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NDZ-Sportredakteur Jan-Erik Bertram testet neues Selbstverteidigungsangebot des VfB Eimbeckhausen

Allkampf ist gut, Streitigkeiten vermeiden ist besser

Der VfB Eimbeck- hausen hat ein neues Sport- angebot im Programm: Allkampf-Jitsu. Was bedeutet das? Alle kämpfen irgendwie? Kämpfen und alles ist erlaubt? NDZ-Sportredak- teur Jan-Erik Bertram ist neu- gierig geworden und hat beim Training den Selbstversuch gewagt.

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Es geht natürlich ganz gesittet zu. Nach Gürtelfarben, also Können, in drei Reihen aufgestellt, machen wir uns warm. Wir – das sind Trainer Heiko Dahlmann, sechs Schüler und ich. Als absoluter Anfänger stehe ich ganz hinten. Viel länger sind die anderen auch noch nicht dabei. Im Juli hat Dahlmann, der seit acht Jahren Allkampf in Lauenau betreibt, den ersten Workshop in Eimbeckhausen angeboten. Im August begann das regelmäßige Training. Zwei aus der Gruppe, die bislang zwölf Schüler umfasst, haben bereits die erste Gurtprüfung absolviert.

Wir beginnen mit dem eigentlichen Allkampf: Trainer Heiko packt mich am Kragen und fragt: „Wie befreist du dich?“ Ich habe keine Ahnung. In meinem ganzen Leben bin ich noch nicht in die Verlegenheit gekommen, mich gegen derlei Angriffe verteidigen zu müssen. Verteidigung – darum geht‘s. „Dafür suche ich mir das Beste aus allen Kampfsportarten“, erklärt Heiko.

Der Hebel etwa, mit dem ich mich aus seinem Kragen-Griff befreien soll, kommt vom Aikido. Er geht ungefähr so: Ich soll ihm eine Ohrfeige verpassen – ein Schockschlag, um den Gegner abzulenken. Dann soll ich aus der Bewegung heraus sein Handgelenk packen – und zwar so, dass ich es abknicken kann –, seinen Arm herumdrehen und dann mit dem Ellenbogen meines anderen Armes seine Schulter herunterdrücken. Es dauert eine Weile, bis der Griff richtig sitzt. Aber er wirkt ohne großen Kraftaufwand. Und er tut weh, das merke ich, als Heiko ihn mir am eigenen Leib vorführt.

Wir spielen noch einige andere mögliche Angriffe durch: Umklammern von vorne, Würgen, Festhalten der Handgelenke. Immer hat Allkampf eine Technik parat, die die Kraft des Angreifers umlenkt und sie ohne großen eigenen Kraftaufwand gegen ihn richtet. Fast immer geht es mit dem Schockschlag los. Ich deute die Schläge nur an, ist ja alles schließlich nur simuliert. „Hau mal richtig zu“, sagt Heiko und grinst. „Zu locker bringt nix.“ Manche Schüler seien aber auch zu wild, würden zu viel Kraft aufwenden. „Man muss das richtige Maß finden.“

Heiko ist echte Schläge gewohnt. Sieben Jahre lang hat er Kickboxen gemacht, Vollkontakt – man sieht‘s seiner Nase noch an. „Ich bin ruhiger geworden“, sagt der 42-Jährige. Er will seinen Schülern nicht nur beibringen, wie man sich verteidigt, sondern dass man „Streitigkeiten am Besten aus dem Weg geht“.

Eine Weile übe ich auch mit Silvia Reichelt. Die 15-Jährige hat kurz vor Weihnachten ihre Gelbgurtprüfung bestanden. „Ich wollte immer Kampfsport machen“, sagt sie, „aber ich konnte mich zwischen all den Sportarten nicht entscheiden.“ Mit Allkampf hat sie nun die Mischung aus Judo, Taekwondo, Karate, Aikido, Jiu-Jitsu...

Ich lerne vier Techniken, die Heiko immer wieder mit mir wiederholt, während die anderen schon mit Stöcken, Messern und Pistolen üben. „Das ist ungefähr Gelbgurt-Niveau“, sagt der Trainer. Er trägt den braunen Gürtel, zwei Prüfungen noch und er hat den schwarzen. 105 Griffe muss er dafür können, dazu noch diverse Tritte und Hebel. Ich bin froh, wenn ich mir meine vier Griffe merken kann – hoffe aber, dass ich sie weiterhin nicht brauche.

Das Allkampf-Jitsu-Training beim VfB Eimbeckhausen findet donnerstags, 18.45 bis 20 Uhr, in der Grundschulturnhalle statt. Infos bei Heiko Dahlmann, 05042/609659.

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