weather-image

Hilferuf aus den eigenen vier Wänden

Lieber zuhause leben statt in einer Einrichtung – diese Einstellung vieler Senioren ist nachvollziehbar. Aber sie ist auch eine Herausforderung. Denn den Alltag im Alter alleine zu bewältigen, birgt auch Risiken. Aus diesem Grund gibt es bereits seit rund 30 Jahren den Hausnotruf. Springe spielt dabei eine große Rolle.

Ein Mitarbeiter in der Service- und Hausnotrufzentrale im DRK-Haus An der Bleiche in Springe. FOTO: SZABO

Autor:

PATRICIA SZABO

Tausende Nutzer des Systems aus der Region, aber auch aus ganz Niedersachsen und darüber hinaus werden in die DRK-Service- und Hausnotrufzenrale An der Bleiche verbunden, wenn sie im Notfall den Knopf ihres Systems betätigen. Henrik Töpfer ist Leiter der Zentrale – und erklärt, wie unkompliziert der Kontakt zum Hausnotrufsystem hergestellt werden kann.

Wie funktioniert der Hausnotruf?

Mit Hilfe des Hausnotrufes kann in prekären Situationen unkompliziert Kontakt zum jeweiligen Anbieter hergestellt werden. Neben dem DRK bieten in der Umgebung auch die Malteser, die Johanniter-Unfallhilfe oder der ASD dieses elektronische Meldesystem an.

Die Hausnotrufzentrale in Springe ist rund um die Uhr und sieben Tage die Woche besetzt – von hier aus werden nebem dem Hausnotrufsystem auch der ärztliche Bereitschaftsdienst oder die Fahrdienste des DRK koordiniert.

Die Bedienung des Hausnotrufs ist für den Nutzer denkbar einfach: Wenn er im Bedarfsfall den Knopf am Armband drückt, stellt die Basisstation in der Wohnung sofort eine Verbindung zur Zentrale her. In der Hausnotrufstation des DRK in Springe „An der Bleiche“ sitzen etwa Rettungssanitäter, die sowohl eigene Notrufe entgegen nehmen, als auch die anderer Pflegedienste und die genau wissen, was zu tun ist.

Sie haben automatisch alle nötigen Angaben über den Anrufer auf dem Computerbildschirm: Adresse, Angaben über den Hausarzt, die Angehörigen und gesundheitliche Einschränkungen. So kann die Notrufzentrale das Problem sofort einordnen und gegebenenfalls Verwandte, Nachbarn oder den Rettungsdienst informieren.

Über das Notrufgerät, dass über Funk mit einer Freisprecheinrichtung verbunden ist, können die Mitarbeiter auch direkt mit dem Betroffenen sprechen – denn die Basisstation verfügt über einen Lautsprecher und ein Mikrofon. So können etwa auch Fehlalarme umgehend abgeklärt werden.

Der Hausnotruf wird parallel zu anderen Telefondiensten betrieben und hat immer die oberste Priorität. „Der Hausnotruf ist ein sehr komplexes Thema, das stark von der Autonomie und Selbständigkeit des Kunden abhängt. Für jeden ist etwas dabei, je nach Krankheitsbild und Konstitution“, sagt Töpfer. Technische Lösungen gibt es viele, doch eines haben sie alle gemeinsam: „Der Notrufknopf wird immer am Körper getragen“, erklärt Töpfer. Je nach Bedarf können die Patienten entscheiden, ob sie das Gerät am Handgelenk oder als Halskette tragen möchten.

Wie viel kostet der Hausnotruf?

Ein Hausnotrufsystem hat in der Regel eine Basisstation und einen Sender mit Knopf. Diese Standardausrüstung kostet im Monat 18,36 Euro. Die Kosten hierfür sind bundesweit gleich und werden von der Pflegekasse übernommen, wenn ein Pflegegrad vorliegt und sofern der Hausnotrufdienst-Anbieter von der Pflegekasse anerkannt ist. Die Grundleistungen umfassen die Benachrichtigung eines Rettungsdienstes oder des Hausarztes, die Installation der Technik sowie regelmäßige Wartung und Reparaturen. Wer selber zuzahlt, kann auch weitere Dienste buchen – dazu gehört unter anderem die Haustürschlüsselverwahrung oder ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst für Hausbesuche.

Wie entwickelt sich der Bedarf`?

„Wir leben in Zeiten, in denen das Familienleben immer mehr auf der Strecke bleibt und ältere Menschen immer häufiger allein sind“, sagt Töpfer. Auch der Rückgang der Ärztezahlen in ländlichen Gebieten werde, so Töpfer, den Einsatz eines Hausnotrufes immer unumgänglicher machen. Dank der fortschreitenden Digitalisierung seien so auch Ferndiagnosen möglich: „Die ersten Feldstudien dazu laufen bereits.“ So könne zum Beispiel auch ein Blutdruckmessgerät oder eine Waage mit der Basisstation gekoppelt und die Werte automatisch gesendet werden.

Bei Abweichungen von bestimmten Schwellwerten könne die Notrufzentrale sofort reagieren und einen Rettungswagen oder einen Angehörigen vorbeischicken, erklärt er. „Digitalisierung spielt bei der Hausnotrufzentrale eine nicht unerhebliche Rolle. Je mehr digitalisiert wird, desto mehr Möglichkeiten haben wir“, sagt Töpfer. Doch das den Kunden zu vermitteln sei noch schwierig.

Der Hausnotruf-Experte verweist aber auch auf Neuerungen auf diesem Gebiet: „Mittlerweile gibt es den mobilen Hausnotruf mit GPS“. Für die Kunden bedeute das, auch außerhalb der eigenen vier Wände sicher zu bleiben – auch beim Spaziergang könne man so den Notruf auslösen und schnell geortet werden. „Der Einsatz dieser Geräte kann Leben retten“, sagt Töpfer und verweist auf Demenzkranke, die schnell die Orientierung verlieren.

Weiterführende Artikel
    Kommentare