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Ulrich Watermann – Ein Scharnier zwischen Stadt und Land

BAD MÜNDER. Die Bundestagswahl war noch nicht komplett ausgezählt, da schaltete Ulrich Watermann im Wahlkampfmodus einen Gang höher: Plakate des erfolgreichen Bundestagskandidaten runter, Plakate der niedersächsischen SPD-Wahlkämpfer Watermann und Stephan Weil rauf. Die SPD will den Wahlkreis 36 direkt gewinnen.

Kämpft um das Direktmandat im Wahlkreis 36: Ulrich Watermann (SPD). Foto: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Tjark Bartels, Uwe-Peter Keil und Udo Zelck unterstützten den heimischen Bewerber, geht es doch um ein gemeinsames Ziel: Watermann erneut in den Niedersächsischen Landtag wählen zu lassen.

Drei Wahlperioden lang hat der 59-jährige Pyrmonter, Vater von zwei erwachsenen Töchtern und ehrenamtlicher Geschäftsführer einer sonderpädagogischen Einrichtung, den Wahlkreis dort bereits vertreten, von 1998 bis 2003 und wieder ab 2008. Mit dem erneuten Einzug in das Landesparlament 2013 veränderte sich aber Watermanns Schwerpunkt in der politischen Arbeit: War er bis dahin insbesondere im Bereich der Sozial- und Gesundheitspolitik tätig, wurde die Innen- und Sportpolitik zu seinem primären Betätigungsfeld. Die Fraktion wählte ihn zum innenpolitischen Sprecher. „Das war auch eine Herausforderung. Ich habe das Themenfeld komplett gewechselt“, macht er deutlich.

Gewechselt zu einem Zeitpunkt, als niemand ahnen konnte, welche tatsächlichen Herausforderungen gerade der Bereich Innenpolitik in der anstehenden Legislaturperiode noch bereithalten würde. „Berührungspunkte hatte ich da schon als Kommunalpolitiker, aber es kamen doch einige Bereiche hinzu, in denen ich viel gelernt und auch erfahren habe“, sagt er. Der verstorbene Landrat Rüdiger Butte habe ihm in der Anfangsphase als Berater zum Thema Polizei zur Verfügung gestanden. „Und dann kam das große Thema der Schutzsuchenden mit der Frage, wie man damit fertig wird, wenn auf einmal solche Massen kommen. Ein großes Thema, hinter dem andere Felder in den Hintergrund geraten sind. Parallel dann dazu die Sicherheitslage, die sich zuspitzte“, erinnert Watermann an zentrale Aufgaben der auslaufenden Wahlperiode. Seine Bilanz fällt durchaus positiv aus: „Ich bin da mit mir und dem, was wir geleistet haben, im Reinen.“ Das veränderte Verfassungsschutzgesetz („eines der liberalsten und konsequentesten in der Bundesrepublik“) stellt er als Erfolg heraus.

Als Landtagsabgeordneter verfolgt Watermann eine klare Linie: Das, was er für eine Gemeinde oder den Kreis erreiche, dürfe nicht zulasten Dritter gehen. „In der Landespolitik muss man mehr noch als auf Bundesebene gut vernetzt sein und an Lösungen arbeiten“, sagt er. Als Abgeordneter sei man quasi das Scharnier zwischen der Kommunal- und der Landesebene. Und werde er gefragt, was er für Bad Münder tun könne, habe er auch Antworten: Dafür arbeiten, dass sich die Stadt auch unter dem Zukunftsvertrag weiterentwickle. Dass sie Lösungen finde für das Problem des Solebades. „Da arbeiten wir ja schon geraume Zeit dran, und das ist nicht ganz einfach. Da muss man gucken, aus welchen Förderbereichen man das entwickeln kann – und dabei auch fragen, ob das zukunftsweisend ist, ob das die Stadt perspektivisch in die Zukunft trägt.“ Andere Aufgaben? „Sich darum zu kümmern, dass Ardagh nicht unter die Räder kommt.“ Die mündersche Glashütte habe durch den hohen Energieverbrauch immer wieder das Problem, im Zusammenhang mit dem Klimaschutz in den Blickpunkt zu geraten.

Auch eine Weiterentwicklung des ÖPNV will Watermann begleiten und einen neuen Anlauf zur Erweiterung des Großraumtickets der S-Bahn anschieben. Fest im Blick hat er, durch eine lange kommunalpolitische Schule gegangen, auch die Bedeutung von Investitionsstaus. Sein Beispiel stammt aus Bad Pyrmont. Die ursprünglich für 186 000 Mark geplante Sanierung einer Brücke sei so lange geschoben worden, bis sie schließlich rund 2,5 Millionen Euro gekostet habe. Das gehe so nicht. Politik habe viel zu lange den Fokus auf aufzunehmende Gelder gelegt – und dabei aus dem Auge verloren, dass sich fehlende Investitionen irgendwann deutlich rächen werden.

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