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Von wegen Ruhestand: Klaus Johansson

Der „Diktator“ hat mit den Bisons noch Großes vor

Rollhockey. Mindestens so viel Zeit, wie er in seinem Büro im Springer Krankenhaus verbracht hat, hat Klaus Johansson in den letzten Jahren auch in den SC Bison Calenberg investiert. Seit Montag ist er im Ruhestand, genauer gesagt: In der passiven Phase der Altersteilzeit – und kann sich nun voll und ganz um seinen Verein kümmern. „Das wird man auch sehen“, sagt der 59-Jährige, der Großes mit den Bisons vorhat. Mit 65 will er als Vorsitzender zurücktreten. Bis dahin will er noch „erleben, dass wir mit den Herren Deutscher Meister werden“, sagt er.

Der Herrscher im Bison-Reich: Klaus Johansson posiert vor der Fl

Autor:

Jan-Erik Bertram

Johansson arbeitet mit Hochdruck daran, das Rollhockey aus der Nische zu bekommen. Dabei wusste er, als er anfing, selbst noch nicht, dass es den Sport gibt. Das war 1982. „Damals war Eishockey groß im Kommen“, erinnert sich Johansson. Inliner gab es zu der Zeit noch nicht, „aber bei der Metro waren Rollschuhe im Angebot“. Johansson und seine Freunde griffen zu und trafen sich auf dem Krankenhaus-Parkplatz zum Rollhockey spielen. „Unser erstes Tor war der Laufstall von Erik und Gunnar“, so Johansson. Seine heute 30 und 29 Jahre alten Söhne sind mit dem Rollhockey-Virus ebenso infiziert wie die jüngeren Kinder Leif (15) und Jana (13) sowie Johanssons Frau Anette. Auch Bruder Lutz, dessen Frau Sabine und die Kinder Reik und Britt-Stina waren oder sind aktiv.

Immer mehr Leute trafen sich auf dem Parkplatz, „irgendwann habe ich mich beim Landessportbund erkundigt, ob es die Sportart überhaupt gibt“, so Johansson. Spontan wurde eine Mannschaft gemeldet, obwohl zunächst kein Verein die Truppe aufnehmen wollte – auch nicht Bison Springe, der später mit Calenberg Eldagsen zum SC Bison Calenberg fusionierte.

Die Rollhockey-Spieler gründeten also ihren eigenen Verein – mit Klaus Johansson als Vorsitzendem. Beim ersten Spiel in Bremen besaßen sie „gerade mal eine Torwartausrüstung und fünf Schläger“, so Johansson – und verloren 0:41. Die Heimspiele wurden anfangs noch in der Eldagsener Grundschulhalle ausgetragen. Dort richtete der SC 1989 auch die Frauen-EM aus – 400 Zuschauer quetschten sich damals in die enge Halle. An diese Zeiten wollen die Bisons wieder anknüpfen: „Bis ich abtrete, wird der Verein so groß sein, dass wir bei Großereignissen 800 Zuschauer in der Halle haben.“

Große Ambitionen mit einer Randsportart, die derzeit kaum 50 Fans anlockt. Das war anders, als die Bison-Damen, bis heute Deutscher Rekordmeister, in den 1990er-Jahren alles gewannen, was es zu gewinnen gibt. Derzeit sind die Herren im Aufwind. Mit Milan Brandt hat sich das größte deutsche Talent den Bisons angeschlossen, weitere Topspieler aus der 1. Liga wollen kommen. Das sorgt dafür, dass der SCBC, vor allem von den Klubs im Westen, kritisch beäugt wird. Der Bann sei jetzt aber gebrochen, sagt Johansson: „Im Juli kommt die Herren-Nationalmannschaft für ein achttägiges Trainingslager zu uns.“ Bislang ist lediglich Jugend-Nationaltrainer „Alfredo“ Meier mit seinen Teams Stammgast in Springe.

Viel Geld gibt es bei den Bisons mit Rollhockey nicht zu verdienen. Der Verein hilft potenziellen Verstärkungen dafür bei der Jobsuche. Auch das übernimmt – natürlich – Johansson. „Ich mache eigentlich alles“, sagt er und grinst: „Ich bin der Diktator, der über allem steht.“ Etwas mehr als fünf Jahre noch: „Bis dahin versuche ich, einen Nachfolger zu finden“, sagt er. Aber wenn das nicht klappen sollte, „bin ich ja auch nicht weg“.

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