Batmännchen allein zu Haus
Batmännchen hat einen Pappkarton mit Spitzohren und Sehschlitz auf dem Kopf. Er jagt durchs ganze Haus, und es ist ein wirklich großes Haus. Auf der Flucht vor ihm ist die kreischende Selina, nein, keine kleine Catwoman, sondern die getigerte Hauskatze. Es geht über Stühle und Bänke, und Urgroßvater Waynes Urne geht ebenso zu Bruch dabei wie auch ein echter Picasso. „Der Weihnachtsmann beobachtet Sie“, mahnt der stets nachsichtige Butler Alfred. Aber da ist Batmännchen schon im Lüftungsschacht verschwunden.
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Zur vollständigen AnsichtWas noch längst nicht alle Batman-Fans wissen: Der Superheld alias Bruce Wayne hat tatsächlich einen Spross. Die Mutter ist Talia, die Tochter seines Erzfeinds R‘as al Ghul. Und Damian Waynes Lebensgeschichte ist verschlungener als ein verknüddeltes Rasenmäherkabel. Als Teenager erst traf Damian auf seinen Vater, der bis dato nichts von ihm wusste. Die Beziehung war nicht einfach, aber ganz am Ende war er dann der neue Robin an Batmans Seite.
Bruce Wayne ist ein alleinerziehender Helikopterdaddy
Für Mike Roths Zeichentrickkomödie „Merry Little Batman“, den Batman-Weihnachtsfilm, wird diese Geschichte neu geschrieben. Damian ist hier der quirlige gerade mal achtjährige Sohn von Bruce „Batman“ Wayne, einem alleinerziehenden Helikopterdaddy, der vor dessen Geburt Gotham „in Überstunden“ so nachhaltig vom Verbrechen befreite, dass die einstmalige Kapitale der Superschurken als sicherste Stadt der Welt gilt.
Batman ist ein moderner Vater, aber er hat auch irrationale Ängste: Die Katze könnte ihn kratzen oder er könnte sich einen hirnfressenden Parasiten aus ihren Fäkalien auflesen. Mit dem „dunklen Ritter“, dem vom Tod seiner Eltern traumatisierten Vigilanten, hat das nichts zu tun. Dieser Batman ist eher der Sonnenschein im Nachtdress, wie ihn Adam West in der Sechzigerjahreserie spielte.
In Damians erstem Batgürtel sind Batarangs aus Schaumstoff
Damian will möglichst schnell ein zweiter Batman an Batmans Seite werden Der Batgürtel, den ihm Papa zu Weihnachten schenkt, ist aber Babykram mit Batarangs aus Schaumstoff. Als die Superheldenvereiniger der Justice League Papa Batman nach Nova Scotia beordern, ist Damian dann so allein zu Hause wie vor ihm nur Kevin.
Einbrecher fallen über das kathedralengroße Anwesen her. Und über die fällt wiederum Damien her. Er vertrimmt und vertreibt sie auf die brutal-naive alte Kevin-Weise. Dabei wird ihm sein Batgürtel gestohlen, woraufhin er in Jokers Küche gerät. Dieser Westernhagen-Lookalike, ein dünner Hering im lila „Halleluja“-Anzug, will Weihnachten stehlen und zerstören – Gothams Supergrinch.
Batmännchen bekommt einen Batdress mit KI
In „Merry Little Batman“ gibt es den bärtigsten Batman aller Zeiten, den greisesten Alfred, den hässlichsten Pinguin, eine Poison Ivy von sehr diskretem Sexappeal und einen Mr. Freeze, der – schließlich wurde er mit Otto Preminger und Arnold Schwarzenegger schon von zwei Österreichern gespielt – einen alpenländischen Zungenschlag hat.
Und es gibt für Damian schließlich doch Batgarderobe, sogar ein Kostüm mit einer Künstlichen Intelligenz, die ihm bei Gefechten hilft und der er das Leid des Unterschätzten klagen kann. Das Batmobil wollte nur deswegen nicht anspringen, weil kein Kindersitz für Damian da war, und: „Ich muss immer noch Schwimmflügel tragen – in der Badewanne!“
Fliegen die Actionfetzen zu sehr, denkt man an einen noch kleineren Batman
Ein Abenteuer für Batman-Fans aller Alter, das mit seinem überaus schwungvollen Zeichenstil aus der Masse der DC-Animationsfilme herausragt. Alles hier ist „bigger than life“, am Ende aber wären ein paar Umdrehungen weniger mehr gewesen. Denn das Rambazamba überbraust niedliche kleine Pointen: Wenn Batdaddy und Batsohn etwa am Essenstisch zusammen die Titelmelodie aus der alten „Batman“-Serie singen. Oder wenn man hie und da an Spinnweben in Wayne‘s Manor erkennt, dass Bruce Wayne kein Tophausmann ist oder sich – hey, Millionär! – kein Putzkommando leisten will.
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Zur vollständigen AnsichtWenn die Fetzen in „Merry Little Batman“ zu sehr fliegen, denkt man indes an den noch kleineren Batman, das Noppenkerlchen aus den DC-Lego-Filmen. Der war heroisch, nicht der hellste, über alle Maßen in sich selbst verliebt. Und hielt verlässlich die Balance zwischen Charme und Action. Unschlagbar!
„Merry Little Batman“, Animationsfilm, 88 Minuten, Regie: Mike Roth, mit den Stimmen von (im Original) Yonas Kibreab, Luke Wilson, James Cromwell, David Hornsby, Dolph Adomian, Theresa McLaughlin, Brian George, Chris Sullivan (ab 8. Dezember bei Amazon Prime Video)