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Der Preis der Sicherheit

Wer regelmäßig Geld beiseitelegt, kann ein Vermögen aufbauen, hieß es früher einmal. In Zeiten von Niedrigzinsen ist  das deutlich schwieriger. Wer sein Geld vermehren möchte, kommt an dosiertem Risiko nicht vorbei.

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Alle, die zu faul sind, sich mit Geldanlage zu befassen, finden schnell den guten Grund:  Die Zinsen sind im Keller, es ist doch sowieso nichts zu holen. Ein Viertel der Deutschen befasst sich gar nicht erst mit Geldanlage, hat jüngst eine Umfrage der Sparkassen ergeben, unter den üngeren sei es sogar ein Drittel.

Aber den einen oder anderen Gedanken sollte doch jeder für finanzielle Vorsorge aufwenden. Dass die Altersvorsorge für die nächste Generation Lücken aufweist, ist bekannt. Aber auch für Anschaffungen sollte es ein Polster geben, wenn man sich nicht einem Leben auf Pump ausliefern will. „Wir müssen zwischen jetzigem und zukünftigem Konsum abwägen“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

Damit stellen sich wichtige Fragen von selbst: Was ist das Ziel des Sparens? Wird das Geld zu einem bestimmten Termin gebraucht? Ist ein größerer Betrag verfügbar, oder müssen erst einmal kleinere gestapelt werden? Wie viel Geld muss jederzeit verfügbar sein? Normalverdiener, die einigermaßen ehrlich antworten, können einige gern diskutierte Themen gleich abhaken: Für die sogenannten exotischen Anlagen wie Kunst, Schmuck oder Oldtimer, für die Finanzierung von Crowdfunding-Projekten oder für die Kryptowährung Bitcoin fehlt meist schlicht das Spielgeld – und nur das sollte man dort riskieren, wenn man Spaß daran hat.

Dem Zusammenhang von Chance und Risiko entgeht kein Sparer. Je sicherer eine Geldanlage ist, desto weniger Ertrag bringt sie – die Rendite ist der Lohn für das Wagnis, der Verzicht darauf der Preis der Sicherheit. Wer allerdings gar nichts tut, hat den Verlust sicher. Derzeit braucht man rund 1,8 Prozent Rendite pro Jahr, um real kein Geld zu verlieren. Denn das ist die aktuelle Inflationsrate, also der Prozentsatz, den ein liegen gebliebener Euro in einem Jahr weniger wert sein wird. Mit  Tagesgeld oder Festgeld ist derzeit kaum ein halbes Prozent zu schaffen. „In der aktuellen Niedrigzinsphase werden sicherheitsorientierte Sparer nicht belohnt“, sagt Verbraucherschützerin Oelmann.

Es bleibe „bei dem guten Rat, unterschiedliche Anlageformen zu wählen“, sagt Andreas Martin vom Bundesverband der  Volksbanken und Raiffeisenbanken. Dazu gehören für ihn Immobilien – besonders selbst genutzte –, Riester-Verträge  sowie Fondssparverträge. Diese geben auch Kleinsparern die Chance, am Erfolg von Unternehmen teilzuhaben – und Unternehmen entwickeln sich in der Regel dann besonders gut, wenn Zinsen niedrig sind. Mit kleinen Tricks haben Sparer auch unter schwierigen Bedingungen die Chance, mehr aus ihrem Geld zu machen.

Schulden abtragen: Kreditzinsen sind höher als Sparzinsen. Wer Schulden senkt, spart damit meist mehr, als er mit einer Anlage des Geldes verdienen könnte – zumal es hier tatsächlich kein Risiko gibt.

Früh anfangen: „Je früher man anfängt, desto leichter kommt man ans Ziel“, sagt Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon mit Blick auf den Zinseszinseffekt: Erträge bleiben auf dem Konto liegen und werden fortan selbst verzinst. Der Effekt verstärkt sich über die Zeit. Sparen kann man 30 oder 50 Euro im Monat.

Bestes Angebot suchen: Ganz ohne Tages- oder Festgeld geht es nicht, wenn man flexibel bleiben will. Weil das Produkt standardisiert ist, lohnt es sich, Angebote zur vergleichen. Dabei kann auch eine Auslandsbank gewinnen, bei der man aber auf die Einlagensicherung achten muss.

Vermögenswirksame Leistungen nutzen: Der Arbeitgeber zahlt für den Mitarbeiter bis zu 40 Euro monatlich in einen Bausparvertrag oder Fondssparplan. Zusätzlich gibt es je nach Einkommen staatliche Förderung. Für zwei Drittel der Beschäftigten gibt es diese Möglichkeit, aber  „ein Drittel der Menschen nutzt vermögenswirksame Leistungen nicht, obwohl sie es theoretisch könnten“, sagt Sparkassen-Präsident Fahrenschon.

Fonds: Auf lange Sicht gelten Aktien als lukrativste Geldanlage, zumal sie neben der erhofften Kurssteigerung regelmäßige Dividende versprechen. So sind 5 Prozent jährliche Rendite eine realistische Durchschnittsgröße. Volksbanken-Vertreter Martin sieht trotz des hohen Dax-Standes weiter „hohe Renditechancen“. In einzelne Papiere sollte man aber nur investieren, wenn man sich mit dem Thema beschäftigen will und auch einmal Verluste verkraften kann. Dagegen sind Fonds gut für das langfristige Sparen geeignet. In ihnen werden verschiedene Wertpapiere gemischt.

Gebühren sparen: Provisionen und Gebühren können die schönste Rendite auffressen. Bei Fonds gibt es die Wahl zwischen gemanagten und sogenannten ETFs. Bei den einen entscheidet ein Fondsmanager über die Zusammensetzung, die anderen bilden automatisch die Werte eines bestimmten Index wie Dax oder Euro-stoxx ab. Ihre Gebühren sind niedriger, die Chancen aber nicht kleiner.

"Ein Drittel der Menschen nutzt Vermögenswirksame Leistungen nicht, obwohl sie es theoretisch könnten."

Georg Fahrenschon, Präsident Deutscher Sparkassen- und  Giroverband

"Es bleibt bei dem guten Rat, unterschiedliche Anlageformen zu wählen."

Andreas Martin, Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken


Von Stefan Winter

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