„Adolescence“: Britischer Premier will Serie an Schulen zeigen
London. Großbritanniens Premierminister Keir Starmer will die Netflix-Serie „Adolescence“ an den Mittelschulen des Landes zeigen lassen. Es falle ihm schwer, die beklemmende Mini-Serie mit seiner eigenen 14-jährigen Tochter und seinem 16-jährigen Sohn anzuschauen, sagte er. Aber wenn man sie an Schulen zeige, könne das den Schülerinnen und Schülern helfen, die Auswirkungen von Frauenfeindlichkeit, Gefahren der Online-Radikalisierung und die Bedeutung gesunder Beziehungen besser zu verstehen, teilte sein Büro am Montag in London mit.
Die in England gedrehte Serie behandelt die Hintergründe und Folgen der Festnahme eines 13-Jährigen, der ein Mädchen aus seiner Schule erstochen haben soll. Ausführlich kommen dabei auch Probleme wie Frauenhass und Mobbing im Internet zur Sprache – sowie die Tatsache, dass Jugendliche über ihre Smartphones weitgehend ungehinderten Zugang zu pornografischen und frauenverachtenden Inhalten etwa von Influencern wie Andrew Tate haben. Bereits mehr als 66 Millionen Menschen haben die aus vier Folgen bestehende und in aufwendigen Einzeleinstellungen gedrehte Serie bisher gesehen.
„Übersteigt unsere Erwartungen“
Starmer traf am Montag die Macher und unterhielt sich mit ihnen über den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gefährlichen Inhalten in den sozialen Medien. Wie sein Büro mitteilte, unterstützt der Premier eine Initiative des Streaming-Portals Netflix, die Serie gratis an Mittelschulen im ganzen Land zu zeigen, damit möglichst viele sie sehen könnten.
Weltweiter Streaming-Hit über männlichen Zorn: In „Adolescence“ wird ein 13-Jähriger zum Mörder
Der 13-jährige Jamie bestreitet, seine Mitschülerin Katie erstochen zu haben, aber die Beweislage ist erdrückend. Wirkliche Fälle inspirierten Autor und Darsteller Stephen Graham. Wer aber bei „Adolescence“ einen klassischen Thriller erwartet, stößt stattdessen auf ein Drama über das mörderische Potenzial des Maskulinen. 66 Millionen wollten die Serie in den ersten Tagen sehen.
Jack Thorne, einer der Autoren von „Adolescence“, sagte, man habe eine Konversation anstoßen wollen: „Die Möglichkeit, dies in die Schulen zu bringen, übersteigt unsere Erwartungen. Wir hoffen, dass es dazu führt, dass die Lehrer mit den Schülern sprechen. Aber was wir wirklich hoffen, ist, dass es dazu führt, dass die Schüler untereinander sprechen.“
Diskussionen anstoßen
Stephen Graham, einer der Autoren des Dramas, der auch die Rolle des Vaters des Jungen spielt, sagte der Nachrichtenagentur AP kürzlich, er habe das scheinbar gewöhnliche Leben des Angeklagten in den Mittelpunkt der Erzählung stellen wollen.
Er sagte, dass bei einem Messerangriff unter Jugendlichen die erste Reaktion sein könne, den Hintergrund des Mordverdächtigen und dessen Erziehung infrage zu stellen. „Aber was, wenn es nicht die Familie ist?“, fragte Graham und fügte hinzu: „Wir sind vielleicht alle verantwortlich. Die Schule. Die Gesellschaft. Eltern. Gemeinschaft.“
RND/AP