Trainersuche trotz Titelchance

Die Gratwanderung der Bayern-Bosse: Lob für Tuchel, Pokerface bei Nagelsmann

Im Halbfinale der Champions League: Thomas Tuchel.

So schnell kann sich die Stimmung beim FC Bayern wenden. Nur drei Tage nach der Entthronung in der Bundesliga herrschte in München schon wieder Feierstimmung. Der Einzug ins Halbfinale der Champions League ließ zwar nicht ganz vergessen, dass Bayer Leverkusen völlig enteilt war, doch die Chance auf den Titel in der Königsklasse würde die turbulente Saison in der Retrospektive ein gehöriges Stück weit retten.

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Vorstandschef Jan-Christian Dreesen nannte das Abschneiden auf internationalem Parkett nach dem 1:0-Sieg gegen den FC Arsenal schon jetzt „ganz versöhnlich“ und „sehr wichtig“ für den Klub: „Wir haben immer gesagt, dass die Champions League ein ganz wichtiger Wettbewerb für uns ist. Natürlich ist die Meisterschaft unser Brot-und-Butter-Geschäft und der ehrlichste Titel, den haben wir nicht erreichen können. Umso mehr konzentrieren wir uns jetzt auf die Champions League.“

So könnte es nun dazu kommen, dass man sich im Sommer von einem Trainer trennt, der den Klub zum Champions-League-Titel geführt hat – mindestens schon mal zur ersten Halbfinal-Teilnahme seit vier Jahren. Dafür gab es Lob aus der Chefetage: „Ich finde, Thomas Tuchel hat das heute exzellent gemacht“, sagte Präsident Herbert Hainer und sprach von einer „taktischen Meiserleistung“ des Trainers. „Mazraoui auf links rüberzuziehen und dann mit Guerreiro als Doppel, was wir schon im Hinspiel gesehen haben mit Gnabry, der Davies gegen Saka gut geholfen hat. Das hat hervorragend funktioniert.“ Dreesen konnte da nur zustimmen: „Ich glaube, Herbert Hainer hat Recht.“ Und auch Sportvorstand Max Eberl nannte Tuchels Match-Taktik „einfach schlau“.

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Fast zeitgleich mit dem Sieg gegen Arsenal kursierte dann am Mittwochabend die Info, dass Julian Nagelsmanns Berater Gespräche mit dem FC Bayern über eine mögliche Rückkehr bestätigte. Nach den lobenden Worten für Tuchel hielten sich alle Entscheider des Rekordmeisters zurück, diese auch ihrerseits zu bestätigen – womöglich wissend, dass jede Befeuerung der Spekulationen wieder für unnötige Unruhe auf der Jagd nach dem letzten verbliebenden Titel der Saison sorgen könnte.

„Heute unterhalten wir uns nicht über Trainerfragen“

„Ich kann nicht beurteilen, wann Julian Nagelsmann sich für was entscheiden will. So weit ich weiß, ist der DFB auch interessiert an ihm“, versuchte Hainer das Thema abzuhaken. „Unsere sportliche Leitung mit Max an der Spitze führt mit einigen Trainern Gespräche und am Ende des Tages werden wir sehen, wer am besten von seiner Philosophie und Spielweise zu uns passt. Und dann werden wir uns entscheiden.“ Eberl wollte ebenfalls keinen Namen kommentieren: „Wir werden nichts Überstürztes machen, wir wollen das Bestmögliche für Bayern München.“

In diesen Tenor stimme auch Dreesen mit ein, der lieber den Moment des Erfolgs feiern wollte: „Das ist heute nicht das Thema. Heute unterhalten wir uns nicht über Trainerfragen, sondern freuen uns mit Thomas Tuchel und mit der Mannschaft über den Einzug ins Halbfinale.

Und dieser sei ein Beleg für die Qualität, die in der Mannschaft steckt, in den vergangenen Monaten nur zu selten zum Vorschein kam. „Wir haben keine gute Saison gespielt, das ist klar. Wir sind im Pokal in der zweiten Runde rausgeflogen und in der Liga weit hinten dran. Das ist nicht unser Anspruch“, meinte Hainer und fuhr fort: „Aber diese Mannschaft hat ein unheimliches Potenzial, eine unheimliche Stärke. Und wenn wir die auf den Platz bringen, sind wir eine der besten Mannschaften Europas. Das hat man auch gegen Arsenal gesehen, das ist ja keine Laufkundschaft, gegen die wir da gespielt haben. Wir sind jetzt im Halbfinale und das zeigt die Stärke dieser Mannschaft.“

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Hainer: Kein riesiger Kader-Umbruch im Sommer

Deshalb werde man im Sommer auch nicht alles auf den Kopf stellen, sondern mit Bedacht die Mannschaft ergänzen. „Natürlich werden wir in der neuen Saison schauen, wie wir die Mannshaft weiter verstärken können. Das ist immer unser Anspruch, aber es ist nicht so, dass wir jetzt komplett alles umschmeißen müssen. Wenn man in der Champions League im Halbfinale ist, dann muss man eine gute Mannschaft haben“, so der Klub-Präsident, der in dem Zusammenhang auch auf die Verletztenmisere hinwies: „Wir haben definitiv kein Glück gehabt mit den Verletzungen. Jetzt haben wir innerhalb einer Woche Segre Gnabry und Kingsley Coman verletzt bekommen. Trotzdem haben wir eine gute Bank.“ Bleibt also abzuwarten, wer ab Sommer auf dieser das Sagen hat.