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Krankenhaus-Chronik: Vergeblich gewehrt

SPRINGE. Zehn Jahre zuvor hatten sie schon einmal auf der Straße gestanden und protestiert gegen dieses Schreckgespenst: die Schließung des Springer Krankenhauses. Was Stadt, Politik und Bürger damals abwenden konnten, ist inzwischen Fakt: Das Klinikum ist zu. Was bisher geschah – und wie es weitergeht.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Es ist der 16. Dezember 2014. Und Jörg-Roger Hische will noch mal seinen ganzen Ärger loswerden. Der damalige Springer Bürgermeister steht vor den Abgeordneten der Regionsversammlung in Hannover. Und appelliert an das Gewissen der Politiker. Insgeheim mag er da schon wissen, dass der wochenlange Kampf verloren ist.

All die Proteste, wütenden Briefe, die NDZ-Postkartenaktion, an der sich Tausende beteiligen. Wenige Minuten nach Hisches Ansprache beschließt die Koalition aus SPD und Grünen mehrheitlich die „Medizinstrategie 2020“. Und damit die Schließung des Springer Krankenhauses.

In den nächsten Monaten erlebt der Standort einen schleichenden Tod, ein Dahinsiechen: Nach und nach werden Abteilungen geschlossen, Mitarbeiter hin- und hergeschoben zwischen den Häusern in Springe und Gehrden. Letzterer Standort übernimmt auch den Großteil der Betten aus Springe – und hofft gleichzeitig auf den Großteil der Patienten von dort.

Am 15. September 2015 gehen dann die Lichter aus im Krankenhaus: Die NDZ verabschiedet per Bericht den letzten Patienten, protokolliert die letzten Umzugsfahrten und die letzten verstohlenen Tränen.

Am Standort bleibt die 24-Stunden-Notfallambulanz, mit der die Springer erst mal nicht so recht warm werden: Vielen ist nicht klar, wann sie behandelt – und wann sie weggeschickt werden. Aus der Politik wird Kritik laut an der mangelnden Öffentlichkeitsarbeit für die Ambulanz. Nach der Kommunalwahl will die neue SPD-CDU-Koalition in der Region nachbessern.

Und sonst? Zwischenzeitliche Pläne, das Gebäude als Landes-Notaufnahme für Flüchtlinge zu nutzen, zerschlagen sich: Der Bedarf nach Unterkünften sinkt wieder, Springe wird erst zur stillen Reserve, dann lösen Land und Regionsklinikum den Vertrag wieder auf. Interessenten an einer (meist medizinischen) Nachnutzung kommen und gehen. Konkret wird nie etwas.

Eins ist inzwischen fast sicher: Ein Krankenhaus unter einem anderen Betreiber wird es an dem Standort wohl nicht geben. Denn das Regionsklinikum selbst setzt darauf, die Springer Patienten nach Gehrden oder andere eigene Standorte zu locken. Und würde sich im eigenen Gebäude – oder per Verkauf – keine Konkurrenz machen wollen. Gespräche über die Zukunft der Notfallambulanz laufen; denkbar ist ein Medizinisches Versorgungszentrum, das auch niedergelassene Ärzte einbindet. Die hatten zuletzt signalisiert, sich einen Umzug ins Krankenhausgebäude nicht so recht vorstellen können.



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