Friedhof der Kreuzfahrtschiffe: An diesen Orten landen alte Ozeanriesen
Während die Premierenfahrt eines neuen Kreuzfahrtschiffes meist ordentlich gefeiert wird, verläuft seine letzte Reise eher still und unbemerkt. Einige Reedereien organisieren für besonders beliebte Schiffe noch eine Abschiedstour, doch dann verschwinden auch sie aus der Flotte.
Werden sie nicht von anderen Schiffseignern übernommen, geht es für die ausgemusterten Ozeanriesen auf direktem Kurs zu einem der riesigen schwimmenden Schiffsfriedhöfe. Nach Daten der belgischen „NGO Shipbreaking Platform” wurden im vergangenen Jahr 409 verschrottet.
Seit der Corona-Pandemie waren auch vermehrt Kreuzfahrtschiffe darunter zu finden. Sie hatte die milliardenschwere Kreuzfahrtindustrie in die Krise gestürzt. Um Kosten zu vermeiden, waren Reedereien gezwungen, sich gänzlich aus der Branche zurückzuziehen oder Schiffe früher als geplant auszumustern.
Die größten Abwrackplätze für Schiffe
Der größte Schiffsabwrackplatz der Welt befindet sich in Indien, genauer in Alang im Bundesstaat Gujarat. Dort werden Schiffe direkt an den Strand gefahren und dort von Arbeitern manuell zerlegt. Dieses sogenannte „Beaching“ findet auch am Abwrackstrand von Chattogram in Bangladesh statt.
Die Ozeanriesen werden innerhalb von sechs bis neun Monaten zerlegt und Einbauten, Elektrik sowie das gewonnene Altmetall werden zu Geld gemacht.
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Zur vollständigen AnsichtEiner der größten und bekanntesten europäischen Standorte ist der Abwrackhafen im türkischen Aliaga, knapp 50 Kilometer nördlich von Izmir. Durch die Corona-Pandemie hatte er einen regelrechten Aufschwung erlebt: Füllten bis dahin nur die Verschrottung von Fracht- und Containerschiffen die Auftragsbücher, kamen seit 2020 auch immer wieder ausgemusterte Kreuzfahrtschiffe hinzu.
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Zur vollständigen AnsichtLaut eines Berichtes des Branchenportals „Cruise Critics“ wurden bereits wenige Monate nach Beginn der Pandemie die ersten Kreuzfahrtriesen zu den Recyclinghöfen geschickt, neun Schiffe waren es 2020. Im Jahr 2021 stieg die Zahl auf elf, 2022 auf 15. Zum Vergleich: 2019, also vor der Pandemie, war es nur ein einziges Kreuzfahrtschiff, das zum Abwracken verkauft wurde.
Das führte zu beeindruckenden Fotos von regelrechten Kreuzfahrtschiff-Friedhöfen.
Zuletzt ging die Anzahl der abgewrackten Ozeanriesen wieder zurück. Im Jahr 2024 wurden unter anderem die Kreuzfahrtschiffe „American Countess“, „American Duchess“ und „American Queen“ verschrottet.
Berühmte „MS Astoria“ abgewrackt
Im Jahr 2025 hatte zuletzt Mitte Juli 2025 die „MS Astoria“ der US-amerikanischen Reederei Carnival Cruise Line Kurs auf den Seehafen Gent in Belgien genommen – mit dem Ziel der Verschrottung. Die „MS Astoria“ war das älteste Kreuzfahrtschiff der Welt und hatte eine bewegte Geschichte.
Schlechte Arbeitsbedingungen, verseuchtes Meer
Während das Geschäft mit den ausrangierten Schiffen für die Werftbesitzer lukrativ ist, ist es für die Arbeiter in Südasien oftmals lebensgefährlich. Die Shipbreaking Platform kritisiert seit Jahren die Arbeitsbedingungen vor allem in Bangladesch, Indien und Pakistan. Der NGO zufolge sind allein 2024 neun Menschen bei der Schiffsabwrackung in Südasien ums Leben gekommen, weitere 45 wurden verletzt.
Einer der schwersten Unfälle ereignete sich am Strand von Chattogram in Bangladesch. Bei der Demontage eines Öltankers forderte eine gewaltige Explosion sechs Todesopfer, sechs weitere Menschen wurden verletzt.
Hinzu kommt die Umweltverschmutzung: Die einst saubere Meeresküste in Alang und Chittagong ist von Asbest, Schwermetallen und Ölen kontaminiert. Auch im türkischen Aliaga ist das immer wieder Thema. Im Jahr 2022 demonstrierten hunderte Menschen gegen Pläne, den mit Asbest und Schwermetallen beladenen Frachter „São Paulo“ in dem Ort an der Ägäis abzuwracken.
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