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Die beste Prophylaxe ist nach Angaben von Wissenschaftlern geistige und auch körperliche Aktivität

Sucht im Alter: Angehörige sollten auf Anzeichen achten

Autor:

Julia Kirchner

Viele ältere Menschen in Pflegeheimen sind von Alkohol oder Medikamenten abhängig. In manchen Fällen gibt es dafür Anzeichen, auf die Angehörige bei Besuchen achten sollten: „Dazu gehört bei Alkohol zum Beispiel, wenn immer größere Mengen konsumiert werden. Am Anfang war es nur ein Glas, später ist es dann eine Flasche“, erklärt Michael Klein, Professor am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Rieche die Person außerdem häufig nach Alkohol oder falle durch Entzugserscheinungen wie Händezittern, Schlafprobleme oder Übellaunigkeit auf, sollten Angehörige die Betroffenen darauf ansprechen. Ein Warnsignal sei außerdem, wenn der ältere Mensch bei Besuchen nicht klar wirke und vor sich hindämmere.

Am besten sei es, im Gespräch seine subjektive Sicht zu schildern: „Ich mache mir Sorgen um dich, ich merke, du bist manchmal nicht richtig ansprechbar“, rät Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Bei den eingenommenen Medikamenten sollten Angehörige versuchen zu hinterfragen, ob sie wirklich nötig seien. Im Zweifelsfall sollten sie sich an den Hausarzt oder an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung wenden, empfiehlt Suchtexperte Klein. Sie könnten abklären, um welche Mittel es sich handele. Man müsse zwischen Beruhigungs- und Schmerzmedikamenten unterscheiden: „Bei Tranquilizern gibt es für eine Dauerverschreibung keine medizinische Indikation.“ Angehörige sollten darauf achten, dass Ältere diese Mittel höchstens vier bis sechs Wochen einnehmen. Anders sei es bei Schmerzmitteln, die Ältere häufig wegen bestimmter Erkrankungen nehmen müssten. Zu der Pille aus der Packung gebe es aber manchmal Alternativen: „Man muss sich anschauen: Was ist das für eine Erkrankung? Kann man die Beschwerden auch durch Physiotherapie in den Griff kriegen?“, erläutert Klein. Er empfehle, am besten einen Schmerzmediziner hinzuziehen. Der könne den Patienten auf die richtige Dosierung einstellen. Die beste Prophylaxe gegen Sucht sei sowohl geistige als auch körperliche Aktivität. Dazu könnten sich Angehörige das Angebot des Heims anschauen: „Gibt es beispielsweise Ergotherapie oder andere Bewegungsformen?“, sagt Klein. Diese Formen der Stimulanz seien wichtig. Die Praxis sehe aber häufig anders aus: Zu wenig Personal und zu wenig Zeit führten dazu, dass den Älteren ruhigstellende Mittel verordnet würden. Laut einer repräsentativen Umfrage, auf die sich das Bundesgesundheitsministerium bezieht, leben in vier von fünf stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen Menschen mit Suchtproblemen. Dabei geht es vor allem um Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit.




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