Handwerkspräsident: Auf dem Land lieber Führerscheinzuschuss als Deutschlandticket
Berlin. Gegen die mangelnde Anbindung vieler ländlicher Orte an Angebote des öffentlichen Nahverkehrs schafft nach Einschätzung von Handwerkspräsident Jörg Dittrich auch das Deutschlandticket keine große Abhilfe. „Leuten auf dem Land zu sagen ‚Kauft Euch ein Deutschlandticket‘, das verfängt dort nicht. Denn dort fährt oft kein Bus mehr, wenn er gebraucht wird, etwa ganz früh am Morgen, wenn man zur Baustelle oder zum Ausbildungsplatz kommen will“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Stattdessen bleibe die individuelle Mobilität zentral. „Dem Azubi im ländlichen Raum wäre mehr geholfen, wenn er einen Zuschuss für den Führerschein bekommt.“
Forderung nach weiteren Gesetzesbeschlüssen
Dittrich kritisierte, in der Politik würden die spezifischen Probleme und Bedürfnisse der Menschen auf dem Land zu wenig wahrgenommen. Auch die Diskussion über das Lastenfahrrad möge im städtischen Bereich in Kombination mit dem öffentlichen Personennahverkehr eine wichtige Rolle spielen. „Aber von Weißwasser kommt man damit nicht nach Dresden, geschweige denn können Betriebe ihre Materialien und Werkzeuge damit transportieren“, sagte Dittrich, der auch Präsident des Sächsischen Handwerkstages ist.
Der gelernte Dachdecker rief die rot-grüne Minderheitsregierung und die Opposition auf, noch vor der Bundestagswahl im Februar eine Reihe von Gesetzen im Bundestag zu beschließen. Konkret nannte er das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, das Strom- und Energiesteuergesetz, den Abbau der kalten Progression, die Baurechtsnovelle, das Schornsteinfegergesetz und das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz.
Klimaziele contra Wettbewerbsfähigkeit
Angesichts hoher Energiepreise und der wirtschaftlichen Lage zeigte sich der Handwerkspräsident skeptisch gegenüber den derzeitigen Klimazielen. Man müsse sich fragen, ob man auf dem eingeschlagenen Pfad der Dekarbonisierung bleiben und dabei die Wettbewerbsfähigkeit erhalten könne. Die Industrie gebe derzeit die Antwort: „Es wird nicht investiert, und Produktionen werden ins Ausland verlagert.“
Auf die Frage, ob er für eine Verschiebung der Klimaziele sei, antwortete Dittrich: „Wir sind aktuell nicht wettbewerbsfähig. Und wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen, werden wir einen geringeren Beitrag zum Klimaschutz leisten können, als notwendig wäre.“
RND/dpa/janp