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„Die Rente ist besser als ihr Ruf“

„Die Rente ist sicher“, sagte der einstige Arbeitsminister Norbert Blüm. Das ist sie auch, aber einen komfortablen Lebensabend garantiert sie keineswegs. Macht man sich das klar, fällt das Sparen umso leichter.

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Rentner scheint es nur in zwei Formen zu geben: In der Werbung begegnen sie uns als „Silver Surfer“, die teure Pullover tragen und den ganzen Tag mit ihren Enkeln Drachen steigen lassen. In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen dagegen laufen sie als abgerissene Gestalten herum, denen massenhafte  Armut droht.

Die Wahrheit liegt meist dazwischen, aber wo man sich selbst eines Tages einsortieren wird, hängt mehr denn je von rechtzeitiger Planung ab. Denn unstrittig ist, dass die nächste Generation durch die gesetzliche Rente nicht so gut versorgt sein wird wie die aktuellen Rentner. Im sogenannten Umlagesystem übernimmt die gerade arbeitende Generation die Versorgung der Rentner, und hier schlagen Babyboom und Pillenknick voll durch: Heute stehen 100 Berufstätigen 44 Rentner gegenüber. Im Jahr 2050 könnten es 78 Ruheständler sein. Damit die Beiträge für die Rentenversicherung dann nicht ins Astronomische steigen, wird das Rentenniveau sinken.

Sparen für ein bisschen Luxus

Für einen Abgesang auf das Rentensystem sieht der Wirtschaftsprofessor Bernd Raffelhüschen dennoch keinen Anlass. „Unsere Rente ist viel besser als ihr Ruf“, sagt er. „Sie ist leistungsgerecht und nachhaltig.“ Allerdings meint der 60-jährige Professor nicht die staatliche Rente allein. Raffelhüschen ist seit eh und je Verfechter der privaten Zusatzversorgung. „Die gesetzliche Rente bleibt über das Jahr 2030 die tragende Säule der Altersvorsorge – aber erst die private Vorsorge sichert den Lebensstandard.“

Aber wie viel Geld wird man dafür eigentlich eines Tages brauchen? In Umfragen hoffen die Befragten meist auf 60 bis 80 Prozent ihres Bruttoeinkommens, um den Lebensstandard auch als Rentner halten zu können. Raffelhüschen rechnet mit 60 Prozent, was die über 50-Jährigen nach seiner Studie  größtenteils erreichen werden. Die Jüngeren müssen dagegen Lücken von einigen Hundert Euro im Monat schließen. Das gilt erst recht für Geringverdiener. Sie erreichen zwar eine relativ hohe Quote – aber wem hilft es, wenn 70 Prozent des früheren Gehalts keine 700 Euro sind?

Schon jetzt gilt als sicher, dass sich die Zahl der Rentner, die von der Grundsicherung leben müssen, in den nächsten Jahren verdoppeln wird – weil viele Menschen zu wenig verdienen oder zu oft arbeitslos sind, um genug Geld in die Rentenkasse einzahlen zu können. Daran ändern auch die Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre wenig. Von der Rente mit 63 profitiert nur, wer mit 45 Beitragsjahren ohnehin gut abgesichert ist – abgesehen davon, dass in aktuellen Koalitionsgesprächen schon Forderungen nach ihrer Abschaffung laut wurden.   

Es hilft also nichts: Wer im letzten Viertel des Lebens nicht jeden Cent dreimal umdrehen will, muss sich rechtzeitig Gedanken machen. Dazu gehört das private Sparen durch Investmentfonds – das geht auch mit regelmäßigen kleinen Beträgen oder durch den Kauf einer Immobilie. 
 

Daneben gibt es zwei staatlich geförderte Wege der Altersvorsorge: Die betriebliche Altersvorsorge wurde gerade verbessert, ist aber in den östlichen Bundesländern bei weitem noch nicht so verbreitet wie im Westen. Für alle dagegen gibt es die Riester-Rente, wo Geld in Sparpläne, Rentenversicherungen oder Immobiliendarlehen gesteckt wird. Sie wird zwar immer wieder wegen komplizierter Verträge und relativ hoher Vermittlerprovisionen kritisiert,  garantiert aber wenigstens staatliche Hilfe beim Sparen. Es gibt jährlich 154 Euro Grundzulage, ab 2018 sollen es 175 Euro sein. Außerdem gibt es bis zu 300 Euro pro Kind. Gleichzeitig werden Einzahlungen von der Steuer abgesetzt.

Ein Konstruktionsfehler der privaten Vorsorge wurde wenigstens teilweise beseitigt: Vom nächsten Jahr an wird sie nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet. Wer nur eine kleine gesetzliche Rente bekommt, darf bis zu 100 Euro monatlich aus freiwilliger Altersvorsorge behalten. Doch so tief scheinen viele Betroffene gar nicht erst ins Thema einzusteigen: Nur rund die Hälfte der Berechtigten hat überhaupt einen Riester-Vertrag abgeschlossen.

"Die gesetzliche Rente bleibt die tragende Säule der Altersversorgung. Aber erst private Vorsorge sichert den Lebensstandard."

Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler

 

92 Prozent der unter 30-Jährigen in Deutschland verbinden mit Verantwortung im Privatleben auch finanzielle Vorsorge.


Von Stefan Winter
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