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Wenn in Springe ein Einbruch passiert, sind gleich mehrere Polizei-Einheiten damit befasst

Jede Spur zählt

SPRINGE. Ein Sonnabendvormittag in Springe. Ein leer stehendes Haus, das gerade renoviert wird. Als der 50-jährige Eigentümer am Hauseingang vorbei in den Garten kommt, sieht er, dass die große Schiebetür mit Fliegengittern am Eingang zum Wintergarten zur Seite geschoben ist. Und nicht nur das: Sie ist übersät mit Macken, Hebelspuren. Ein Einbruchsversuch. Der Mann ruft die Polizei.

Die Polizei bei der Arbeit: Fingerabdrücke werden am Tatort in Springe mit Klarsichtklebefolie vom Fensterglas aufgenommen. FOTOS: HERRMANN

Autor

Bernhard Herrmann Reporter

Der KDD leistet mit geschulten Ermittlern seinen Beitrag zur Aufklärung – nicht nur bei Einbruchdiebstählen, sondern auch bei Bränden, Todesfällen oder Sexual- und schweren Raubdelikten. Bei Einbrüchen wie dem in Springe gibt es ein festes Schema: „Wir ermitteln den Tatzeitraum, rekonstruieren den Tatablauf, befragen etwaige Zeugen nach Täterhinweisen und fragen, was gestohlen wurde“, erklärt Sylvan Bormann vom KDD. „Dann schauen wir uns den Weg der Täter im Umfeld, auf dem Grundstück und im Wohnhaus an. Dabei suchen wir alle Spuren, die Täter irgendwo hinterlassen haben“, sagt Bormann.

So nehmen die Beamten Abdrücke der Hebelspuren, um diese später möglicherweise einem Tatwerkzeug zuordnen zu können. Mit dem klassischen Rußpulver und einem feinen Pinsel werden unter anderem Hand-, Finger-, und Handschuhabdrücke auf verschiedenen Untergründen sichtbar gemacht, mit Klarsichtklebefolie abgeklebt und auf einer Spurensicherungskarte gesichert. Kaum sichtbare Schuhab- und -eindrücke auf verschiedenen Materialien werden mit schwarzer Gelatinefolie gesichert, fotografiert und mithilfe einer Bildbearbeitungssoftware sichtbar gemacht.

„Eine besondere Bedeutung kommt heutzutage den DNA-Spuren zu“, sagt der Polizeikommissar. Im Jahr 1990 fällte der Bundesgerichtshof ein Grundsatzurteil, in dem die Nutzung de Spuren zu Beweiszwecken in Strafverfahren für zulässig erklärt wurde. „Wir suchen am Tatort auch nach winzigsten Spuren von Blut, Zellen, Speichel und anderen Körperflüssigkeiten“, sagt Bormann. Die DNA-Analysen werden im Landeskriminalamt Niedersachsen zur Überführung von Straftätern vorgenommen. Wenn die Ermittler vor Ort fertig sind, geht es in Garbsen weiter: Dort ist die zuständige Ermittlungseinheit Eigentum des Kriminal- und Ermittlungsdienstes ansässig. „Wir ermitteln für die Polizeiinspektion Garbsen mit sechs angegliederten Polizeikommissariaten in der Region Hannover mit acht Beamten und zwei zusätzlichen Beamten in den Wintermonaten“, sagt deren Leiterin Melanie Suermann. „Zeitnah nehmen wir Kontakt mit dem Geschädigten auf und schauen uns den Tatort mit den vom KDD gemachten Angaben im Hellen an.“

So fährt Axel Tegtmeyer, der für Springe zuständige Beamte der Einheit, am Montagvormittag nach dem versuchten Einbruchdiebstahl in einem zivilen Funkstreifenwagen ins Wohnviertel nach Springe.

Der Kriminalkommissar klettert in ziviler Kleidung mit Aktenmappe über den schmiedeeisernen Zaun und geht zur Terrassentür. Insgesamt zählt der Beamte dort 13 Hebelspuren, die von einem großen Schraubendreher stammen. „Vermutlich haben sich zwei bis drei Täter zwischen Freitagabend und Sonnabendvormittag für etwa fünf bis zehn Minuten auf dem Grundstück bewegt“, sagt Tegtmeyer.

Der Beamte schaut sich etwa 20 Minuten lang das Grundstück und das leerstehende Wohnhaus ringsherum an, ohne von jemand in den beiden Nachbarhäusern anwesenden Bewohnern bemerkt und angesprochen zu werden. „Ein Bewegungsmelder, der den Wintergarten von außen beleuchten sollte, funktioniert nicht“, sagt der Kriminalkommissar.

Auch die Haustürverglasung würde einem Einbruch nicht standhalten. In diesem Fall, glaubt der Ermittler, seien die Täter gescheitert, weil sie glaubten, die Schiebetür sei eine Drehtür mit rechtsseitigem Anschlag.

Wer bei der Einbruchprävention nur auf die wachsamen Nachbarn hofft, der liegt falsch, sagt Tegtmeyer: „Nachbarn bewachen nicht 24 Stunden lang die Häuser und Wohnungen ihrer Nachbarn. Sie sind ein wichtiger sozialer Kontrollfaktor, werden jedoch hinsichtlich ihrer Wirksamkeit oftmals überschätzt“ Auch Hunde seien meist viel zu lieb.

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