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Wahl in Bad Münder: Die Analyse

BAD MÜNDER. Direkt gewinnen, er kann es noch: Ulrich Watermann hat sich gestern den Wahlkreis zurückgeholt – in einer Deutlichkeit, die selbst glühende Anhänger der Sozialdemokratie nicht für möglich gehalten hatten. 42,1 Prozent der Stimmen versammelte er am Ende des Wahlabends auf sich.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Abgeschlagen hingegen Petra Joumaah: Die Münderanerin konnte ihren Erfolg des Jahres 2013 nicht wiederholen. Wahlkreisweit erreichte sie 34,7 Prozent.

Entsprechend enttäuscht zeigte sie sich, als sie am Abend ins Kornhus einzog. Kein Vergleich zum fulminanter Einzug bei der vergangenen Landtagswahl, als sie aus dem Stand den Wahlkreis direkt gewann und sich – mit hauchdünnem Vorsprung von gerade einmal 215 Stimmen – vor Watermann setzte. „Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass es auch dieses Mal wieder sehr eng wird. Und gehofft, dass ich am Ende gewinne“, bekannte sie nach dem Blick auf die bereits ausgezählten Schnellmeldungen. Deutlich war da bereits, dass es für sie nicht reichen würde. Sie gratulierte Watermann zum Wahlsieg.

Der Pyrmonter kennt das Gefühl der Niederlage ebenso wie das des direkten Wahlkreisgewinns. 1998, bei seiner ersten Kandidatur für den Landtag, hatte er das Mandat mit dem eindrucksvollen Wert von 49,5 Prozent direkt errungen – und bei der folgenden Wahl wieder verloren. Mit dem gestrigen Ergebnis zieht er erneut direkt in den Landtag ein, zum vierten Mal insgesamt. Die Euphorie bei ihm entsprechend groß: „Ich bin sehr zufrieden. Das ist wirklich irre. Ein super Gefühl. Fast wie 1998“, sagt er . Damals holte er jede Stadt, jede Gemeinde im Wahlkreis, und dieses Ergebnis gelang ihm erneut – selbst in Pyrmont, ausgerechnet für den Pyrmonter immer wieder ein schwieriges Pflaster, setzte er sich durch. Dass das Direktmandat in immer greifbarere Nähe rückte, sei ihm in der vergangenen Woche bewusst geworden. „Die Stimmung veränderte sich spürbar. Der Zuspruch wurde immer größer.“

Mit 42,2 Prozent der Stimmen setzte sich Watermann auch in Joumaahs Heimatort Bad Münder deutlich vor seine stärkste Mitbewerberin. Die Ortsbürgermeisterin und Ratsfrau erreichte 37,3 Prozent. Auffällig dabei: Joumaah versammelte 3414 Stimmen auf sich, nur 16 weniger als vor fast fünf Jahren. Ihr Gegenüber Watermann profitierte hingegen deutlich von der gestiegenen Wahlbeteiligung, nach 3466 Stimmen im Jahr 2013 konnte er nun 3860 für sich verbuchen. Seine Erklärung für den Erfolg: „Wir haben geschlossen Wahlkampf gemacht.“ Watermann ist stellvertretender Landesvorsitzender, innenpolitischer Sprecher seiner Landtagsfraktion und in seiner Partei hervorragend vernetzt. Neben der Parteibasis im Wahlkreis unterstützten ihn auch prominente Vertreter wie Stephan Weil und Stefan Schostok.

Drittstärkste Kandidatin in Bad Münder wurde Delia Klages (6,5 Prozent), auch im Wahlkreis setzte sich die Bewerberin der AfD mit 7,2 Prozent hinter Watermann und Joumaah. Ihre Partei zieht erstmals in den Landtag ein. „Ein hervorragendes Ergebnis“, kommentierte die Emmerthalerin ihr Abschneiden, machte aber auch deutlich, dass sich die Partei durchaus „das Ergebnis der Bundestagswahl plus x“ gewünscht habe.

Nur knapp dahinter landete Marc Telgheder. Der Kandidat der Grünen erreichte 6,9 Prozent im Wahlkreis und 6,4 Prozent in Bad Münder. Für den Osterwalder ein zufriedenstellendes Ergebnis. Besonders habe er sich über die hohen Stimmanteile im Ostkreis gefreut. FDP-Bewerber Markus Burdorf (5,1 Prozent im Wahlkreis, 4,2 Prozent in Bad Münder) interpretiert die Kürze des Wahlkampfs als persönliches Hemmnis. Für ihn, der erst vor einem Jahr in den Wahlkreis zog, sei es ohnehin eine Herausforderung gewesen, sich bekannt zu machen. 1481 Stimmen fielen im Wahlkreis auf den Bewerber der Linken Siegfried Meyer (4 Prozent), in Bad Münder erreichte er 3,5 Prozent.

Ob sich Joumaahs Platzierung auf der Landesliste als ausreichend für einen Einzug ins Parlament erweisen würde, war in der Wahlnacht lange unklar. Auf Platz 15 war sie positioniert. „Ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht“, sagte sie zunächst. Spät stand dann fest: Joumaah zieht doch über die Liste in den Landtag ein.

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