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Auf dem Trainingsplatz mit del Piero

Springe. 18 Tore in einer Saison – so häufig hat Fußballer Frank Ramser in seiner Zeit beim FC Springe nie getroffen. In Australien hat er sein Team, die „Enfield Rovers“, so zum Titel der zweithöchsten Amateurliga geschossen. Seit vier Jahren lebt der 30-Jährige am anderen Ende der Welt – und nicht nur beim Fußball geht es dort ganz anders zu, als in Deutschland, wie er bei seinem Besuch in der Heimat erzählt.

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Sport, sagt Ramser, sei in Australien immens wichtig. In nahezu jeder größeren Firma gebe es mittags ein Bewegungsangebot, vom „Touch-Rugby“ bis zum Fitness-Training. Und: „Die Australier definieren sich nicht über Jobs oder Status, sondern ganz häufig über den Sport, den sie verfolgen.“ Fußball gehöre allerdings selten dazu: Rugby, Cricket und das „Australian Rules Football“ ziehen die Massen an.

Anfang 2011 ging Ramser zum Studium nach Sydney, die größte Stadt Australiens. „Anfangs fand ich es ganz gut, nicht die Routine aus zweimal Training in der Woche und einem Spiel am Sonntag zu haben. Man hat auf einmal sehr viel Zeit“, sagt er. Irgendwann hatte er die neue Stadt allerdings ausgiebig erkundet – und die Zeit wollte gefüllt werden.

Also suchte er sich einen Fußballverein. Es war nicht schwer, einen zu finden, denn die Klubs suchen immer Spieler: „Sie geben dann im Internet eine Anzeige auf“, sagt Ramser, „dann geht man zum Probetraining und wird genommen, wenn man die Trainer überzeugt.“ Er überzeugte bei „Manly United“ und stellte fest: „In Australien spielen kaum Australier Fußball.“ Deshalb spielen Mannschaften auch selten länger als eine Saison zusammen, weil dann Visa ablaufen oder die Rucksacktouristen im Team weiterreisen: „Deshalb hatten wir mitten in der Saison auf einmal keine Abwehr mehr“, sagt Ramser, der in Sydney sogar schon mit Italiens Fußball-Ikone Alessandro del Piero zusammen trainierte.

Das kam so: Del Piero spielt bei Sydney FC in der australischen Profiliga. Das Trainingsgelände liegt im Stadtteil, in dem Ramser wohnt. Einmal ging er hin, um bei der zweiten Mannschaft mitzutrainieren – die sich gerade mit den Profis aufwärmte und Passübungen machte.

2013 spielte Ramser für die „Enfield Rovers“ in der „Canterbury District League“, der zweithöchsten Spielklasse für Amateure. Das Niveau ist mit Deutschland freilich nicht zu vergleichen, „auf den meisten Fußballplätzen gibt es nicht mal Umkleiden“, sagt er. Häufig wird in Cricketstadien gespielt, „da muss man aufpassen, dass man den Ball nicht in die Mitte spielt, denn da ist der Rasen von den Werfern beim Cricket ausgetreten“.

Die Mannschaft von Enfield bestand außer ihm aus Briten, Italienern, Chinesen, Syrern – sogar ein Nationalspieler von den Fidji-Inseln war dabei. Ramser schätzt es, mit so vielen unterschiedlichen Kulturen in Berührung zu kommen. Es führte mitunter aber auch zu kleineren Differenzen. „Wir hatten einen chinesischen Trainer, der war es aus seiner Heimat gewohnt, dass er etwas sagt, und alle es machen.“ Ramser grinst: „Aber so funktioniert es nicht. Wir haben versucht, ihm beizubringen, dass alles nicht so ernst ist.“ Enfield gewann das Finale 2:1 – und Ramser erzielte nach einer Ecke sogar ein Kopfballtor: „Dabei konnte ich das eigentlich noch nie.“

Die Saison dauert von April bis Oktober – Herbst und Winter in Australien. „Im Sommer wird in der Halle gespielt, weil es draußen viel zu heiß ist“, sagt Ramser. Er holte auch mit seinem Futsal-Team, den „Japaroos“, zwei Titel – im vorigen August riss er sich jedoch das Kreuzband. Deshalb ist jetzt erstmal Fußball-Pause für den IT-Projektleiter.

Sein Leben in Australien kann er trotzdem genießen. „Sydney hat mehr als 100 Strände“, sagt er, „ich gehe regelmäßig schnorcheln.“jab



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