„Ignorieren geht nicht mehr“ - Die CDU sucht nach einer neuen AfD-Strategie
Eigentlich hat Friedrich Merz jede Menge andere Sorgen. Doch wenn sich der Kanzler und CDU-Chef am Sonntag mit den Spitzenleuten seiner Partei zu einer Klausurtagung zurückzieht, steht ein Thema im Zentrum: der Umgang mit der AfD.
Manche aus dem Parteipräsidium hatten nicht groß rumposaunen wollen, dass sie sich derart viel Zeit für die Konkurrenz von rechts nehmen. Doch Merz berichtete in einem MDR-Interview ausführlich über die Klausur. „Ignorieren geht nicht mehr“, sagte er da. „Wir werden uns mit der AfD in der Sache sehr viel härter auseinandersetzen und der Bevölkerung sagen, wo die Unterschiede liegen.“
Lange vor seinem Start als Parteichef und Kanzler hatte Merz das inzwischen berüchtigte Ziel ausgegeben: „Wir können wieder bis zu 40 Prozent erzielen und die AfD halbieren. Das geht.“ Ging nicht. Im Gegenteil. Seitdem Merz Kanzler ist, ging es für die AfD weiter nach oben – trotz einer verschärften Migrationspolitik der Regierung.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtDie Union liegt im Bund bei Werten um 25 Prozent. In mehreren Umfragen zog die AfD mit der Union gleich oder an ihr vorbei. In Sachsen-Anhalt, wo 2026 gewählt wird, liegt die AfD in Umfragen weit vor der CDU. Bei der Kommunalwahl in NRW zeigte sich zwar, dass von dem selbst beschworenen Durchmarsch der AfD im Westen keine Rede sein kann. Aber im Osten ist die Lage anders. Und in der CDU geht Ratlosigkeit um.
Es gibt die einen, die meinen, die CDU dürfe der AfD nicht so viel Aufmerksamkeit schenken - das stärke sie nur. Und es gibt die anderen, die meinen, die CDU müsse sich inhaltlich viel mehr mit der AfD reiben.
Aus der Deckung wagen sich einzelne frühere Unions-Politiker. Ex-CDU-Generalsekretär Peter Tauber und der einstige Vorsitzende der CDU-Grundwertekommission, Andreas Rödder, machen sich im „Stern“ für eine Abkehr von der Brandmauer gegen die AfD stark. Bei Rödder ist das kaum überraschend, bei Tauber eher schon. Die Union sollte aus Taubers Sicht „über eine neue Politik der roten Linien nachdenken, die es dann aber auch erlaubt, Beschlüsse zu fassen, denen die AfD zustimmt“. Prominente aus dem liberalen CDU-Flügel widersprechen vehement und verweisen darauf, dass die AfD in Teilen klar extremistisch sei und es keine Zusammenarbeit geben könne.
Auch Merz betont das. Aber wo fängt Zusammenarbeit an? Der Kanzler sagte im MDR-Interview, wenn in Kommunen „über Kindergärten oder Straßenführungen“ entschieden werde, sei das keine Zusammenarbeit, sondern „eine pragmatische Entscheidung vor Ort“. In Landtagen oder im Bundestag komme eine Kooperation nicht in Frage. Das muss er mit seinen Parteikollegen noch ausdiskutieren.