Emotionales Wiedersehen zwischen Ex-Hamas-Geisel und Familie
Tel Aviv. Der am Abend aus Hamas-Geiselhaft freigelassene Edan Alexander hat erstmals nach anderthalb Jahren seine Familie wiedergesehen. Auf von Israels Armee und Regierung verbreiteten Aufnahmen ist zu sehen, wie der 21-Jährige und seine Mutter Yael einander in die Arme fallen. Die Mutter schreit zunächst vor Freude, schließlich weinen beide. Anschließend ist er lächelnd in einer Umarmung mit seinem Vater Adi und seinen Geschwistern zu sehen. Seinem Bruder und seiner Schwester küsst er bei dem emotionalen Wiedersehen auf einem Militärstützpunkt in Israel auf die Stirn.
Der 21-Jährige wurde anschließend per Helikopter in eine Klinik geflogen. Dort soll der amerikanisch-israelische Doppelstaatler inzwischen angekommen sein. Auf dem Weg dorthin zeigte er eine Tafel mit der Aufschrift „Danke, Präsident Trump!!!“. Die Freilassung gilt als Geste gegenüber den USA. Die islamistische Hamas will auf diese Weise erreichen, dass US-Präsident Donald Trump Druck auf Israels Regierung ausübt, damit ein Gaza-Abkommen, das auch ein dauerhaftes Ende des Kriegs vorsieht, zustande kommt.
Alexander ist israelischen Medien zufolge den Umständen entsprechend in gutem Zustand. Ihm gehe es gut, zitierte die Nachrichtenseite „ynet“ seine Großmutter Varda Ben Baruch. Auch andere Medien meldeten, ihm gehe es in Ordnung. Berichten zufolge soll er bei der Freilassung aber Hilfe beim Gehen gebraucht haben.
Terroristen hatten den Soldaten am 7. Oktober 2023 an einem israelischen Wachposten in der Nähe des Gazastreifens entführt. Er ist der erste männliche Soldat, der seitdem lebend aus der Geiselhaft der Hamas entlassen wurde.
Treffen mit Donald Trump?
Nach seiner Freilassung könnte Alexander zu einem Treffen mit US-Präsident Trump nach Katar reisen. Dies berichteten mehrere israelische Medien unter Berufung auf Alexanders Familie. Dies gilt aber offenbar nur, sofern sein Gesundheitszustand dies erlaubt.
Die islamistische Hamas hatte die Freilassung des Soldaten am Sonntag angekündigt. Es habe dazu in den vergangenen Tagen Gespräche mit den USA gegeben. Die Freilassung sei Teil der Bemühungen der Islamisten, ein Gaza-Abkommen zu erreichen.
Israel will Angriffe verschärfen
Trump sprach von einer „monumentalen Neuigkeit“ und Geste des Entgegenkommens gegenüber den USA und den anderen beiden Vermittlern Katar und Ägypten. Trump will diese Woche eine mehrtägige Nahost-Reise antreten – ohne Stopp in Israel.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, die USA hätten Israel gesagt, dass dieser Schritt voraussichtlich zu Verhandlungen über einen früheren Vorschlag des US-Sondergesandten Steve Witkoff führen werde, den Israel schon akzeptiert habe.
Witkoffs Vorschlag sieht die Freilassung aller im Gazastreifen verbliebenen Entführten und Leichen von Geiseln in zwei Etappen vor – mit einer längeren Waffenruhe dazwischen. Die Hamas besteht jedoch auf einer Verpflichtung Israels zu einem vollständigen Ende des Krieges. Israel plant aber auch nach der Freilassung des jungen Mannes eine Verschärfung der Angriffe im Gazastreifen.
Israelischen Angaben zufolge werden nun noch 20 lebende Geiseln festgehalten, bei drei weiteren Verschleppten sei der Status derzeit unklar. Dazu kommen die Leichen von 35 Entführten. Unter den Toten sind noch mehrere Personen mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft.
RND/dpa