue Kosten auf die Klubs zu. Denn die Halle der ehemaligen Grundschule an der Kellerstraße können sie zwar weiterhin nutzen – alle Geräte ziehen aber um in die neue Halle. AG und Stadt sind bereits dabei, die Kosten für neues Equipment zu ermitteln und Förder-Anträge zu stellen.

Von der Stadt ist allerdings wenig Unterstützung zu erwarten. Der sind durch den Abschluss des so genannten Zukunftsvertrages 2011 finanziell die Hände gebunden. „Dadurch mussten wir Zuschüsse streichen und die Vereine an den Betriebskosten beteiligen“, sagt Elisabeth Borcherding vom Fachdienst Bildung, Service und Vereine.

Die Vereine wissen und akzeptieren, dass die Stadt nicht viele Mittel zu verteilen hat. „Mit dem, was wir an Finanzen vorfinden, können wir zufrieden sein, weil die Vereine sich gegenseitig helfen – aber eigentlich sollten die übergeordneten Stellen helfen“, sagt AG-Vorsitzender Koch. Er sieht vor allem die Sportbünde in der Pflicht: „Die machen nix für die kleinen Vereine.“

Helmut Burdorf, der Vorsitzende der TuSpo, des größten münderschen Sportvereins, würde sich finanzielle Unterstützung vor allem für den Erhalt der Sportstätten nutzen. Sein Verein unterhält das Klubhaus, das in großen Teilen für Sportabgebote genutzt wird, die Veldenanlage im Osterberg und das Jahnstadion, über das die TuSpo einen Nutzungsvertrag mit der Stadt abgeschlossen hat. Die Kosten würden nicht weniger – die Mitgliederzahlen aber schon. Kommerzielle Fitness-Center sind eine Konkurrenz für die Vereine, weil Sportler dort zeitlich unabhängig trainieren können – und Engagement nicht verlangt wird. „Es gibt genügend Leute, die sich sportlich betätigen wollen“, sagt Burdorf, „es fehlen die, die sich darüberhinaus engagieren.“

Womit wir wieder beim Schneeball wären: Weniger Ehrenamtliche bedeutet weniger Angebote bedeutet weniger Mitglieder. Bei steigenden Kosten „können Vereine finanziell in Schwierigkeiten kommen, das sollte die Politik in Bad Münder erkennen“, sagt Burdorf. Koch sieht es ganauso: „Wir Vereine sind bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen nicht ganz unwichtig – aber die kriegen von uns im Moment nicht das, was sie verdienen.“



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