Ein zweifelhafter Erfolg
Diesmal setzte Israel nicht auf wenige Gramm Sprengstoff in frisierten Pagern oder Funkgeräten, sondern offenbar auf bunkerbrechende Bomben. Und diese trafen ihr Ziel: Nach Angaben der israelischen Armee starb Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah bei dem massiven Angriff. Damit hat Israel der Schiiten-Miliz nicht einfach nur einen weiteren Schlag versetzt. Vielmehr haben das Militär und die Geheimdienste ihren bisher wohl größten Erfolg erzielt.
Schließlich hat der charismatische Führer die Hisbollah zur mächtigsten politischen und militärischen Kraft im Libanon ausgebaut – in enger Zusammenarbeit mit dem Iran. Er war das unbestrittene Machtzentrum der Hisbollah, geachtet von seinen Anhängern.
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Zur vollständigen AnsichtEine Umdrehung zu viel
Doch zu welchem Preis wurde dieser Mann getötet? Aus Sicht der Israelis mag die Aktion gerechtfertigt erscheinen. Sie haben die Hisbollah in Verdacht, es der Hamas gleichtun zu wollen, die am 7. Oktober 2023 das Land brutal überfallen hat. Möglicherweise ist es jedoch genau diese Umdrehung in der Eskalationsspirale zu viel, die den Konflikt außer jede Kontrolle geraten lässt. Die Hisbollah-Führung mag enorm geschwächt sein, doch noch immer verfügt die Organisation über ein massives Waffenarsenal mit weitreichenden Raketen, die sie gegen Israel einsetzen können. Wer das Gefühl hat, nichts mehr verlieren zu können, ist ein extrem gefährlicher Gegner.
Und die Hisbollah-Schutzmacht Iran könnte sich nach der Tötung ihres Statthalters gezwungen sehen, nicht mehr nur mit einzelnen Raketenangriffen zu reagieren, sondern mit einem massiven Gegenschlag. Dann besteht die Gefahr eines großen Kriegs im Nahen Osten, der auch Israel schaden würde, wo es durch den Hamas-Überfall schon genug Opfer zu beklagen gibt. Dass die Tötung von Nasrallah Frieden in der Region bringt, ist jedenfalls nicht zu erwarten.