Einnahme oder „graue Zone“?

Widersprüchliche Angaben über umkämpfte Frontabschnitte im Südosten der Ukraine

Ein Bild der Zerstörung offenbart sich in vielen Gebieten der umkämpften Region Donezk (Archivbild).

Kiew. Über die Lage an umkämpften Frontabschnitten im Südosten der Ukraine haben beide Seiten am Sonntag sich widersprechende Angaben gemacht. Die ukrainischen Streitkräfte meldeten die Einnahme eines kleinen Dorfes rund 40 Kilometer südwestlich der Gebietshauptstadt Donezk, das an der Bahnstrecke von dort zur Hafenstadt Mariupol liegt. Der russische Statthalter in der Nachbarregion Saporischschja, Wladimir Rogow, sprach dagegen von „grauen Zonen“ in beiden Regionen, in denen unklar sei, wer dort die Kontrolle habe.

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Der Gouverneur der südukrainischen Region Cherson, Oleksandr Prokudin, teilte auf Telegram mit, russische Truppen hätten in einem nach dem Staudammbruch überfluteten Gebiet am Dnipro ein Boot mit evakuierten Menschen beschossen; drei Personen seien getötet und zehn weitere verletzt worden.

Die 68. Separate Jagdbrigade der ukrainischen Streitkräfte veröffentlichte auf Facebook ein Video, das Soldaten beim Hissen der ukrainischen Flagge auf einem beschädigten Gebäude zeigt, das sich nach ihren Angaben im Dorf Blahodatne befindet. Das ukrainische Heer bestätigte in einer separaten Mitteilung die Einnahme des Dorfes.

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Nach Angaben eines Sprechers der Brigade, Myroslaw Semenjuk, wurden sechs russische Soldaten gefangen genommen. „Der Feind beschießt uns weiter, aber das wird uns nicht aufhalten“ sagte er der Nachrichtenagentur AP. „Das nächste Dorf, das wir zurückerobern wollen, ist Uroshajne. Danach werden wir weiter nach Süden gehen.“

Vizeverteidigungsministerin: Ukrainische Truppen bis zu anderthalb Kilometer vorgerückt

Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar berichtete, die ukrainischen Truppen seien in dem Gebiet bis zu anderthalb Kilometer vorgerückt und hätten noch ein weiteres Dorf, Makariwka, unter ihre Kontrolle gebracht.

Rogow sagte hingegen, Blahodatne liege wie auch zwei Dörfer in Saporischschja in einer „grauen Zone“, in der unklar sei, wer dort die Kontrolle habe. Ein anderes Dorf in Donezk hätten russische Truppen nach kurzer Zeit wieder zurückerobert. „Die Situation ist in der Entwicklung“, schrieb er auf Telegram. „Keine besonderen Vorkommnisse.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte am Samstag Gegenangriffe ebenso wie „defensive Aktionen“. Entlang der Front gebe es intensive Kämpfe, sagte er bei einer Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau.

Rätsel um ukrainische Gegenoffensive

Selenskyj antwortete auf eine Reporterfrage zu einer Äußerung des russischen Präsidenten Wladimir Putin vom Freitag, wonach die ukrainische Gegenoffensive begonnen habe und die ukrainischen Truppen „bedeutende Verluste“ erlitten. Selenskyj sagte dazu, „die gegenoffensiven, defensiven Aktionen“ in der Ukraine fänden statt. „Ich werde nicht darüber sprechen, in welchen Stadium oder in welcher Phase sie sind“, fügte er hinzu.

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Er stehe täglich in Kontakt mit den Kommandeuren an unterschiedlichen Orten. „Alle sind positiv“ gestimmt. „Gebt das an Putin weiter.“

Eine ukrainische Gegenoffensive wird seit Langem erwartet. Mehrere westliche Militärexperten und -expertinnen vermuten, dass diese Offensive bereits im Gang ist, die ukrainische Führung hat das aber bisher nicht bestätigt. Die Formulierung von gegenoffensiven und defensiven Operationen nutzen ukrainische Kommandeure in der heftig umkämpften Stadt Bachmut seit Monaten.

RND/AP