Mit Speiseresten: Erste klimaneutrale Hurtigruten-Kreuzfahrt startet
Rund 35 Millionen Menschen haben 2024 eine Kreuzfahrt unternommen, Tendenz steigend. Trotzdem hat die Branche mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen, denn Kreuzfahrtschiffe gelten als Inbegriff der Klimasünder und des Overtourism.
Das jährliche Kreuzfahrt-Ranking des Naturschutzbund Deutschland kommt zu dem Schluss, dass viele Reedereien immer noch deutlich zu wenig in neue Technologien und alternative Antriebsstoffe investieren. Einer der Kreuzfahrtanbieter, die im Ranking des Nabu besser bewertet werden, ist die norwegische Reederei Hurtigruten.
Da überrascht es nicht, dass noch im Oktober 2025 ein Kreuzfahrtschiff von Hurtigruten in See stechen soll, das ausschließlich mit Speiseresten betrieben wird. Wie das funktioniert, wo das Schiff unterwegs sein wird und was Reisende auf der „Richard With“ erwartet.
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Batteriebetriebenes Hybridschiff „Richard With“ fährt entlang der norwegischen Küste
Das klimaneutrale Kreuzfahrtschiff startet am 29. Oktober in Bergen und fährt die typische Postschiff-Route von Hurtigruten entlang der Küste bis nach Kirkenes. Das Außergewöhnliche? Auf der rund 4000 Kilometer langen Reise werden die Tanks des Schiffes ausschließlich mit dem Biokraftstoff HVO 100 (Hydrotreated Vegetable Oil) gefüllt sein, wie Hurtigruten erklärt. Der Kraftstoff wird auf Basis von Speiseabfällen gewonnen. Es ist die erste komplett klimaneutrale Kreuzfahrt auf dieser Route. Wenn das Schiff im Hafen anlegt, soll Landstrom benutzt werden – auch das sorgt für eine geringere Umweltbelastung.
„Unsere Schiffe fahren bereits mit Biokraftstoffbeimischung, aber zum ersten Mal werden wir die gesamte Fahrt mit 100 Prozent fortschrittlichem Biokraftstoff durchführen“, freut sich die Hurtigruten-Geschäftsführerin Hedda Felin auf den Start der „Richard With“. „Unsere langfristige Vision ist es, bis 2030 im Normalbetrieb völlig emissionsfrei fahren zu können. Fortschrittliche Biokraftstoffe ermöglichen es, mit unserer bestehenden Flotte erhebliche Emissionseinsparungen zu erzielen.“
Statt immer wieder neue Kreuzfahrtschiffe zu bauen, hofft Hurtigruten laut Felin, mit der Technologie bestehende Schiffe klimaneutraler zu machen. Dafür habe die Reederei in den letzten Jahren mehr als 100 Millionen Euro in die Modernisierung der Flotte gesteckt.
Das erwartet Reisende auf der „Richard With“ von Hurtigruten
Die Kreuzfahrtschiffe von Hurtigruten sind keine schwimmenden Freizeitparks, wie das bei anderen Reedereien teilweise der Fall ist. Die „Richard With“ ist nach dem gleichnamigen Kapitän benannt, der im Jahr 1893 die klassische Postschiff-Route entlang der norwegischen Küste entwickelte. Landschaftsbeobachtungen und kulturelle Erlebnisse spielen auf den Kreuzfahrten von Hurtigruten eine große Rolle.
Das Schiff ist mit mehreren Restaurants ausgestattet, es gibt eine Sauna und einen Fitnessraum sowie eine Panoramalounge. Außerdem gibt es Konferenzräume, in denen Vorträge und Informationsveranstaltungen der Expeditionsteams stattfinden. Im Außenbereich des Schiffes gibt es zwei beheizte Whirlpools.
Projekt „Sea Zero“: Hurtigruten will komplett emissionsfreies Kreuzfahrtschiff
Neben der Modernisierung der bestehenden Flotte will Hurtigruten auch neue Schiffe bauen, die mit 40 bis 50 Prozent weniger Energiebedarf unterwegs seien, erklärt Hedda Felin. Das sei Teil des Projektes „Sea Zero“, dessen Ziel es ist, bis 2030 ein erstes Schiff mit Null-Emission-Antrieb auf die Postschiff-Route zu schicken. Dabei sollen Segel, Luftschmierung des Rumpfes, effizientere Bauweise und gegenläufige Propeller zum Einsatz kommen.
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Zur vollständigen AnsichtKlimaneutrale Kreuzfahrten von anderen Anbietern
Neben Hurtigruten plant auch die norwegische Reederei Havila, mithilfe von Biogas und größeren Batteriepacks eine klimaneutrale Kreuzfahrt anzubieten. Bereits 2023 war die „MSC Euribia“ auf einer fünftägigen Fahrt klimaneutral unterwegs.
Die „Sylvia Earle“ von AE Expeditions war im Mai 2025 auf einer klimaneutralen Kreuzfahrt um Spanien – dabei kam ebenfalls der von Hurtigruten verwendete Kraftstoff HVO zum Einsatz.
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