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Versicherungs-Fachmann Lars Pelzmeier erzählt aus seinem Berufsalltag – und gibt Tipps

Von Irrtümern und Betrügern

Handy kaputt? Kein Problem. Schnell eine Geschichte ausdenken – die Versicherung zahlt ja. Vor dieser Einstellung warnen Experten FOTO: Volker Kraus / pixelio.de

Autor:

PATRICIA SZABO

BENNIGSEN/SPRINGE. Grau ist alle Theorie – das gilt auch bei Versicherungen. Wir haben darum einen heimischen Experten gebeten, aus dem Nähkästchen zu plaudern – und typische Fälle aus dem Alltag zwischen Deister und Süntel zu erzählen: Was alles passieren kann und woran man dabei denken muss.


DAS HOCHWASSER: Als im Sommer des vergangenen Jahres in Bennigsen der Dauerregen abklang, rief Anita S. bei Lars Pelzmeier an. Sie saß im überschwemmten Wohnzimmer ihres Hauses. „Alles musste raus“, erinnert sich der Fachmann von der VGH. Anitas Eigenheim erlitt einen Schaden von rund 150 000 Euro. Die Versicherung übernahm – nicht nur die Räumung, sondern auch Malerarbeiten und Ersatzunterbringung. Merke: Nicht nur, wer an einem großen Fluss lebt, sollte zumindest über eine Elementarschädenversicherung nachdenken.


DAS MISSVERSTÄNDNIS: Immer wieder begegnet Pelzmeier Menschen, die einem im Ernstfall teuren Irrtum nachhängen: „Oft denken die Leute, dass die Gebäudeversicherung auch das Inventar mitversichert“, sagt er. Für solche Fälle hat er ein bildliches Beispiel entwickelt: „Stellen Sie in Gedanken ihr Haus auf den Kopf. Alles, was dabei herausfällt, sollte versichert werden“. Dabei schätzten viele den Wert ihrer Besitztümer viel zu niedrig ein: Gerade ältere Menschen besitzen oft viel teuren Schmuck.“ Pelzmeier rät: Alles genau auflisten und fotografieren, am besten mit Lineal daneben.“ Wer Türen und Fenster nachrüstet oder einen Tresor anschafft, kann außerdem Rabatte erhalten.


DIE PRIORITÄT: Das Auto? Hoch versichert. Die eigene Arbeitsleistung? Eher nicht. „Die Haltung ‚Mir passiert schon nichts‘ ist leider viel mehr die Regel als die Ausnahme“, bedauert Pelzmeier. Wie schnell man selbst aber etwa in die Arbeitsunfähigkeit oder in schlimmere Lagen kommen kann, zeige für ihn der Ski-Unfall des Formel-1-Fahrers Michael Schuhmacher. „Sie müssen ja gar nicht selbst der Verursacher sein“, macht Pelzmeier deutlich.

Er erinnert sich an einen heimischen Handwerker, der bei der Arbeit abrutschte und sich mehrfach sein Bein brach. Drei Jahre lang habe er nicht arbeiten können. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ermöglichte im die Reha – und den Weg in die Selbstständigkeit: „Ohne die Versicherung hätte er sein Haus verkaufen und am Existenzminimum leben müssen“, macht Pelzmeier deutlich. Die Raten seien recht teuer – es gebe aber auch Angebote für geringere Einkommen. Hauptgrund für Berufsunfähigkeit seien psychische Leiden, wie „Burn out“ oder Depressionen, so Pelzmeier.


DER HANDY-TRICK: „Huch, meinem Freund ist mein Handy aus der Hand gefallen“ – diese Ausrede hört der Versicherungsexperte nicht selten. Schließlich hat der besagte Freund eine Haftpflichtversicherung. Soll die doch zahlen. Aber das ist falsch, sagt Pelzmeier. Versicherungsbetrug ist für ihn auch ein Thema. Doch die Branche rüstet auf: Inzwischen schickten die Versicherungsfirmen verdächtige Geräte an eine Gutachterfirma. Diese werden dort auf Herz und Nieren geprüft und jedes Detail genaustens beachtet: Passt der Schaden zum geschilderten Verlauf? Mit unterschiedlichen Testverfahren stellen die Gutachter dann fest, ob die Geschichte so wie geschildert stimmen kann.„Handybetrug ist sehr häufig“, bedauert Pelzmeyer.

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