OnlyFans wird in Schweden stark eingeschränkt
Für die einen ist es pure Selbstbestimmung, für die anderen ein weiterer Ort, an dem Frauen sexualisiert werden: OnlyFans. Die Plattform ist seit der Corona-Pandemie ein geflügeltes Wort für Online-Pornografie. Auf OnlyFans können Creatorinnen und Creator explizite Fotos und Videos gegen Geld hochladen. Wer diese Inhalte sehen will, muss ein Abo abschließen oder für jeden Inhalt einzeln zahlen. Ein durchschnittliches Abo liegt bei 14 US-Dollar im Monat.
Viel Geld, das schwedischen Creatorinnen und Creatorn künftig fehlen könnte. Denn die Regierung will ab Juni den Kauf von Videos auf OnlyFans und ähnlichen Plattformen kriminalisieren. So sieht ein Gesetzesentwurf eine Gefängnisstrafe für all diejenigen vor, die für Videos oder Fotos bezahlen. Die Betreiber der Plattform könnten zudem wegen Zuhälterei belangt werden. So sollen die Frauen besser geschützt werden, erklärte die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Ulf Kristersson. Zudem heißt es in dem Gesetzesentwurf: „Die Verbrechensbezeichnung für sexuelle Dienstleistungen (…) soll auch auf Handlungen ausgeweitet werden, die über Distanz, ohne Kontakt ausgeübt werden.“
Schutz vor digitaler Gewalt: Schritt in die richtige Richtung?
Ein Vorhaben, das von Frauenrechtsorganisationen in Schweden begrüßt wird. Meghan Donevan von der Organisation Talita hält es für einen „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Denn: „Viele hatten den Eindruck, dass digitale Gewalt nicht so schwerwiegend ist, wie Offline-Gewalt“, sagte Donevan im Interview mit dem schwedischen Fernsehsender „TV4″. Vor allem Frauen, die dort pornografische Inhalte anbieten, würden darunter leiden. Einige von ihnen würden sexuell belästigt oder Opfer von Stalking.
Moderner Feminismus oder sexuelle Ausbeutung? Was Sie über Onlyfans wissen müssen
Die Marke Onlyfans steht heute als Synonym für Erotikinhalte – und für selbstbestimmte Sexarbeit. Zudem locken riesige Geldbeträge, zuletzt prahlte Laura Müller damit. Ein genauerer Blick jedoch zeigt: Ganz so frei, wie sie behaupten, sind viele Models nicht.
„Ich denke, es ist wichtig, sich nicht nur auf die Opfer zu konzentrieren, sondern auch darauf, was es mit den Männern in unserer Gesellschaft macht, die meinen, sie hätten das Recht, den Körper eines anderen zu kaufen“, sagt Donevan weiter. Das gelte vor allem für junge Menschen, die so Frauen als weniger wert ansehen könnten.
Creatorinnen wehren sich
Dem widersprechen einige schwedische Creatorinnen. „Das Gesetz birgt die Gefahr, diejenigen hart zu treffen, die die traditionelle Sexindustrie zugunsten einer sichereren und kontrollierteren Arbeitsumgebung verlassen haben“, sagt Sanna Zentio gegenüber „TV4″. Die Schwedin verdient mit OnlyFans ihren Lebensunterhalt. 80 Prozent der Einnahmen, die sie auf der Plattform erzielt, gehen direkt an sie. 20 Prozent behält OnlyFans ein. Zentio sei schockiert und besorgt wegen des Gesetzesentwurfs. „Es scheint, als ob die Politik nicht versteht, wie wir arbeiten und was wir tatsächlich tun.“
Der Sozialdemokratin Annika Strandhäll geht der Entwurf nicht weit genug. Sie fordert, OnlyFans in Schweden komplett zu verbieten. „Prostitution beziehungsweise Sexhandel nimmt ständig neue Formen an und es ist wichtig, dass Politiker und Gesetzgeber mit den aktuellen Entwicklungen Schritt halten“, sagte Strandhäll der schwedischen Boulevardzeitung „Expressen“. Wer die Seite zudem besuchen will, solle sich vorher digital ausweisen. Die Altersbeschränkung solle am besten für alle Pornoseiten gelten.
Doch das künftige Gesetz könnte ein Schlupfloch haben: Wenn Creatorinnen und Creator ihre Inhalte ins Ausland verkaufen, ist das nicht verboten. Der Kauf sexueller Dienstleistungen bleibt also weiter möglich.