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Wie in Bad Münder Wahlkampfplakate entstehen

BAD MÜNDER. Das Geschäft mit dem Wahlkampf ist eines unter Hochdruck. Und die Firma GKS Siebdruck in Bad Münder kennt es aus dem FF. Sie fertigt Wahlplakate für Dänen, Schweizer und beinahe alle Wahlkämpfe in Deutschland.

Kundenberaterin Hilke Krüger im Gespräch mit Digitaldrucker Michael Baumgarten in der GKS Druckerei in Bad Münder. Foto: Weißling
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Ein einträgliches Zusatzgeschäft für die Druckerei, die als eine der ersten in Deutschland vor etwa 15 Jahren damit begann, Hohlkammerplakate aus Polypropylen zu bedrucken. Leicht, wetterfest, PVC frei und zu hundert Prozent recycelbar. Dabei sind die Plakate vergleichsweise günstig. Ein Angebot, das auf Werbung zugeschnitten ist und nebenbei perfekt zum Straßenwahlkampf passt.

Doch so routiniert die Münderaner in diesem Bereich arbeiten, so viel Roulette steckt auch in diesem Geschäft, erklärt Kundenberaterin Hilke Krüger: „Wir bestellen unser Material weit im Voraus und schätzen unseren Bedarf ab.“ Entsprechend bestellt sie jeweils einen ganzen LKW vollgeladen mit Rohmaterial für DIN A0 und DIN A1 Plakate. Dann heißt es warten, bis auch die Parteien und ihr Personal einen Plan haben.

Nur ein Teil der Wahlaufträge wird über Agenturen abgewickelt, mit denen GKS Siebdruck ohnehin in engem Kontakt steht. Viele Anfragen kommen von den aufgeregten Wahlkämpfern selbst. „Die ersten sprechen mit uns über Preise, die letzten fast nur noch über Liefertermine“, berichtet Krüger. Dann gibt es solche, denen auf einmal die Krawatte nicht mehr passt, die sie zum Fototermin trugen und alles geht zurück auf null. Schließlich die Logistik so zu organisieren, dass die Plakate bei manchen Empfängern auf eine halbe Stunde genau ankommen, ist eine weitere Herausforderung.

Gerade erst haben die Münderaner nicht nur Aufträge der Bundes SPD abgewickelt, sondern auch die 50 kleinformatigen Plakate eines parteilosen Bundestagskandidaten aus Berlin geliefert, der in den wenigen Wochen des Geschäftskontakts zum zweiten Mal Vater wurde. Seinen Wahlkampf stemmt dieser Mann neben allen anderen Herausforderungen gerade nebenbei. „Mal rief er aus dem Auto mit seinen zwei Kindern an Bord an. Mal zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt am Freitagnachmittag“, sagt Krüger. Oder es fehlten noch Daten, die ein Freund nachzuliefern hatte“, erzählt Krüger. Mit Sympathievorschuss und etwas extra Unterstützung aus Bad Münder lief auch dieser an sich kleine Auftrag mit.

Davor und danach in der Druckmaschine: Etliche weitere Konterfeis, Sprüche und Gestaltungen von feinsinnig bis schlicht von Parteien fast jeglicher Couleur. Auch für Exoten wie die „Esoterische Partei“ hat GKS Siebdruck schon gearbeitet. Persönlich bevorzugt Hilke Krüger farbige Plakate mit Slogans vor reiner Portraitwerbung. Bevor sie die aber zu Gesicht bekommt, erfolgt nicht selten eine Kurzrecherche zum Auftraggeber.

Das Familienunternehmen behält sich vor, Aufträge aus ethischen Gründen abzulehnen. „Für radikale Parteien drucken wir nicht“, sagt Krüger. Auch die AfD muss sich mit zunehmender Orientierung nach rechts inzwischen an Mitbewerber wenden. Angenommene Kunden rettet Krüger dagegen manchmal sogar vor Blamagen. „Auch Druckdaten mit Rechtschreibfehlern kommen manchmal bei uns an“, verrät Krüger. Manche Auftraggeber seien aber auch beratungsresistent.

Wie erfolgreich die Plakatwerbungen letztlich sind, „darüber bekommen wir eigentlich keine Rückmeldung“, sagt Krüger. Ob die aktuellen Kandidaten Jahre später wieder anrufen, ist völlig ungewiss: Wahlkämpfer sind selbst wählerisch, wenn es um ihre Drucksachen geht. Manche verschwinden in der Versenkung.

Sehr wohl aber weiß Hilke Krüger, was mit den Platten passiert, die die Botschaften und Botschafter jedes Wahlkampfs tragen. „In der Regel gehen sie zurück an uns und dann in ein Recyclingwerk in Frankreich.“ Transportboxen für die Automobilindustrie werden daraus, oder aber Rohverschalungen für den Bau.

Dass die niedersächsische Landtagswahl plötzlich Monate nach vorne rückte und sich fast nahtlos an die Bundestagswahl anschließt, wirkt sich auch auf die Arbeit in Bad Münder aus. Zum einen drohen Materialengpässe. Zum anderen „ist schon die Bundestagswahl für uns mitten in die Urlaubszeit gefallen“. Durchaus eine Herausforderung für den Betrieb mit 17 Mitarbeitern, „die auch was haben wollen vom Sommer“, sagt Krüger.

Während manche Landtagswahlkämpfer froh sind, sich einen mühsamen Winterwahlkampf zu ersparen, hat Hilke Krüger schon die dunkle Jahreszeit im Blick. Ihre Kunden aus der Lampen- und Beleuchtungsbranche laufen jetzt zur Hochform auf. Manche Aufträge für die Landtagswahl passen da schon nicht mehr rein.

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